Radio Bambergs Werbefilm über den Forstbetrieb Ebrach

„Und dass die Befürworter eines Nationalparks seine Form der Waldwirtschaft für den Steigerwald, das Trittsteinkonzept, ‚durch den Dreck ziehen‘, hält er [= Ulrich Mergner] für höchst unfair.“1

Einleitung

Radio Bamberg hat am 20. Juli 2014 ein vierminütiges Video über das „Naturschutzkonzept im Steigerwald“ veröffentlicht: Sie können es sich hier auf der Homepage von Radio Bamberg anschauen. Darin erklärt Ulrich Mergner, der Leiter des Forstbetriebs Ebrach, sein Naturschutzkonzept. Der Etikettenschwindel der Trittsteine und Biotopbäume wird in diesem Video deutlich sichtbar. Man muss nur genau hinschauen.

Ich gliedere meine Analyse in folgende 4 Abschnitte:

  1. Mängel bei Trittsteinen
  2. Mängel bei Biotopbäumen
  3. Mängel beim Totholz
  4. Mängel beim Reporter

Mängel bei Trittsteinen

In seinem Aufsatz „Small is beautiful“ vom Februar 2014 bezieht sich Mergner auf eine Publikation der Schweizer Wissenschaftler Markus Müller, Thibault Lachat und Rita Bütler aus dem Jahr 2012: Wie groß sollen Altholzinseln sein? Eine Langversion mit dem Titel Auswahlkriterien für Altholzinseln steht ebenfalls im Internet zum Download bereit. In der Langversion werden klipp und klar die „Grundvoraussetzungen“ für Trittsteine2 genannt:

  • Minimalfläche 0,9 ha,
  • Nutzungsverzicht mindestens 30 Jahre,
  • Bestandsalter von mindestens 120 Jahren,
  • 70 große Bäume mit einem BHD von 55 cm pro ha,
  • 45 m3 stehendes Totholz und
  • 75 m3 liegendes Totholz pro ha.3

Und nun schauen Sie sich bitte den Film ab Minute 1:20 an. Gezeigt wird eine Fläche, die nicht ein einziges der oben genannten Kriterien erfüllt:

Mergner_Trittstein

Zu sehen ist ein totholzarmer Wirtschaftswald mit vielen dünnen und einigen wenigen dicken Buchenstangen. Mergners Kommentar macht die Sache nicht besser:

„Sie [= die Trittsteine] werden markiert mit einem Doppel-T, damit sie erkennbar sind für den Förster, der hier unterwegs ist.“

Warum müssen Trittsteine überhaupt markiert werden? Sollte ein Förster sein Revier nicht kennen und wissen, wo sich diese wertvollen Altholzinseln befinden? Schließlich hat er sie doch selbst ausgewählt, oder etwa nicht? Und sollten Trittsteine sich nicht unverkennbar vom übrigen Wirtschaftswald abheben, sodass sie auf den ersten Blick zu erkennen sind? Allein die 120 m3 Totholz sollten sie doch unverwechselbar machen! Zynikern mag sich der Eindruck aufdrängen, dass es in Wirklichkeit nur ein Merkmal gibt, das einen Trittstein vom übrigen Wald unterscheidet: Bäume mit einem Doppel-T! Das würde zumindest erklären, warum Mergner in seinen Aufsätzen und Powerpointpräsentationen nie Fotos vom Totholzreichtum oder dicken Buchenmatronen zeigt, wenn es um Trittsteine geht, sondern immer nur Fotos von Doppel-Ts:

Mergner kommt mit einer offenbar frisch gedruckten Karte daher, in der die Trittsteine als kleine hell-lila Flecken zwischen den dunkel-lila eingefärbten Naturwaldreservaten Brunnstube im Osten und Waldhaus im Westen eingezeichnet sind:

Mergner_Trittstein_Karte

Überraschend ist, dass der Forstbetrieb also doch professionell gestaltete Karten besitzt und nicht nur prekäre handgemalte Elaborate, wie sie in Mergners offizieller Stellungnahme zum GLB4 vorkommen:

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  1. Glücksfall oder Durchschnitt?, Mainpost vom 8.10.2015 []
  2. Altholzinsel ist nur ein anderer Name für Trittstein. []
  3. Auswahlkriterien für Altholzinseln, S. 73 []
  4. = Geschützter Landschaftsbestandteil „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ []