Nationalpark Harz – die dunkle Vergangenheit

Dunkle Vergangenheit Teil 5 – Das gespaltene Bewusstsein der Nationalparkverwaltung

Die mittlere Tafel bietet keine Informationen. Dass der Wald nicht tot ist, ist ja gut und schön. Aber man würde doch gerne erfahren, was es denn hier „Neues“ zu entdecken gibt. Was bedeutet „jede Menge“ konkret?

Wenn „jede Menge Neues“ nur aus vier Bäumen und einem Schwarzspecht besteht – sie sind rechts daneben auf der Tafel abgebildet – dann braucht es dafür nun wirklich keinen Nationalpark:

Aber der Text der rechten Tafel ist aufschlussreich:

„‚Gut Ding braucht Weile …‘
Die neue Bergwildnis wächst nicht über Nacht. Junge Bäume brauchen Zeit, um sich anzusiedeln und groß zu werden. Wenn Sie die Brockenstraße nach rechts hinuntersehen, können Sie entdecken, dass bereits viele verschiedene Baumarten zwischen dem Totholz heranwachsen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat der Nationalpark Harz hier die Natur unterstützt und genau die Baumarten angepflanzt, die hier von Natur aus wachsen würden. So kann sich der neue Wald schneller entwickeln und von hier aus vielfältig ausbreiten.

Neue (alte) Hauptdarsteller
Der Harz ist von Natur aus ein Laubwald-Gebirge. Vor der menschlichen Einflussnahme gab es nur in den Gipfellagen ausgedehnte Nadelwälder. Ziel des Nationalparks Harz ist es, mit der Rückkehr der Wildnis auch die ursprünglichen Baumarten des Harzes zu fördern. Die Rückkehr der Laubbäume in ihre angestammten Areale ist ein langwieriger Prozess und kann mehrere Waldgenerationen dauern. Wir lernen dabei, Zeit nicht nur in menschlichen Maßstäben wahrzunehmen.“

Man könnte auf die Idee kommen, dieser Text sei von zwei verschiedenen Personen geschrieben worden:

  • Da ist auf der einen Seite die Person, die Geduld einfordert: „nicht über Nacht … brauchen Zeit … langwieriger Prozess … mehrere Waldgenerationen … Zeit nicht in menschlichen Maßstäben wahrnehmen“.
  • Und auf der anderen Seite ist die Person, die keine Geduld hat: „Prozess beschleunigen … die Natur unterstützen … Baumarten anpflanzen … schneller entwickeln … Baumarten fördern.“

Nur die erste Person lässt Natur Natur sein. Die zweite Person greift ein. Die erste ist für Naturdynamik, die zweite für Waldentwicklung.

Webseite des Nationalparks Harz – Aktuelles vom 12.8.2019

Meine Befürchtung ist, dass es nicht zwei unterschiedliche Personen sind, die diese beiden grundverschiedenen Positionen einnehmen, sondern dass es ein und dieselbe Person ist und dass dieser der Widerspruch gar nicht auffällt. So wie der Park in die Naturdynamik- und die Naturentwicklungszone gespalten ist, so ist auch das Bewusstsein der Nationalparkverwaltung gespalten. Einer ihrer Vertreter kann vormittags vor Schülern eine mitreißende Rede darüber halten, dass man Natur Natur sein lassen solle. Und nachmittags kann dieselbe Person voller Stolz der Presse berichten, wie viele Bäume im letzten Monat wieder gepflanzt worden sind. Und diese Person wird mit voller Überzeugung den Vorwurf weit von sich weisen, dass zwischen Vor- und Nachmittag ein Widerspruch besteht.

Wie das möglich ist? Upton Sinclair:

„Es ist schwierig, jemandem etwas verständlich zu machen, wenn sein Gehalt davon abhängt, dass er es nicht versteht!“

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