Kritik an der Reportage des NDR über den Urwald von morgen

Mix aus Hohenstein und Solling

Warum der Film gleich in zwei Großschutzgebieten gedreht wurde und ein Gebiet dem Fernsehteam nicht ausreichte, bleibt unklar. Zumal ja jedes der beiden Gebiete sehr groß ist und jeder einzelne eine Fülle unterschiedlicher Drehorte geboten hätte. So aber springt der Film ständig zwischen Solling und Hohenstein hin und her.

Naturwald Limker Strang nur Kulisse

Der Film springt nicht nur hin und her zwischen den beiden Wäldern. Er zeigt sie auch gar nicht so richtig. So gilt bspw. der Naturwald Limker Strang als einer der schönsten Naturwälder Niedersachsens.1so z. B. Dr. Peter Meyer, Leiter der Abteilung Waldnaturschutz der NW-FVA, in einem Telefonat im Juni 2026 Der Film selbst gibt zu, dieser Naturwald sei „das Herzstück des neuen Wildnisgebiets“. Aber der Film zeigt dieses Herzstück nicht.

Der Limker Strang dient nur als Kulisse für den Fallenbau der beiden Biologen. Man sieht ihn nur im Hintergrund. Im Vordergrund wuseln die Biologen. Sie stehen im Mittelpunkt, nicht der Wald. Für das Fernsehteam wäre es vermutlich undenkbar gewesen, 5 Minuten nichts anderes als Bilder aus diesem Naturwald zu zeigen. Das geht nicht. Nein, nur Wald? Ausgeschlossen! Das wären ja dann nur Bäume! Bäume ohne alles? Da muss mindestens ein Specht hinein oder ein Reh, ein Dachs oder ein Uhu. Besser noch junge Dachse! Die sind so süß! Das lieben die Zuschauer! Aber nur Bäume zeigen? Das guckt doch keiner! Katzenvideos sind ja auch sehr beliebt. Deswegen vermutlich die Bilder der Wildkatze.

Sammelsurium unterschiedlichster Tätigkeiten

Statt den Wald in den Mittelpunkt zu stellen, hat der Film eigentlich gar keinen Mittelpunkt. Er wechselt ständig die gezeigten Tätigkeiten. So entsteht  ein Sammelsurium der unterschiedlichsten Aktivitäten. Immer machen Menschen etwas und zeigen „Einsatz für den Urwald“. Gefilmt wird u. a.:

Man könnte auf die Idee kommen, dass Naturschutz eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Biologen ist. 

Sammelsurium unterschiedlichster Themen

In der Kürze der zur Verfügung stehenden 30 Minuten wird nicht nur eine verwirrende Vielzahl von Tätigkeiten gezeigt. Auch die Vielzahl der angesprochenen Themen ist verblüffend:

  • Verbot der Jagd in einem Drittel des Naturwalds Hohenstein,
  • Fichtenkahlschläge zum Schutz der Wirtschaftswälder neben dem Naturwald,
  • Gefahr für Waldarbeiter beim Aufarbeiten von Sturmholz,
  • Rolle des Försters bei Diskussionen mit Anwohnern über den Umbau des Waldes,
  • Käfer im Ökosystem Wald,
  • Bau einer Flugfenster- und einer Bodenfalle für Käfer,
  • Bau einer Falle für Fledermäuse,
  • Echoortungssystem von Fledermäusen,
  • Lebensweise der Bechsteinfledermaus,
  • Bau des Fledermausflügels,
  • Verdichtung des Waldbodens durch Forstwege,
  • neue Methoden des Fällens von Fichten,
  • Zweifel eines Waldarbeiters am Sinn des Naturschutzgebiets,
  • Auswertung von Akustikboxen mithilfe von AI,
  • Aussterben des Grauspechts in Niedersachsen

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