Der Großkahlschlag an der Plessenburg – 5 Jahre danach

Wald im Wandel zur Wildnis

„Im Nationalpark Harz sind in den letzten Jahren neue Waldbilder zu sehen. Die grauen Silhouetten abgestorbener Fichten ragen in den Himmel oder liegen – teilweise wild übereinander – im Gelände oder an den Straßenrändern.“

Der Wanderer denkt: Ich gebe zu, das ist tatsächlich ein neues Waldbild. Denn früher standen hier mal Fichten. Daran erinnere ich mich. Abgestorbene Fichten ragen hier aber nur ganz wenige in den Himmel. Da drüben, da stehen noch ein paar. Aber sonst sehe ich keine. Wild übereinander liegt hier gar nichts. Nur da oben an der Bushaltestelle, da liegen noch ein paar Stämme am Straßenrand.

„Getreu dem Nationalpark-Motto „Natur Natur sein lassen“ darf sich die Natur in großen Teilen des Nationalparks frei entwickeln. Die vom Menschen geprägten ehemaligen Wirtschaftswälder dürfen wieder zu wildem Naturwald werden.“

Also irgendwas ist hier schiefgelaufen. In Ruhe gelassen wurde die Natur hier wirklich nicht! Und diese Birken hier, die werden jetzt ein wilder Naturwald? Aha! Ist ja interessant …

„Dabei geht die Natur sehr konsequent vor. Geschwächt durch Stürme, Hitzewellen und Trockenheit als Folge des Klimawandels sind die Bäume anfällig für ein kleines Insekt – den Borkenkäfer. Die Fichten der ehemaligen Wirtschaftswälder sterben großflächig ab, wenn sich zu viele Käfer und Larven unter der Rinde entwickeln.“

Für wie dumm halten die mich eigentlich? Also was ein Borkenkäfer ist, das weiß ich doch! Steht ja ständig in der Zeitung. Manchmal frage ich mich, warum man diese Wirtschaftswälder überhaupt zum NLP erklärt hat. Dass die anfällig für den Borkenkäfer sind, das wusste man doch vorher!

„Doch wo Leben vergeht, entsteht auch Platz für Neues. Der Wald ist nicht tot. Der für viele Besucher gewöhnungsbedürftige Anblick ist nur eine kurze Zwischenstation auf dem Weg zur neuen Wildnis. Schnell beginnt die Natur, sich zu entfalten. Junge Bäume wachsen. Die Zahl der Tier- und Pflanzenarten nimmt deutlich zu. Seltene und bedrohte Arten finden wieder Lebensräume und kehren zurück.“

Wo Leben vergeht … predigt der jetzt? Hier ist nicht Leben vergangen, hier wurden Fichten gefällt, abtransportiert und verkauft. Natürlich ist der Wald nicht tot! Die Birken sind ja quicklebendig. Aber gewöhnungsbedürftig ist der Anblick nun wirklich nicht. Als ob ich noch nie Birken gesehen hätte! Die Zahl der Tier- und Pflanzenarten nimmt deutlich zu? Also ich sehe hier nur ziemlich gewöhnliche Arten: Himbeeren, Fingerhut, Brennnesseln, Huflattich. Seltene und bedrohte Arten? Hört sich an wie mein Nachbar und seine neue Blumenwiese. Mäht seinen Rasen nicht mehr und redet nur noch von den seltenen und bedrohten Blumen, die dort nun angeblich wachsen.

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Tote Bäume sind Lebensräume

Ein Kommentar zu „Der Großkahlschlag an der Plessenburg – 5 Jahre danach

  1. Hallo Herr Adrian! Ich habe die Broschüre des Nationalparks ebenfalls in der Hand gehabt und war genauso entsetzt. Sie war auch gleich Gegenstand eines kritischen Videos über die Waldpolitik des Nationalparks. Hier der Link zum Video auf meinem YouTube Kanal. https://youtu.be/iPpen9EXmSE
    Liebe Grüße R. Duske.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert