Faktencheck: Exakte Daten über den Wald

Mergner und wie er die Welt sah

Es ist vor allem das Kapitel 3.3 in Mergners sogenannter fachlichen Stellungnahme gewesen, das in Naturschutzkreisen nicht nur für verständnisloses Kopfschütteln sondern auch für helle Empörung sorgte:

Irgendwie scheint man im Forstbetrieb Ebrach anders zu rechnen, denn im 16,2 ha großen Klasse-1-Wald des Schutzgebiets beträgt das „Durchschnittsalter“ gerade einmal 117 Jahre. Damit dürften sie nicht einmal zu Klasse-2-Wäldern gezählt werden, die mindestens 140 Jahre alt sein müssen.

Klasse-2-Wälder führt Mergner in seiner Tabelle erst gar nicht gesondert auf, sondern vermischt sie mit Klasse-3-Wäldern. Indem er das tut, senkt er natürlich das „Durchschnittsalter“. Und genau darauf kommt es ihm an:

„Das durchschnittliche Inventuralter der Oberschicht im Waldgebiet beträgt rund 90 Jahre. […] Mit einem Durchschnittsalter von 90 Jahren handelt es sich um einen vergleichsweise jungen Wald.“1

Und das heißt übersetzt, dass der Wald nicht schützenswert ist. Wie aber kommt man auf solche absurd niedrigen Zahlen? An keiner Stelle des Aufsatzes erklärt Mergner, wie das „Durchschnittsalter“ berechnet wird. Fast hat es den Anschein, der Begriff „Durchschnittsalter“ sei extra für diese Stellungnahme erfunden worden: weder im Naturschutzkonzept der Staatsforsten noch in dem seines eigenen Forstbetriebs taucht er auf. Die Einteilung in die 4 Waldklassen arbeitet nicht mit dem „Durchschnittsalter“ der Bestände. Es gibt sogar Vermutungen, Mergner habe einfach die Durchschnittsalter der Tabelle addiert und durch 6 geteilt; dann erhält man 82. Wahrscheinlicher aber ist das folgende Verfahren: Stehen auf einem Hektar 80 Buchen mit 80 Jahren und 20 Buchen mit 200 Jahren, dann wird daraus ein Bestand von durchschnittlich 104 Jahren: (80 x 80 + 20 x 200) : 100 = 104. So erzeugt man mit einem Trick auf dem Papier Klasse-3-Wälder.2 Mergner selbst beschreibt in aller Offenheit die Manipulation, mit der man Klasse II- zu Klasse-III-Wälder herabstuft:

„Diese Wälder sind 2006 zunächst in die Klasse II und in geringem Umfang in Klasse I (heute weitgehend Trittstein) eingestuft worden. Allerdings ist die Anzahl der Bäume aus dem ursprünglichen Altersklassenwald gering, so dass eine aktuelle Einstufung in Klasse III+ erfolgen muss.“3

Die Einteilung der Wälder in Klassen erfolgt nach Gutsherrenart: mal sind sind Klasse 2, mal 3+. Wie „gering“ die Anzahl der Überhälter ist, verrät Mergner nicht. Wäre deren Anzahl tatsächlich „gering“, hätten die Wälder gar nicht in Klasse 3+ eingestuft werden dürfen: Denn laut seinem eigenen Naturschutzkonzept sind das altbaumreiche Bestände“. Gerade deswegen sind sie „waldökologisch besonders wertvoll“.4

Mergner selbst präsentiert also in seinem Gutachten widersprüchliche „exakte Daten“ zu Altbuchen und deren Alter. So entstehen Misstrauen und Argwohn und deshalb wird kontrolliert. Die bisherigen Ergebnisse des Kartierprojekts bestärken das Misstrauen. Denn sie führen zu völlig anderen Zahlen, als Mergner sie liefert. Siehe dazu die Pressemitteilungen des BN:

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  1. Stellungnahme, S. 3, Hervorhebungen von mir []
  2. siehe zu diesem Thema ausführlich den Exkursionsbericht in den Hohen Buchenen Wald []
  3. Stellungnahme, S. 3 []
  4. Naturschutzkonzept Ebrach, S. 16 []