Der Aufsatz „Gestörte Heimat“ und die Windkraft

Einleitung

Über den Aufsatz „Gestörte Heimat“ von Erik Aschenbrand und Thomas Michler habe ich bereits in meinem Artikel Sommerwanderung zum Rachel sehr viel geschrieben. Gleichwohl möchte ich einen zweiten Artikel dazu veröffentlichen. Denn ich habe über den Aufsatz immer wieder neu nachgedacht und ein Thema lässt mir keine Ruhe: Was wäre, wenn die Heimat nicht durch den Borkenkäfer „gestört“ wird, sondern durch Windräder? Vielleicht werden einige Leser sich jetzt fragen: „Wie kommt er denn jetzt darauf?“ oder „Das ist aber ein bisschen weit hergeholt!“

Windparks bei Meerhof (NRW)

Dieses Thema ist aber keineswegs an den Haaren herbeigezogen, denn darauf bin ich durch einen der beiden Autoren selbst gekommen: Aschenbrand ist tatsächlich mühelos von der Windkraft zum Borkenkäfer gewechselt. Ein Jahr zuvor hatte er den folgenden Aufsatz veröffentlicht: „Erneuerbare Energie und ‚intakte‘ Landschaft: Wie Naturtourismus und Energiewende zusammenpassen“.1E. Aschenbrand und C. Grebe, Erneuerbare Energie und ‚intakte Landschaft‘, Wie Naturtourismus und Energiewende zusammenpassen, in: O. Kühne und F. Weber (Hg.), Bausteine der Energiewende, Wiesbaden 2018, S. 523 – 538 Ganze Passagen aus diesem Aufsatz finden sich fast wortwörtlich im Aufsatz „Gestörte Heimat“ wieder. Er wendet genau dieselbe Methodik an wie ein Jahr später und findet erstaunlicherweise keinen Beleg für eine Gefährdung des Tourismus durch Windkraftanlagen“. Zu exakt demselben Ergebnis kommt er zusammen mit Michler, wenn es um den Borkenkäfer geht.

Und noch etwas hat mich zu dem Thema dieses Aufsatzes motiviert: Die Probleme, die Anwohner des NLPs ab Mitte der 80er Jahre mit Borkenkäfern hatten, und die Probleme, die Anwohner heute mit Windrädern haben, sind so ähnlich. Geht es in dem folgenden Zitat um den Borkenkäfer oder um Windräder?

„Dass jetzt grüne Vandalen skrupellos über dieses Land, über unser Zuhause, herfallen und dessen zauberhaftes Antlitz brutal vernichten, macht mich ebenso traurig und depressiv, wie es mich vor Abscheu schüttelt und mit kaum zu bändigendem Zorn erfüllt.“

Spricht hier vielleicht Hubert Demmelbauer2zu Demmelbauer siehe Die Pflanzaktion der Bürgerbewegung 1997 auf der Versammlung zur Gründung der Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes? Nein, es ist nicht Demmelbauer, sondern Enoch zu Guttenberg in einer Rede 2017. Es geht gegen die „Windmühlen-Monster“, nicht gegen „den Käfer“.

Klarstellung

Um eines gleich zu Anfang klarzustellen und um Missverständnissen vorzubeugen: Leser meiner Webseite werden wissen, dass ich immer gegen die Bekämpfung des Borkenkäfers im NLP Bayerischer Wald war und auch immer ein Gegner der Bürgerbewegung. Aber seit meiner Kritik an den Protesten im Hambacher Forst bin ich auch ein Gegner der Energiewende und der Windkraft.3siehe auch Wald roden für die Energiewende Und folglich stecke ich, was den Aufsatz „Gestörte Heimat“ angeht in einem Dilemma: Solange Aschenbrand und Michler für den Borkenkäfer schreiben, bin ich ganz bei ihnen. Aber wenn sie ihre Argumentation auf die Energiewende übertragen und für Windräder schreiben würden, bin ich ihr Gegner. Insofern stecke ich auch in einer Zwickmühle, was die Anwohner des NLP angeht: wenn sie gegen den Borkenkäfer demonstrieren, bin ich gegen sie. Würden dieselben Anwohner gegen Windräder protestieren, wäre ich für sie.

Warnung

Wenn Sie ein glühender Befürworter der Energiewende sind und keine Probleme mit Windrädern haben, dann lesen Sie jetzt bitte nicht weiter! Sie ärgern sich nur schwarz und schreiben dann bitterböse Kommentare in den asozialen Medien über mich.

Der Artikel ist gegliedert in folgende Kapitel:

Danksagung

Ich bedanke mich bei Erik Aschenbrand dafür, dass er mir seinen Aufsatz geschickt hat, so dass ich nicht das Buch für 99,99 € kaufen musste. Ich bedanke mich auch für das angenehme und aufschlussreiche Gespräch am Telefon.

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