Deutschland ist süchtig nach Nadelholz

Einleitung

Waldschützer fordern, weniger Holz einzuschlagen. Auf diese Forderung erwidert Roland Blank, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg der Bayerischen Staatsforsten:

„Dann importieren wir Holz aus Skandinavien oder aus den Tropen, damit nicht vor unserer Haustür gefällt wird? Da lügen wir uns doch in die eigene Tasche!“1

In meinem letzten Aufsatz2 hatte ich mit offiziellen Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums nachgewiesen, dass dieses Argument für Laubholz nicht stimmt: Deutschland ist Netto-Exporteur von Laubholz und könnte leicht weniger Laubholz einschlagen, ohne es dann importieren zu müssen.

Aufmerksame Leser werden jetzt vielleicht zugeben, dass sich Blank irrt, was das Laubholz angeht. Aber sie werden einwenden, dass er mit „Holz aus Skandinavien“ auch gar kein Laubholz meint, sondern Nadelholz. Blanks Argument würde dann lauten:

„Wenn wir weniger Nadelholz einschlagen, dann müssen wir es aus Skandinavien importieren.“

Aber auch in dieser Form ist das Argument falsch, und zwar in dreifacher Hinsicht:

  1. Schon jetzt importiert Deutschland große Mengen Nadelholz.
  2. Der Großteil des importierten Nadelholzes kommt nicht aus Skandinavien, sondern aus Polen und Tschechien. Die aus Schweden und Finnland importierten Mengen sind vernachlässigbar gering und aus Norwegen importiert Deutschland gar kein Holz.
  3. Selbst wenn Deutschland Nadelholz aus Skandinavien importieren würde, wäre das überhaupt nicht schlimm.

Ich möchte in diesem Aufsatz das erste und zweite Argument ausführlich mit Zahlen begründen. Das dritte Argument habe ich bereits hier diskutiert: Das Dogma vom Importverbot. Außerdem möchte ich mit Zahlen zeigen, dass die Sägewerke fast ausschließlich Nadelholz verarbeiten und dass Nadelholz viel weniger verbrannt wird als Laubholz. Dann möchte ich mit aktuellen Zahlen aus der Bundeswaldinventur und dem Alternativen Waldzustandsbericht zeigen, dass der Anbau von Nadelholz in Deutschland unnatürlich ist. Dabei ist der Umbau von Nadel- in Laubwälder problemlos möglich, wie ein aktuelles Beispiel beweist. Zum Schluss möchte ich zeigen, dass die nach Nadelholz süchtige Forstwirtschaft sehr geschickt ist im Tricksen und im Vertuschen ihrer Sucht: Selbst Horst Stern sprach in einem Interview des Jahres 1998 davon, dass die Verfichtung des deutschen Waldes aufgehört habe.

Dieser Aufsatz ist folglich gegliedert in folgende Kapitel:

  1. Deutschland importiert Nadelholz.
  2. Polen und Tschechien liefern den Hauptanteil des Nadelholzes.
  3. Die Sägewerke verarbeiten fast ausschließlich Nadelholz.
  4. Nadelholz wird viel weniger verbrannt als Laubholz.
  5. Der Anbau von Nadelholz in Deutschland ist unnatürlich.
  6. Der Umbau der Nadelwälder möglich.
  7. Schluss – Horst Stern zum Waldumbau

1. Deutschland importiert Nadelholz

Seit 2009 importiert Deutschland mehr Nadelrohholz, als es exportiert. Seit 2013 liegt der Importüberschuss jedes Jahr über 5 Mio. m3. 2017 belief er sich auf 5.595.000 m3.3 Zu der in Deutschland selbst eingeschlagenen Nadelrohholzmenge von 40.895.000 m34 kamen also noch einmal rd. 14 % durch Importe hinzu.

  • In der Holzfabrik, erschienen in Der Bote vom 15./16. Dezember 2018 []
  • siehe Faktencheck: Holzimporte – Update []
  • Holzmarktbericht 2017, Tabelle 5, S. 22, vorläufige Zahlen []
  • 28.878.000 m3 Fichtenrohholz plus 12.017.000 m3 Kiefernrohholz, a. a. O.,  S. 3 []