Dunkle Vergangenheit Teil 3 – Maßnahmen zur Waldentwicklung
Unter der Überschrift „Projekt ‚Wildnis‘“ steht:
„Die über Jahrhunderte vom Menschen gestalteten Harzer Wälder haben mit Wildnis wenig zu tun: dunkle Forsten aus gleichaltrigen Bäumen, zumeist Fichten.“
Es bleibt das Geheimnis der Politiker, warum sie Anfang der 90er Jahre ausgerechnet „dunkle Forsten aus gleichaltrigen Bäumen, zumeist Fichten“ zum Nationalpark erklärten. Denn es gab durchaus Alternativen: z. B. das Bodetal in unmittelbarer Nähe1siehe FFH-Gebiet Bodetal und Laubwälder des Harzrandes bei Thale – helle Wälder aus ungleichaltrigen Bäumen, zumeist Buchen. Die Vergangenheit, wie es zur Entscheidung, ausgerechnet die Fichtenforste rund um den Brocken zum Nationalpark zu machen, ist buchstäblich eine dunkle Vergangenheit. Niemand will sich offen und ehrlich dazu äußern, wie es zu dieser Fehlentscheidung kam.
Böse Zungen behaupten, dass es gar keine Fehlentscheidung war. Denn die Fichtenforste lieferten in den Jahrzehnten nach Gründung den Vorwand, die Natur eben nicht Natur sein zu lassen, sondern tatkräftig in sie einzugreifen. Die Fichtenforste wurden zur sog. „Naturentwicklungszone“. In dieser fand 30 Jahre lang sog. „Waldentwicklung“ statt.2siehe auch Waldentwicklung als Maßnahme zur Arbeitsbeschaffung In Kap. 2.2.3. des Nationalparkplans 2011 steht:
„In den Naturentwicklungszonen können dort, wo der Wald
noch eine von der jeweiligen natürlichen Waldgesellschaft stark abweichende Baumartenzusammensetzung aufweist, Maßnahmen zur Waldentwicklung mit dem Ziel der Steigerung der Naturnähe der Bestände durchgeführt werden (vgl. Abschnitt 5: Maßnahmen).“3S. 75, Hervorhebung von mir
Unter „Maßnahmen“ lesen wir:
„Sofern in Nadel- und Mischwaldbeständen in der Naturentwicklungszonedes Nationalparks durch Naturverjüngung die geforderte Naturnähe mittel- bis langfristig nicht erreicht werden kann, können Laubbäume durch geeignete Maßnahmen (Freistellung, Pflanzung, Saat, gezieltes Wildmanagement) gefördert werden.
In Nadelwaldbeständen auf nicht natürlichen Wuchsstandorten in der Naturentwicklungszone werden Durchforstungen, Läuterungen und Lückenschaffung mit dem Ziel durchgeführt, vorhandene oder eingebrachte Laubbäume zu begünstigen, die Naturverjüngung von Laubbaumarten zu fördern oder Pflanzungen oder Saaten vorzubereiten.“4S. 77, Hervorhebung von mir
30 Jahre lang freistellen, pflanzen, säen, durchforsten, läutern, Lücken schaffen, begünstigen, fördern, vorbereiten. Wenn in einem Wirtschaftswald ein Fichtenforst in einen Laub- bzw. Mischwald umgewandelt werden soll, werden exakt dieselben Maßnahmen angewendet. Umzuschulen brauchte man die vielen Forstwirte im Park also nicht.
Gepflanzte Buchen am Schwarzen Graben, von Rothirschen kurz und klein gebissen, Sommer 2020Nach oben
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