Das falsche Lob für den Tourismus
Noch ein wichtiger Punkt kommt hinzu, weshalb ich die Fernsehsendung so schlecht finde: Es wird überhaupt nicht deutlich, wofür man den NP eigentlich braucht. Was ist Sinn und Zweck des NPs? Was wird da eigentlich gefeiert beim Jubiläum? Der Film hat darauf keine Antwort. Nein, falsch! Eine Antwort hat Redakteur Schuster: den Tourismus. Dafür ist der NP gut. Man gewinnt fast den Eindruck, der NP ist überhaupt nichts anderes als ein staatliches Infrastruktur- und Arbeitsbeschaffungsprogramm:
„Bald zählte der NP über 1 Mio. Besucher.“
„Das ist ein Foto von 1965. Da ist kein Tourismus gewesen.“
„‚Wir hatten nur Gastzimmer. Wenn nichts los gewesen ist, haben wir nur Freitag, Samstag, Sonntag eingeheizt.‘ Heute dagegen bereitet sich die Küche beinahe täglich auf ein volles Gasthaus vor. Die Eröffnung des NPs war ein Segen für Frida Eulers Betrieb. ‚Das ist schon eine Freude gewesen, weil man gesehen hat, dass es aufwärts geht. Wenn man heute bedenkt … Wir wären Niemandsland, wenn wir den NP nicht gehabt hätten.'“
„Wir sind immer gut ausgebucht. Jetzt haben wir 15 Zimmer. […] Und in Zukunft haben wir noch Pläne: 6 Chalets und 23 Appartements. Der Urlaub im Bayerischen Wald ist begehrter denn je.“
Richtig! Die Gasthof-Besitzerin spricht zutreffend vom „Urlaub im Bayerischen Wald“, aber nicht vom Urlaub im NP. Auch Städte im Bayerischen Wald wie Bodenmais, die mit dem NP überhaupt nichts zu tun haben, haben durch den Tourismus einen großen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, und auch sie werben ganz ungeniert mit einer „unvergleichlichen Natur“. Wenn der NP tatsächlich so eine magnetische Anziehungskraft auf Touristen hätte, wie Redakteur Schuster behauptet, müssten die Besucherzahlen am Lusen innerhalb des NPs höher sein als beispielsweise am Großen Arber außerhalb. Das Gegenteil ist der Fall. Eine Seilbahn und ein Gasthaus genügen den Touristen völlig.
Großer Arber im September 2019Wenn die Besuchermassen wirklich wegen der Natur kämen, dann müssten sie am Großen Falkenstein im NP schreiend davonlaufen: Dieser Berg ist förmlich umzingelt von Riesenkahlschlägen.1siehe z. B. Riesenkahlschlag am Ruckwiesberg Aber die Massen stört das nicht im Geringsten; sie kommen wegen dem Falkenstein-Schutzhaus. Deswegen wurde es auch neu gebaut. Touristen ködert man nicht mit Natur und schönem Ausblick. Der Siebensteinkopf im NP hat beides, aber kein Gasthaus. Deshalb ist er auch menschenleer. Das weiß auch jeder Politiker und NP-Mitarbeiter. Und hinter vorgehaltener Hand geben sie das auch zu. Die „1 Mio. Besucher“ kommen wegen dem Baumwipfelpfad, dem Wildtierfreigehege und dem Informationszentrum. Und deshalb hat der NP Bayerischer Wald auch gleich zwei von jedem.
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