Von der Molkenhaus-Chaussee zum Scheffel-Weg
Der Abzweig von der Molkenhaus-Chaussee liegt auf einer Höhe von 640 Hm, der Victor-von-Scheffel-Weg auf 800 Hm. Der Anstieg beginnt aber erst ein gutes Stück hinter dem Blumentopfmoor. Es fängt also ganz gemächlich an auf einem bequemen ehemaligen Forstweg.
Links und rechts wurde akribisch Verkehrssicherung betrieben; die Fichten wurden am Bruchpunkt gekappt.
Tief im Westen sieht man den Renneckenberg.
Es sind die jungen Fichten, die den Berg zur Hälfte grün färben. Sie wurden vom Borkenkäfer nicht gefressen.
Am Blumentopfmoor knickt der Weg scharf nach links ab.
BlumentopfmoorIn der Schrift Entwicklung der Moorvegetation im Nationalpark Harz lesen wir im Kapitel über das Blumentopfmoor1S. 225:
Schmalblättriges Wollgras2siehe Flora des Nationalparks Harz, S. 220„Es handelt sich um ein stark gestörtes, stellenweise auf natürliche Weise regenerierendes Moor, über dessen ursprüngliche und aktuelle Ausdehnung des Torfkörpers ebenso wenig bekannt ist wie über das Maß des historischen Torfabbaus.“
Am Moor hört der Forstweg auf. Nun beginnt ein schmaler Pfad. Aber immer noch geht es ein gutes Stück bequem und fast ohne Anstieg weiter.
Auf den Fotos wird nicht so recht deutlich, dass es dann hinauf zum Scheffelweg doch etwas steiler wird.
Erst wenn man vom Scheffelweg hinunter fotografiert, wird deutlich, dass man doch schon erheblich an Höhe gewonnen hat.
Aber genug von Höhenmetern und steilen Stiegen. Viel interessanter war das, was links und rechts des Wegs zu sehen war.
Das ist keine tote Wüste.
Das ist kein Friedhof toter Bäume.
Überall wachsen junge Birken und junge Fichten.
Auch junge Ebereschen zeigen sich häufig. Und nicht überall ist der Verhau so dicht, dass sie vor dem Verbiss durch Rothirsche und Rehe geschützt wären. Vielleicht stimmt die Jagd hier doch. Oder das Wild mag die Hölle nicht.
Laut Lehrbuch müsste hier ein Buchen-Fichten-Mischwald wachsen. Die Stichprobeninventur 2015 – 2017 spricht von „Obere(n) Lagen (2. Höhenstufe, 700 – 800 m ü. NHN)“.3S. 40. Die Zahlen der Inventur kann man natürlich nun alle vergessen. Von wegen 75 m3 Fichtentotholz pro ha!4ebd. Hier standen einmal 324 m3 lebende Fichten pro ha. Das Totholzvolumen könnte sich mehr als vervierfacht haben.
Wenn auch die Buchen in der Hölle noch auf sich warten lassen – ein Birken-Ebereschen-Fichten-Mischwald ist es schon mal. In den Worten des NLP:
Rotrandiger Baumschwamm„Jede Waldform hat ihre typischen Bewohner und ihren ganz besonderen Charme.“5Buchen-Fichten-Mischwald
„Fomitopsis pinicola (Rotrandiger Baumschwamm) ist ein sehr häufiger Pilz an lebenden und abgestorbenen Laub- und Nadelbäumen (Braunfäuleerreger). Er ist sowohl Parasit als auch Saprobiont.“6siehe Großpilzflora des NLP Harz, S. 16 und auch Stichprobeninventur, Abb. 45
Irgendwann sehe ich vielleicht auch noch einmal den ebenso berühmten wie seltenen Rauhfußkauz:
„Als Brutvogel nachgewiesen ist ein weiterer anspruchsvoller Bewohner des Mischwalds, der seltene Raufußkauz. Er jagt im lichteren Buchenwald, haust in verlassenen Buchenhöhlen des Schwarzspechtes und benötigt die dunkleren Fichten als Deckung.“7Buchen-Fichten-Mischwald
Dunklere Fichten hat er hier zwar nicht, dafür jede Menge Höhlen. Sperlingskauz und Tannenmeise, ebenfalls zwei berühmte Vögel des NLP, harren übrigens auch noch meiner Entdeckung.
Der Scheffel-Weg ist benannt nach dem Dichter Joseph Victor von Schefffel:
„Scheffel war zur Zeit des Wilhelminismus ein viel gelesener Autor. Er vereinigte in seinen Werken die beiden Grundströmungen des damaligen Zeitgeistes, bürgerliche Bildungsbeflissenheit und nationale Begeisterung.“8Wikipedia
Von einem Aufenthalt Scheffels im Harz ist nichts bekannt. Denkbar, dass man ihn hier ehrt als Dichter eines der bekanntesten Studentenlieder: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein“. So ganz will das aber nicht passen, denn das Lied heißt Franken-, nicht Sachsenlied.
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