Nationalpark Steigerwald

Einleitung

Es gibt keinen Nationalpark Steigerwald. Ich weiß. Ich teile auch nicht den Optimismus des Bund Naturschutz in Bayern, dass wir „unterwegs zum Nationalpark Steigerwald“ sind.1

Protest gegen den Nationalpark in Karbach

Für meinen Pessimismus gibt es einen einfachen Grund: Ein Nationalpark Steigerwald wäre kein „Entwicklungsnationalpark“ wie der in der Eifel, im Harz, im Hunsrück oder im Nordschwarzwald. Hier muss kein Wald mehr „umgebaut“ oder „entwickelt“ werden. So gibt es im Steigerwald praktisch keine Fichtenwälder mehr. Hier können nicht jährlich über 20.000 Festmeter Fichtenholz wie im Nationalpark Eifel2 oder 50.000 Festmeter wie im Nationalpark Harz3 geerntet werden. Die Buchenwälder im Steigerwald würden einfach unter Prozessschutz gestellt und fertig.

Protest gegen den Nationalpark in Karbach

Zahlen zum Steigerwald

Aber die Bayerischen Staatsforsten, die 2013 einen Gewinn von 71,5 Millionen Euro erwirtschafteten,4 wollen nicht auf die Einnahmen des Forstbetriebs Ebrach verzichten: Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner erzielte dort mit den 17.000 ha Wald einen Jahresgewinn zwischen 300.000 und 800.000 €.5 Der Jahreshiebsatz beträgt 103.000 Festmeter Holz6 95 % davon werden in Sägewerken im 150 km Umkreis verarbeitet.7

Sägewerk in Steinsfeld im Steigerwald

Naturwanderführer des Bund Naturschutz

Wenn Sie den Steigerwald besuchen möchten, empfehle ich Ihnen den Naturwanderführer des Bund Naturschutz in Bayern „Unterwegs zum Nationalpark Steigerwald„. Sie können ihn auch in gedruckter Fassung gegen eine Schutzgebühr von 5 € in vielen Gaststätten und Hotels vor Ort kaufen. Der Wanderführer enthält nicht nur Karten und detaillierte Beschreibungen für 9 Rundwanderwege, sondern auch viele Hintergrundberichte über die Natur im Steigerwald im allgemeinen und dessen Buchenwälder im besonderen. Was den Wanderführer einzigartig macht, sind die vielen Informationen über die Forstwirtschaft im Steigerwald. In welchem Wanderführer finden Sie sonst ein ausführliches Glossar, in dem Ihnen das Fachchinesisch der Förster erklärt wird? Und welcher Wanderführer würde Sie sonst auf „Bodenschäden durch Holzernte“8 aufmerksam machen. Anders als sonstige Wanderführer beschönigt dieser hier nichts und legt stattdessen den Finger in die Wunde; so z. B. bei der Tour 7: Wir „treffen auf Reste eines alten Buchenwaldes, wie er im Steigerwald nicht mehr oft vorkommt“.9

Naturwaldreservat Brunnstube

Diese Reste alter Buchenwälder habe ich aufgesucht und möchte Sie Ihnen vorstellen:

Kritik am Trittsteinkonzept

Eine zentrale Rolle im Streit um einen Nationalpark spielt das Trittsteinkonzept. Ihm habe ich im Lauf der Zeit eine ganze Reihe von Aufsätzen gewidmet:

 

Weiterführende Links:

  1. So lautet der Titel eines vom BN herausgegebenen Naturwanderführers []
  2. siehe Fichtenwälder als Enemy Number One []
  3. siehe Tätigkeitsbericht 2011, S. 36 und Tätigkeitsbericht 2012, S. 28 []
  4. Presseinformation vom 15.11.2013 []
  5. Fränkischer Tag vom 5.8.2011 []
  6. Fränkischer Tag vom 21.5.2013 []
  7. Fränkischer Tag vom 24. April 2009 []
  8. S. 39 []
  9. S. 49, Hervorhebungen von mir []