Faktencheck: Holzimporte

Einleitung

Im Heft 21 der Zeitung AFZ – Der Wald hat Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach, 2015 einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel „Waldtrittsteine statt Großschutzgebiete“. Viele darin gemachte Behauptungen halten einem Faktencheck nicht stand. Im dritten Teil meiner Artikelserie überprüfe ich Mergners Zahlen zu Holzumsätzen und Holzimporten.

Aufgeblähte Zahlen zu Holzumsätzen und Holzimporten

Mergner behauptet:

„Deutschland hat einen Umsatz an Holz- und Holzprodukten (z. B. Papier) in der Größenordnung von 250 Mio. m3 Holzäquivalente [sic!]. Weit über 100 Mio. m3 dafür kommen aus dem Ausland.“1

Die Ungenauigkeiten fangen bereits beim Zitieren an. Die genannte Quelle für die Zahlen ist in der AFZ falsch zitiert: „Seintsch, B., Weimar, H. (2013) Holzbilanzen 2010 bis 2020 für die Bundesrepublik Deutschland, Thünen Working Paper 9″. Das Thünen-Institut müsste über hellseherische Fähigkeiten verfügen, wenn es die Holzbilanzen bis zum Jahr 2020 voraussagen könnte. Es kennt auch nur die Zahlen bis 2012. Mergner hat die beiden Zahlen aus Tabelle 2:

In der Tat hat Deutschland 2012 124,4 Mio. m3 Rohholzäquivalente importiert. Mergner will offensichtlich suggerieren, dass in Deutschland Holzmangel herrscht und wir riesige Mengen Holz importieren müssen. Was er aber geflissentlich unter den Tisch fallen lässt, ist, dass gleichzeitig auch wieder 122,8 Mio. m3 exportiert wurden.

Die von Mergner benutzte Zahl von 250 Mio. m3 ist künstlich aufgebläht. Durch die Vermischung von Holz und Holzprodukten soll ein gigantischer Bedarf nach Holz vorgegaukelt werden. Zu den Holzprodukten zählen beispielsweise auch Altpapier und Altholz. Mit beiden wird ein schwunghafter Handel getrieben. Aber ob in Ebrach 103.000 Fm Laubholz eingeschlagen werden oder nicht,2 interessiert die Papierindustrie überhaupt nicht: Zellstoff wird aus Fichtenholz hergestellt.

Nach oben
Nächste Seite: Netto-Export von Buchenholz

  1. Waldtrittsteine, S. 21 []
  2. Im Steigerwald beginnt der Holzeinschlag, Mainpost vom 8. Oktober 2014 []