Erste Wanderung zum Limker Strang – erste böse Überraschungen
Wolfsbachtalstraße
OpenStreetMap unterscheidet zwischen gestrichelten und gepunkteten Feld- und Waldwegen. Alle anderen Karten übernehmen diese Unterscheidung. Die gestrichelten Wege sind sehr gut ausgebaute und befestigte Forststraßen. Ohne Schlaglöcher. Auf ihnen kann man mühelos mit einem ganz normalen Auto fahren.
WolfsbachtalstraßeRückegassen
Die gepunkteten Wege aber sind Rückegassen. Ab Markierung 2 (siehe unten) wollte die Gasse zwischen Wolfsbachtal- und Ithstraße nutzen, um abzukürzen. Zunächst klappte das auch.
Abzweig der Rückegasse von der WolfsbachtalstraßeOffensichtlich wurde nördlich (=links) von der Gasse kürzlich noch robust gewirtschaftet. Links ist der Wirtschaftswald, rechts das Wildnisgebiet.
Grenzen des Wildnisgebiets
An der Mittagslinie aber hörte die Gasse auf und ich musste nach Norden weitergehen und dann den Prinzenweg zur Ithstraße nehmen.
Selbstverständlich ist eine Orientierung nur mit einem Smartphone und einer App möglich, die den aktuellen Standort anzeigt. Schon mit einer Wanderkarte – wenn man denn eine hätte – würde es kompliziert werden: Ist das jetzt die richtige Kreuzung oder muss ich noch weiter? Bin ich noch auf dem richtigen Weg oder hätte ich vielleicht dort abbiegen müssen?
Nur mit einer App ist es auch möglich zu entscheiden, ob man noch außerhalb oder schon innerhalb des Wildnisgebiets oder vielleicht auch genau auf dessen Grenze geht. Zwar sind die Grenzen des Wildnisgebiets in den Karten von OpenStreetMap nicht eingezeichnet, wohl aber die des FFH-Gebiets Wälder im östlichen Solling.1= Naturschutzgebiet im östlichen Solling Die Grenzen sind bis auf den südwestlichen Zipfel des Wildnisgebiets identisch. In den meisten Fällen macht kein Schild auf die Grenzen aufmerksam. Die Frage von Boris Becker „Bin ich schon drin oder was?“ bekommt eine ganz neue Bedeutung.
© OpenStreetMap – Kartenausschnitt mit Parkplatz und Limker Strang
Käferfallen
Kurz vor dem Naturwald stehen auf der rechten Seite drei der Käferfallen, die in der unsäglichen NDR-Reportage über den Urwald von morgen eine Rolle spielten.
Scheinbar dauert die „Jagd nach Insekten und Vogelstimmen“ auch zwei Jahre nach den Dreharbeiten noch an.
Käferfalle mit grüner MikrofonboxAm Rand des Naturwalds
Der Naturwald darf nur auf bestehenden Wegen betreten werden. Die aber gibt es nicht. Rein in den Naturwald kommt man also nicht. Man muss draußen bleiben.
Direkt gegenüber ist die Straße gesperrt.
Die Sperrung scheinen die Landesforsten einfach vergessen zu haben: Seit fast einem Jahr dauert sie nun schon an:
Die Instandsetzung der Straße ist insofern pikant, als in der o. g. NDR-Reportage ausführlich und in eindringlichen Bildern gezeigt worden war, wie im Wildnisgebiet am Hohenstein eine Forststraße mit einem Bagger aufgerissen wurde. In der Sollinger Wildnis werden Forststraßen offenbar nicht zurückgebaut, sondern saniert.
Im Westen führt die Panzerstraße direkt am Rand des Naturwalds entlang. Im Kurzportrait des Naturwalds steht:
„1970er-Jahre: Der Naturwald wird häufig vom Militär als Biwakfläche und zu sonstigen Manövern genutzt.“
Ob hier mal Panzer gefahren sind, wage ich zu bezweifeln – keine Verwüstungen des Bodens. Ich hatte gedacht, dass man vom Panzerweg aus den Naturwald sehen kann. Falsch gedacht: Vom Naturwald sieht man praktisch nichts.
Denn wo Wege sind, fällt Licht auf den Waldboden. Wo Licht ist, da ist auch Verjüngung.
Und so blockiert ein dichter junger Buchenwald den Blick auf das, was dahinter ist.
Über Stock und Stein und Pfützen
Dann wird die Panzerstraße immer holpriger. Eigentlich wollte ich an der südlichen Grenze des Wildnisgebiets im rechten Winkel nach Westen abbiegen, um an der Kreuzung Ith-/Wolfsbachstraße herauszukommen. Den Weg aber habe ich nicht gefunden und bin notgedrungen die Panzerstraße weiter bis hinunter zur Steinbergstraße gegangen. Buchstäblich über Stock und Stein und Pfützen. Definitiv kein Fahrradweg. Bei OpenStreetMap ist der Weg nicht nur gepunktet, sondern rot gepunktet. Jetzt weiß ich, was rote Punkte bedeuten: Sie bedeuten: absolute shithole.
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