Nationalpark Harz – die dunkle Vergangenheit

Dunkle Vergangenheit Teil 4 – Kampf gegen den Borkenkäfer

Der Informationstext unter der Überschrift „Projekt Wildnis“ geht weiter wie folgt:

„Um hier wieder Wildnis wachsen zu lassen, baut die Natur radikal um. Millionen von Borkenkäfern bringen die alten Fichten zum Absterben. Dieser Vorgang verläuft aktuell extrem beschleunigt, denn als Folge des Klimawandels sind die Fichten durch zunehmende Wärme, Stürme und Dürreereignisse stark geschwächt. Die Käfer hingegen profitieren von dieser Entwicklung. Als „Abrissunternehmer“ der Natur hinterlassen sie einen zunächst befremdlich wirkenden Wald. Doch zwischen den toten Stämmen wächst eine neue Waldwildnis heran – vielfältiger und artenreicher. Rund ein Viertel aller Waldbewohner sind direkt auf Totholz angewiesen. Schauen Sie sich auf der Baustelle Natur um und werden Sie Zeuge der Rückkehr der Wildnis im Nationalpark Harz.“

Ich gehe vermutlich nicht falsch in der Annahme, dass die Nationalparkverwaltung den Klimawandel für etwas schlechtes hält.1siehe dazu Wetter und Klimawandel in den Tätigkeitsberichten des Nationalparks Harz Wenn dieser aber schlecht ist, dann auch seine Folgen. Also auch die Borkenkäfer. Also auch der Umbau der Natur. Und die Wildnis. Anders herum: Gäbe es den Klimawandel nicht, dann gäbe es auch keine Wildnis. Denn ohne Klimawandel kein Borkenkäfer. Zumindest keine Millionen. Kein Fichtensterben. Der Text ist in sich widersprüchlich: Ist der Klimawandel jetzt gut oder schlecht? Offenbar ist er gut, denn er schwächt die Fichten, fördert den Borkenkäfer und beschleunigt die Entstehung einer vielfältigen und artenreichen Waldwildnis. Der Klimawandel ist also gut?

Kampf gegen den Borkenkäfer an der Bremer Hütte 2014

Wie aber steht die Nationalparkverwaltung eigentlich zum Borkenkäfer? Liest man den Text oben, könnte man auf die Idee kommen, dass sie ihn für etwas Gutes hält. Wegen Waldwildnis und Totholz und Vielfalt und Artenreichtum. Doch die Verwaltung war nicht immer dieser Auffassung. Der Nationalparkplan aus dem Jahr 2011 ist die gesetzliche Grundlage des Parks. Und dort steht im Kapitel 2.2.4 unter der bezeichnenden Überschrift „Borkenkäfermanagement“:

„In der Naturentwicklungszone wird mit abgestufter Intensität und in Abstimmung mit der NW-FVA vorgegangen; größere Fichtenkomplexe sollen geschützt werden.“2Hervorhebung von mir

Diese fünf Worte lieferten die Begründung für all die vielen Kahlschläge in der „Naturentwicklungszone“. Immer ging es um den Schutz von Fichtenkomplexen. Halten Sie dies für eine Verschwörungstheorie? Dann lesen Sie bitte den Brief von Nationalparkleiter Pusch aus dem Jahr 2014.3siehe auch Schlammcatchen mit Borkenkäfern

Kampf gegen den Borkenkäfer an der Bremer Hütte 2014

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