Desinteresse vieler Bürger

Desinteresse vieler Bürger

In dem verwüsteten Buchenwald, übersät mit frischen Baumstümpfen und mit Bergen von Kronenabfällen und all den gefällten Buchen am Wegesrand, begegnete mir ein älteres Ehepaar.

„Furchtbar, nicht?“, versuchte ich ein Gepräch anzufangen.
Das Ehepaar guckte mich verständnislos an: „Was ist furchtbar?“
„Na, die vielen gefällten Buchen! Finden Sie das nicht auch schlimm?“
„Nein! Was soll daran schlimm sein? Das wird ein Mischwald!“
„Können Sie sich hier etwa erholen?“
„Ja! Warum nicht?“
„Hier wird doch Raubbau betrieben! Die entnehmen doch viel mehr Holz als nachwächst!“
„Nein. Das sehen Sie ganz falsch. Da sind sie auf dem Holzweg!“
„Was würden Sie sagen, wenn ein 30-t-schwerer Forstrückeschlepper durch Ihren Vorgarten fahren würde?“
„Der passt gar nicht in unseren Vorgarten!“

Ein solches Gespräch spricht Bände über den Schutz der Wälder in Deutschland und hat mir 3 Dinge klar gemacht:

1.
Menschen haben nicht zwangsläufig Mitgefühl und Mitleid mit gefällten Bäumen. Vielen Menschen blutet nicht das Herz, wenn sie eine gefällte Buche sehen. Es löst keine Empörung aus. Es gibt keinen Bambi-Effekt. Bäume haben keine Kulleraugen und Stupsnasen, die automatisch ein „Oh, wie niedlich!“ auslösen. Würden am Weg Berge von toten Rehen, Wildschweinen oder Hasen liegen, stünde das vermutlich am nächsten Tag auf der ersten Seite der Zeitung. Aber gefällte Buchen?

2.
Es ist ein Irrtum zu glauben, Menschen bräuchten zu ihrer Erholung zwangsläufig einen naturnahen Wald. Sie brauchen auch keine alten Bäume oder Totholz im Wald, um den Wald „schön“ zu finden. Viele Menschen erholen sich auch ganz prima in widernatürlichen Fichten- oder Buchenstangenholzforsten. Auch absterbende alte Buchen, wie sie im Harrl häufig zu sehen sind, lassen viele Menschen völlig kalt. Sie wissen ja nicht einmal, dass diese alten Bäume todkrank sind, und wenn sie es wüssten, würden sie es mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen.

3.
Die Propaganda der Förster funktioniert. Wenn der gemeine Bundesbürger auch sonst nichts über den Wald weiß, dann aber, dass die Forstwirtschaft „nachhaltig“ den Wald „pflegt“. Dieses Forstmärchen (vgl. Bibelriether, Forst- und Holzmärchen heute) hat sich tief ins Bewusstsein eingegraben. Und diese Manipulation wirkt auch dann, wenn der persönliche Augenschein vor Ort dem eigentlich widerspricht. Riesige Holzpolter entlang der Wege wecken nicht den Verdacht, dass hier viel zu viel Holz entnommen und der Wald übernutzt wird. Womöglich löst das sogar ein gutes Gefühl aus, dass soviel des „nachwachsenden“ und „natürlichen“ Rohstoffs Holz genutzt wird. Man muss eine Lüge nur oft genug und von mehreren Seiten wiederholen, dann wird sie geglaubt.

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