Borkenkäferbekämpfung auf dem Weg zum Falkenstein

Försterin Silvia Pflug über die Borkenkäferbekämpfung

Die Fichten wurden 2019 gefällt. Aufgefallen waren sie mir auf einer Wanderung im September 2019. Damals machte ich ein paar Fotos und Videos und nahm mir fest vor, diesen Fall zu untersuchen und darüber zu schreiben. Aber es kam anders: wieder zu Hause fand ich dazu nichts im Internet. Keine Pressemitteilung des NLP. Kein Zeitungsbericht. Außerdem stellte ich fest, dass die meisten Fotos unscharf und verwackelt waren.

Neue Kamera, ganz schlechtes Wetter. Und dann machte ich das, was alle machen, die an dem Waldstück vorbeikommen: Ich zuckte mit den Schultern und ließ die Sache auf sich beruhen.

Ende Juni 2020 kam ich wieder an dem Waldstück vorbei. Noch einmal machte ich Fotos und drehte Videos – diesmal bei Sonnenschein.

Und dieses Mal rief ich am 1. Juli 2020 Silvia Pflug an. Sie ist die neue Leiterin der Nationalparkdienststelle Bayerisch-Eisenstein.1siehe Gebürtige Oberpfälzerin übernimmt Leitung der Dienststelle Bayerisch Eisenstein, Pressemitteilung des NLP vom 18.12.2019 Ich fragte sie, warum auf der Waldfläche am Ruckowitz-Schachten der Borkenkäfer bekämpft worden ist und warum nur wenige 100 m davon entfernt die befallenen Fichten stehen blieben. Frau Pflug war sehr freundlich und erklärte mir folgendes:

Diese Waldfläche gehörte 2019 noch in die Entwicklungszone B.2zu den Entwicklungszonen im NLP siehe Zur Ideologie der Entwicklungszonen im Nationalparkplan Deshalb war sie laut NLP-Plan bis letztes Jahr Ende Oktober noch im Borkenkäfer-Management. In dieser Zone wurde der Borkenkäfer bekämpft.3siehe Naturzonenerweiterung rund um den Falkenstein – Auf weiteren 869 Hektar gilt nun Natur Natur sein lassen, Blogeintrag Nr. 38/2019 vom 31.10.2019, zum Vergleich siehe auch den Blogeintrag zur Naturzonenerweiterung 2018: Auf weiteren 170 Hektar gilt nun Natur Natur sein lassen. Eintrag Nr. 31/2018 vom 18.12.2018 Unterhalb dieser Fläche war schon die Naturzone. Im November letzten Jahres wurde diese B-Fläche auch in die Naturzone übernommen. Nur noch im A-Bereich, nur das oberste Plateau, die wirklich reinen Hochwaldlagen – da wird der Borkenkäfer jetzt noch bekämpft. Sonst ist der ganze Falkenstein mittlerweile in der Naturzone.

Wenn die Naturzonenerweiterung ein Jahr früher passiert wäre, wäre die Borkenkäferbekämpfung auf der Waldfläche am Ruckowitz-Schachten nicht passiert. Das ist politisch eine Gratwanderung. Das ist im Endeffekt ein Kompromiss. Auch jetzt noch sind in ihrem Revier Teilflächen noch Entwicklungszone, die später auch noch Naturzone werden. Aber jetzt muss sie die Käfer noch bekämpfen, weil es so im Plan steht. Das ist so verhandelt worden mit der Politik, mit der örtlichen und der überörtlichen. Den Förstern bleibt dann praktisch nichts anderes übrig, als den Käfer dort zu bekämpfen, wenn es so vorgeschrieben ist.

Wenn die Fläche am Ruckowitz-Schachten jetzt befallen würde, wäre es in Ordnung. Die Fichten würden stehen bleiben und könnten in Ruhe sterben und sich wieder verjüngen. Aber damals mussten die Förster leider anders handeln. Frau Pflug ist froh, dass ihr Chef es im letztem Jahr geschafft hat, dass jetzt ein ganzer Block in die Naturzone übernommen wurde. Da muss sie jetzt nicht mehr herumfahren. Und in den Hochlagen ist es jetzt auch besprochen mit dem Chef und so ist es auch gewollt, dass da oben kein Holz mehr herausgeholt wird, sondern dass alles, was befallen ist, nur gefällt und geschlitzt wird.4siehe dazu Was tun mit dem Borkenkäferholz? Entfernen, entrinden oder schlitzen? Diese Regelung gilt auch für Windwürfe. Es wird jetzt kein Holz mehr herausgeholt aus den Hochlagen.

Frau Pflug hat z. Z. auch massiven Käferbefall. Sie hat 3 Trupps mit jeweils 3-4 Leuten, die mit der  Hand entrinden. Seit kurzem haben sie auch einen Harvester, der einen anderen Kopf hat; der entrindet und das Holz bleibt liegen. Der hilft ihr auch, weil der deutlich schneller ist. Das Schlitzen ist sehr zeitaufwendig. Das ist sehr langsam, da ist der Käfer sonst schneller als ihre Arbeiter!

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