Wissenschaftliche Studie – Ausmaß des Fichtensterbens in Deutschland
Vielleicht werden jetzt einige Leser aufgrund der Fotos und der Kalamitätskarte Nadelwald zugestehen, dass es tatsächlich am Wüstebach kein Fichtensterben gibt. Aber vielleicht werden sie sagen: „Zugegeben, am Wüstebach sind die Fichten nicht gestorben! Aber das ist ja nur eine kleine Fläche! Das ist bestimmt eine Ausnahme. Im restlichen Nationalpark und in der Eifel selbst, da sind doch gewiss ganz viele Fichten gestorben! Das Fichtensterben in der Eifel war sicherlich ähnlich furchtbar wie im Sauerland und im Harz!“
Verlust an Wald in Deutschland 2018-2020
Genau das stimmt nicht. Um dies zu beweisen, könnte ich wieder Bilder der Kalamitätskarte Nadelwald zeigen. Ich möchte zum Beweis aber eine andere Quelle hinzuziehen. Sie ist ähnlich unverdächtig wie die Kalamitätskarte. Es ist die oben schon erwähnte Publikation von Frank Thonfeld und seinem Team: A First Assessment of Canopy Cover Loss in Germany’s Forests after the 2018–2020 Drought Years.1Thonfeld, F.; Gessner, U.; Holzwarth, S.; Kriese, J.; da Ponte, E.; Huth, J.; Kuenzer, C. A First Assessment of Canopy Cover Loss in Germany’s Forests after the 2018–2020 Drought Years. Remote Sens. 2022, 14, 562. https://doi.org/10.3390/rs14030562 In diesem Artikel zeigt Abbildung 11 den prozentualen Verlust an Nadelwald, Laubwald und an Wald insgesamt.
Teil A der Grafik zeigt den Verlust an Nadelwald:
Verlust an Nadelwald im Nationalpark Eifel
Die Karte oben zeigt die Nadelwaldverluste der einzelnen Kreise bzw. Landkreise an. Wo aber befindet sich der Nationalpark Eifel? Um diese Frage zu beantworten, habe ich einen Teil der Karte vergrößert.
Der Pfeil zeigt auf die südwestlichen Zipfel des Parks, ganz nah an der Landesgrenze zu Belgien. Dort liegt Pafferscheid-Süd mit der großen Kahlfläche. Pafferscheid-Süd gehört zur Gemeinde Hellenthal im Kreis Euskirchen. Dieser Kreis ist in der Abbildung mit der Zahl 1 markiert. Der prozentuale Verlust von Fichtenwäldern im Kreis Euskirchen beträgt 5–10 %.
Wenn der gesamte Nationalpark im Kreis Euskirchen liegen würde, könnte man dieses Kapitel beenden: Fichtensterben im Nationalpark = 5–10 %. An dieser niedrigen Zahl wird sich auch im weiteren Verlauf dieses Kapitels nichts bzw. nicht viel ändern. Sie können also getrost zum nächsten Kapitel wechseln. Aber vielleicht möchten Sie es genauer wissen. Dann lesen Sie bitte weiter.
Unterschiede des Fichtensterbens in den drei Kreisen des Nationalparks
Der Nationalpark liegt nicht nur in einem Kreis. Er liegt in drei Kreisen. Dies verdeutlicht eine Abbildung, die wieder mithilfe des Internetportals Waldinfo.NRW erstellt wurde. Die Namen der Städte und Gemeinden der drei Kreise wurden farblich hervorgehoben:
Der östliche Teil des Nationalparks liegt im Kreis Euskirchen mit der Gemeinde Hellenthal und Stadt Schleiden. Der nördliche Teil liegt im Kreis Düren mit den Städten Heimbach und Nideggen und der westliche Teil liegt in der Städteregion Aachen mit der Stadt Monschau und der Gemeinde Simmerath.
Nun kehren wir zurück zum Kartenausschnitt oben. Im Kreis Euskirchen (1) lag der Verlust an Fichtenwäldern, wie schon gesagt, bei 5–10 %. Das Gleiche gilt für die Städteregion Aachen (3). Auch dort gingen 5–10 % verloren. Höher lag der Verlust im Kreis Düren (2): 25–30 %. Zum Vergleich: Den höchsten Verlust an Fichten – nicht nur in NRW, sondern bundesweit – verzeichnete der Kreis Soest mit über 65 %. Dort liegt auch der Lörmecketurm des vorigen Kapitels. Den zweithöchsten Verlust in NRW hatte der Oberbergische Kreis: 50–55 %. Er liegt rd. 100 km östlich des Nationalparks.
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