Brunstal

Totholzvorrat

Im Weltnaturerbegebiet beträgt der Totholzvorrat insgesamt 22,9 m3/ha. Das entspricht einem Anteil von 4,5% am Derholzvorrat. 12,2 m3 entfallen auf liegendes und 8,1 m3 auf stehendes Totholz. Der Rest von 2,6 m3 steckt in den Wurzelstöcken. Spitzenreiter beim Totholz ist wie beim Holzvorrat das seit 50 Jahren nutzungsfreie Weberstädter Holz: Hier wurden Werte von 61 m3/ha gemessen, sodass der Anteil am lebenden Holzvorrat fast 10% beträgt. Selbst dieser Anteil ist immer noch niedrig: In den Heiligen Hallen, die seit 1850 nicht mehr bewirtschaftet werden, hat das Totholz ein Volumen von unglaublichen 200 Fm/ha – das sind 35% der lebenden Holzmasse von 567 Fm/ha (Sperber, Urwälder Deutschlands, S. 43).

Zum Vergleich: „Beim Totholz wurde in Langula ein Wert von 6 m3/ha ermittelt, was einem Anteil von 1,5 % am stehenden Vorrat entspricht. 50 % des Totholzes entfiel auf Wurzelstöcke“ (Waldinventur). Das ist erschreckend wenig und erklärt, warum viele Käfer, Pilze, Flechten und Moose, die auf Totholz angewiesen sind, so selten geworden sind (vergleiche Totholzkäfer im Schäferheld).

Knoblauchsrauke auf dem senkrechten Wurzelteller einer umgeworfenen Altbuche, die mit dem Zunderschwamm verpilzt ist

Die Totholzarmut führt dazu, dass selbst den Plenterwäldern, die allgemein als ästhetisch reizvoll und naturnah gelten, etwas fehlt: Der Waldboden sieht wie geputzt aus. Er wirkt ordentlich und aufgeräumt.

Das obere linke Bild unten zeigt die Puppe des Feuerkäfers, die unter der Rinde einer am Boden liegenden toten Altbuche lebt (Die Bestimmung verdanke ich dem Käferexperten Georg-Christian Möller). Die Altbuche wurde ein Opfer des Brandkrustenpilzes. Das rechte Foto zeigt dessen schwarze, wie verbrannt aussehende Krusten an den dicken moosüberzogenen Wurzeln des umgekippten Wurzeltellers.

 

Verjüngung

An Verjüngung herrscht auf den fruchtbaren und basenreichen Böden im Hainich kein Mangel: bei der Waldinventur 2010 wurden auf der Weltnaturerbefläche 15.123 junge Bäumchen pro Hekter (Höhe > 20 cm, Durchmesser < 7 cm) gezählt. „Die Artenzusammensetzung der Verjüngung dominieren die drei Baumarten(gruppen) Buche, Esche und Ahorn (hier meist der Bergahorn).“ (Waldinventur) Aber: 21,3% waren verbissen. Die Hauptbaumart Buche leidet unter dem Verbiss weniger als die Nebenbaumarten (Ahorn, Esche, Eiche usw.). Ganz schlimm sind ist der Wildverbiss an Waldrändern und Lichtungen, weil die Rehe als „Pralinenfresser“ den höheren Eiweißgehalt dieser Bäumchen schätzen.

Auch auf den beiden oberen Fotos sind die Verbissspuren deutlich zu erkennen. Auf dem linken Foto wurden der Leittrieb und der linke Seitentrieb des Bergahorns abgebissen. Auf dem rechten Bild wurden alle Triebe des Bäumchens am unteren rechten Rand abgefressen.

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