Exkursion in den Hohen Buchener Forst

Wertvolle Altbuchen

Straußberger, Oltsch und Sperber kritisieren die neue Forsteinrichtung, bei der diese Abteilungen zu den jungen Wäldern gezählt werden. Dabei wird der Anteil der alten Buchenüberhälter künstlich klein gerechnet: Stehen auf einem Hektar 80 Jungbuchen mit 40 Jahren und 20 Altbuchen mit 200 Jahren, so wird daraus ein Bestand von durchschnittlich 72 Jahren: (80 x 40 + 20 x 200) : 100 = 72.

 

Dabei sind gerade die Altbuchen von unschätzbarem biologischem Wert als Habitatbäume für Vögel, Käfer und Pilze. Die Buche bietet so viele Lebensräume, weil sie noch bis ins hohe Alter tote Äste verliert. An den Stellen, wo die Äste abgeworfen wurden, bilden sich kleine Höhlen, die sich langsam in den Stamm ausbreiten. In dem Mulm brüten dann Totholzkäfer. Oder die kleinen Höhlen werden von Spechten zu Bruthöhlen erweitert. Mit diesen kleinen Faulhöhlen kann die Buche noch Jahrzehnte leben und so für das richtige Mikroklima in der Höhle sorgen: nicht zu nass und nicht zu trocken, nicht zu warm und nicht zu kalt.

Große Faulhöhlen verträgt die Buche dagegen nicht: Diese sind z. B. die Folge von Zwieselabbrüchen, wodurch viel Wasser in den Stamm eindringt, sodass die Buche häufig innerhalb von 10 Jahren abstirbt (siehe: Aus dem Leben einer Buche, NABU-Broschüre „Lust auf Urwald?„, Stuttgart 2014, S. 9).

 

Grenzen des Ebracher Naturschutzkonzepts

Straußberger wird nicht müde, das Naturschutzkonzept des Ebracher Forstamts zu würdigen: Für einen Wirtschaftswald ist es vorbildlich (siehe Ulrich Mergner, Small is beautiful, AFZ 3/2014, S. 7-9). Gleichzeitig zeigt er die Grenzen auf: So reichen 40 Fm Totholz/ha nicht für anspruchsvolle Vögel wie den Weißrückenspecht. Der braucht mindestens 50, besser noch 100 Fm. Außerdem ist das liegende Totholz im Ebracher Forst für viele Käfer zu nass. Liegendes Totholz eignet sich auch nicht für Fledermaushöhlen.

 

Und stehendes stark dimensioniertes Totholz gibt es zu wenig. Auch reichen 10 Habitatbäume pro ha für viele Vögel nicht: Ein Halsbandschnäpperpärchen benötigt allein 8 Höhlen pro ha.

 

Nach oben
Zurück zur Einleitung
Nächste Seite: Prozessschutz – Schutz der Alters- und Zerfallsphasen