Kritik am Jagdkonzept des Forstbetriebs Oberharz

Indizien für das Versagen des jagdlichen Standardprogramms im FB Oberharz

Die Jagd stimmt? Vorsicht! Vielleicht hat mir FD Reckleben nur die Schokoladenseite seines Betriebs gezeigt? Es wäre ja nur zu verständlich! Wer würde es nicht so machen? Vielleicht war ich auch zu blauäugig und zu vertrauensselig. Vielleicht hätte ich einmal aussteigen und ein paar Meter in die Aufforstungen hineingehen müssen? Vielleicht hätte ich genauer hinschauen müssen? Vielleicht hätte ich mir viel mehr Orte anschauen müssen?

Schafweide

Und was ist mit dieser „Schafweide“, die FD Reckleben mir gezeigt hat? Da wurden doch ganz offensichtlich bisher zu wenig Hirsche geschossen. Also stimmt die Jagd dort nicht. Nur dort? Vielleicht gibt es noch mehr „Schafweiden“? Vielleicht sogar noch viel mehr?

Schälsschäden

Und was ist mit den Schälschäden an den Lärchen, die man vom Auto aus sehen konnte? Sogar vom Auto aus, muss man vielleicht betonen. Wie viele geschälte Lärchen hätte ich entdeckt, wenn ich ausgestiegen wäre? Offenbar waren auch dort die jagdlichen Bemühungen bisher nicht ausreichend.

Wildschutzzaun

Und was ist mit den Weißtannen und den Eichen, die nur hinter einem Wildschutzzaun gepflanzt werden? Stimmt die Jagd, wenn Bäume nur im Schutz von Zäunen gedeihen? Müsste man nicht viel mehr und auch anders jagen, damit man auf solche Zäune verzichten könnte? Ist es nicht bereits eine Bankrotterklärung, wenn man eingesteht, dass Eichen und Weißtannen mit Zäunen vor Rothirschen geschützt werden müssen? Wer kam eigentlich auf die skandalöse Idee, Bäume, die von Rothirschen bevorzugt gefressen werden, „verbissempfindlich“ zu nennen? Liegt es jetzt am Baum, dass er stirbt, weil er zu „empfindlich“ ist?

„verbissempfindliche“ Stieleiche hinter Wildschutzzaun nahe Moosklippe in unmittelbarer Nachbarschaft des Reviers Wernigerode

verbissene, nicht gezäunte Stieleiche im Revier Wernigerode

Standardprogramme

Der ÖJV lehnt derartige jagdliche Standardprogramme ab: es geht nicht um imaginäre Abschusszahlen, die man sich irgendwie aus den Fingern saugt. Nach dem Motto: Passt schon! Oder: Das haben wir immer so gemacht! Oder: Es gab Kritik an zu niedrigen Abschüssen, deshalb schießen wir dieses Jahr einmal 700! Oder: Vermutlich haben sich die Rothirsche stark vermehrt. Wir müssen 800 schießen. Oder: Wir rotten die Rothirsche noch aus. Dieses Jahr schießen wir nur 300. Das sind alles willkürliche Abschusszahlen mit phantasievollen Begründungen. Entscheidend aber ist der tatsächliche Zustand der Waldvegetation. Der gesamten Waldvegetation, nicht nur der Bäume. Denn auch Kräuter und Sträucher spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald.

Und dann wird es noch komplizierter. Das nächste Foto zeigt eine geräumte Kalamitätsfläche am Osthang des Ilsetals im Revier Wernigerode. Auffällig ist die Verteilung des Schmalblättrigen Weidenröschens1siehe Michael Hohla, Kahlschlagpflanzen – ein besonderer Schlag, ÖKO·L 29/4 (2007), das vom Wild sehr gerne gefressen wird.

Die Schlagflur ist wie zweigeteilt: im vorderen Teil bildet das Weidenröschen dichte Bestände, es blüht und fruchtet. Im hinteren Teil fehlt es fast völlig. Stimmt die Jagd?

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