Der Riesenkahlschlag rund um die Moosklippe bei Ilsenburg

Schluss 1 – 3 Body Problem

Die Netflix-Serie 3 Body Problem zeigt gleich in der ersten Folge verstörende Bilder aus einem chinesischen Arbeitslager in der inneren Mongolei zur Zeit der Kulturrevolution: Die Zwangsarbeiter müssen riesige Nadelbäume fällen und dann die schweren Stämme transportieren. Ohne Motorsägen, ohne LKWs. Im Zusammenhang mit diesem Artikel über den Stadtwald von Ilsenburg ist es interessant, was im Hintergrund und neben den Bildern der unmenschlichen Zwangsarbeit gezeigt wird: Es wird nämlich ein ganzer Berg abgeholzt und nicht nur der kahlgeschlagene Hang wird gezeigt, sondern auch die großen Holzpolter – siehe Bild oben rechts.

Die Bilder könnten so auch an der Moosklippe gedreht worden sein. Würde man Zuschauer fragen, wie diese Bilder vom kahlgeschlagenen Berg auf sie wirken, so würden sie vermutlich sagen, die Bilder seien düster, deprimierend, bedrückend und hoffnungslos. Der große kahle Berg passe zu diesem furchtbaren Arbeitslager.

Meine Vermutung ist, wenn mehr Leute diesen Film schauen würden und wenn es mehr solcher Filme gäbe, in denen Kahlschläge in dieser Form gezeigt werden, dann hätte es die Stadt Ilsenburg schwerer. Man stelle sich vor, Wanderer an der Moosklippe würden sich unwillkürlich an den Film erinnern: „Das sieht ja hier aus wie in einem chinesischen Arbeitslager!“

Noch ist es nicht so. Es ist noch lange nicht so. Kahlschläge lösen bei den Touristen im Harz bestenfalls ein Schulterzucken aus. Sie verbleiben in einer „Zone der Gleichgültigkeit“. Auf YouTube gibt es Dutzende von Videos mit Wanderungen rund um Ilsenburg. Nicht ein einziges Video kritisiert die Kahlschläge. Nicht ein einziges. Da ist niemand, der sich angewidert oder angeekelt abwendet. Klimawandel. Borkenkäfer. Aus! Keine Fragen. Gehen Sie weiter! Es gibt hier nichts zu sehen! An der Plessenburg gibt es frischen Kuchen!

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