Faktencheck: Überleben von Waldarten in Einzelbäumen

„Verlorenes Geld kann man mit Mühe und Fleiß wiedergewinnen. Eine ausgestorbene Art ist dagegen unwiederbringlich verloren. […] Biologische Vielfalt […] ist ein Erbe, mit dem sehr pfleglich umzugehen ist. Dieses Erbe ist unersetzlich, niemand kann es ersetzen.“
Anton Fischer1

Einleitung

Im Heft 21 der Zeitung AFZ – Der Wald hat Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach, 2015 einen Artikel veröffentlicht mit dem Titel „Waldtrittsteine statt Großschutzgebiete“. Viele darin gemachte Behauptungen halten einem Faktencheck nicht stand. Im neunten Teil meiner Artikelserie überprüfe ich Mergners Aussagen zum Überleben von Waldarten in Einzelbäumen.

Der Artikel ist gegliedert in folgende fünf Kapitel:

  1. Mergner zum Überleben der Waldarten in Einzelbäumen
  2. Unvollständige Liste der ausgerotteten Urwaldreliktarten im Steigerwald
  3. Der Streit um ein Waldschutzgebiet auf dem 1. Deutschen Naturschutztag 1925
  4. Reste von Urwaldreliktarten im Steigerwald
  5. Geschichte wiederholt sich

Mergner zum Überleben der Waldarten in Einzelbäumen

Mergner schreibt:

„Werfen wir zunächst einen Blick in die Vergangenheit. Eine nüchterne Betrachtung der Orte, an denen sich hochgradig gefährdete Waldarten erhalten haben, zeigt, dass dies nicht in Wäldern stattfand. Es waren Einzelbäume in der Flur, in Hutewäldern oder Parkanlagen.“2

Mergner führt drei Beispiele an: den Park am Stuttgarter Hauptbahnhof, den Bamberger Hain und den Grunewald in Berlin. Am Stuttgarter Hauptbahnhof kommt der Eremit (Osmoderma eremita) vor, im Bamberger Hain und im Grunewald der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo). Beide Käfer zählen zu den vom Aussterben bedrohten Urwaldreliktarten.

Danksagung

Bedanken möchte ich mich Lech Borowiec, Professor an der Abteilung für Biodiversität und Evolutionäre Taxonomie der Universität Warschau. Ohne die vielen Fotos von ihm wäre dieser Artikel nicht möglich gewesen. Die Idee und wertvolle Anregungen zum Artikel verdanke ich Georg Möller, einem der führenden Käferexperten Deutschlands. Käferfreunden sei sein Standardwerk Der Fauna-Käferführer I – Käfer im und am Wald wärmstens empfohlen.3 Es enthält ausführliche Beschreibungen und fantastische Fotos zu fast allen in diesem Artikel genannten Urwaldreliktarten.4

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  1. Fischer, A.; Walentwoski, H. (2008): Biodiversität. LWF aktuell 63, S. 6-7 []
  2. Waldtrittsteine, S. 19 []
  3. zusammen mit R. Grube und E. Wachmann []
  4. Der Kosmos Käferführer von K. W. Hard und F. Severa ist leider überhaupt nicht hilfreich. []