Faktencheck: Umweltverbände

Einleitung

Im Heft 21 der Zeitung AFZ – Der Wald hat Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach, 2015 einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel „Waldtrittsteine statt Großschutzgebiete“. Viele darin gemachte Behauptungen halten einem Faktencheck nicht stand. Im zwölften und letzten Teil meiner Artikelserie überprüfe ich Mergners Aussagen zu Umweltschutzverbänden. Die Seite ist gegliedert in folgende Abschnitte:

  1. Die Abwahl von Mergner als Sprecher des Arbeitskreises Wald beim BUND
  2. Die drei Vorwürfe Mergners an die Umweltverbände
  3. Vorwurf 1: Die Umweltverbände betreiben zu viel Aufwand für den NLP!
  4. Vorwurf 2: Die Umweltverbände zerschlagen Porzellan!
  5. Vorwurf 3: Die Umweltverbände haben kein Vertrauen in die BaySF!
  6. Die Rede von Waldbauprofessor Fabricius auf dem 1. Deutschen Naturschutztag 1925 als Vorlage für Mergner
  7. Schluss

Die Abwahl von Mergner als Sprecher des Arbeitskreises Wald beim BUND

Als Mergner Anfang Februar 2014 den Aufsatz „Small is beautiful“ veröffentlichte, war er noch Sprecher des Arbeitskreises Wald des BUND. Interessant ist, dass in dem kleinen Kasten links unten auf S. 7, der persönliche Angaben zu Mergner macht, als erstes dieses Ehrenamt erwähnt wird. Erst dann folgt die Berufsangabe. Vielleicht ist das Zufall, vielleicht sagt es aber auch etwas aus darüber, was ihm damals wichtiger war. Umweltverbände spielen in diesem Aufsatz überhaupt keine Rolle. Sie werden mit keinem einzigen Wort erwähnt.

2015 ist Mergner nicht mehr Arbeitskreissprecher. Das Datum, an dem Mergner öffentlich auf die Seite der BaySF wechselt, läßt sich exakt angeben: Es ist der 5. Juni 2014. An diesem Tag veröffentlicht die Mainpost einen Artikel mit der Überschrift „Mergner gegen Nationalpark“. Mergner spricht sich zum ersten Mal öffentlich gegen einen NLP im Steigerwald aus. Das ist der Bruch mit dem BUND. Auf der Bundesdelegiertenversammlung vom 21. – 23. November 2014 in Berlin wird Tim Schwarzenberger zum neuen Sprecher des AK-Wald gewählt.1

PM-079-15-BUND-Experten-Arbeitskreis-WaldAK-Wald und AK-Naturschutz des BUND beim Ortstermin im Steigerwald (Pressefoto des BN)

Im September 2015 veranstalten der AK-Naturschutz und der AK-Wald des BUND gemeinsam eine Exkursion in den Steigerwald. Der Nachfolger Mergners fordert:

„Ein effektiver Schutz durch einen Nationalpark ist aus bundesdeutscher und bayerischer Sicht überfällig.“2

In gewisser Weise stehen die Experten des BUND immer noch im Schatten von Ulrich Mergner: Denn immer noch halten sie das „Naturschutz- und Nutzungskonzept des Forstbetriebs Ebrach“ für „fortschrittlich“. Man achte auf die Wortwahl: Nicht nur das Naturschutz-, sondern auch das Nutzungskonzept! Ich bezweifele, dass der 1. Stellvertreter des AK-Wald das unterschrieben hätte: Es ist Lutz Fähser und er fehlt bezeichnenderweise oben auf dem Foto.3 Doch mag das Konzept auch noch so fortschrittlich sein:

„Die BUND Wald- und Naturschutzexperten stellen aber klar, dass dieses Konzept großflächige Waldschutzgebiete mit dauerhaft natürlicher Waldentwicklung nicht ersetzen kann.“4

Und genau das sieht Mergner anders: Der Titel seines einen Monat später erscheinenden  Aufsatzes lautet: „Waldtrittsteine statt Großschutzgebiete“. Die Trittsteine sind keine Ergänzung von Großschutzgebieten mehr, sondern deren Ersatz.

Drei Vorwürfe an die Umweltverbände

Man kann nur Vermutungen darüber anstellen, wie sehr die Abwahl als Sprecher des AK-Wald Mergner persönlich getroffen hat. Auffallend ist jedoch, dass er im Aufsatz die Umweltschutzverbände erstmals massiv angreift. Ich spitze drei seiner Aussagen pointiert zu:

  1. Die Umweltverbände treiben einen viel zu großen personellen und finanziellen Aufwand für die Ausweisung neuer NLPs.5
  2. Die Kampagnen der Umweltverbände zerschlagen Porzellan. Die Umweltschutzbewegungen sind verantwortlich für die große Kluft zwischen Waldnutzern und Waldschützern.6
  3. Die Umweltverbände sollen den Förstern nicht misstrauen. Sie sollen sie auch nicht kontrollieren. Stattdessen sollen sie die Förster kritisch-konstruktiv begleiten und sie motivieren, ihre Naturschutzprogramme umzusetzen.7

Im Folgenden unterziehe ich diese drei Vorwürfe einem Faktencheck.

Nach oben
Nächste Seite: Vorwurf 1 – Die Umweltverbände treiben zu viel Aufwand für den NLP

  1. siehe Beschlüsse der BDV 2014 []
  2. Pressemitteilung des BN vom 14. September 2015 []
  3. siehe dessen Betrachtung der „Grundsätze für die Bewirtschaftung von Buchen- und Buchenmischbeständen im Bayerischen Staatswald“ []
  4. ebd. []
  5. „Ist der enorme personelle und finanzielle Aufwand, der seitens der Umweltverbände in die Ausweisung weiterer Nationalparke gesteckt wird, richtig eingesetzt?“,  S. 19 []
  6. „Die Kampagnen der Umweltschutzbewegung in den letzten Jahren haben viel Porzellan zerschlagen. Es ist eine große Kluft entstanden zwischen den Waldnutzern und den Waldschützern.“, S. 22 []
  7. „Statt den Förstern mit Argwohn zu begegnen, wären Unterstützung und konstruktiv-kritische Begleitung wichtig. […] Damit sie (= die Naturschutzkonzepte) auch konsequent umgesetzt werden, bedarf es der Unterstützung aus den Umweltverbänden. Überzeugung und Motivation  derjenigen, die als Eigentümer die Verantwortung für die Wälder haben, sollten vor Misstrauen und Kontrolle stehen.“, S. 22 []