BUND zur Borkenkäferbekämpfung 1998

Einleitung

Im Dezember 1998 protestieren der BUND und der BN öffentlich gegen die Borkenkäferbekämpfung im NLP Bayerischer Wald. Die Seite ist gegliedert in folgende Abschnitte:


Brief der BUND-Vorsitzenden Zahrnt an Ministerpräsident Stoiber

Am 16. Dezember 1998 schreibt Dr. Angelika Zahrnt, die Vorsitzende des BUND, einen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Sie kritisiert die Borkenkäferbekämpfung seit Herbst 1997:1

Herrn
Ministerpräsident
Dr. Edmund Stoiber
Bayerische Staatskanzlei
Franz-Josef-Strauß-Ring 1
80539 München

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
der Nationalpark Bayerischer Wald, der 1999 dreißig Jahre alt wird, nimmt unter den 14 deutschen Nationalparken eine herausragende Stellung ein. Bis in die jüngste Zeit gilt er als modellhaft und vorbildlich für die Gründung neuer Nationalparke. Bis vor einem Jahr entsprach er vollständig den internationalen Kriterien, die verlangen, daß auf mindestens 75 % der Fläche ein Nationalpark frei zu sein hat von jeder Art der Nutzung und des menschlichen Eingriffes. Dies ist der Verdienst der jahrzehntelangen Naturschutzpolitik der Bayerischen Staatsregierung. Sie selbst, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, haben im Sommer 1997 noch die Vergrößerung des Nationalparkes um mehr als 10.000 Hektar entscheidend mit durchgesetzt.2

Inzwischen hat sich die Situation im Nationalpark Bayerischer Wald dramatisch verändert. Seit Herbst 1997, insbesondere im Sommer 1998, wird im Durchschnitt bis zu 1.000 Meter weit vom Rand her im Nationalpark der Borkenkäfer durch Holzeinschlag bekämpft. Dabei werden massive Schäden am Boden und am nachwachsenden Jungwald verursacht. Seit Jahrzehnten hat sich eine 500 Meter breite Schutzzone – nicht nur in Bayern – als ausreichend für den Schutz benachbarter Wälder vor Borkenkäferbefall erwiesen. Die direkte Anweisung durch das Forstministerium, die Bekämpfung auf durchschnittlich 1.000 Meter auszudehnen, geht an die Substanz des Nationalparks.3 Daß außerdem im Umfeld kleiner Ortschaften wegen ein paar Dutzend Fichten in Privatbesitz Tausende von Fichten im Nationalpark eingeschlagen werden, widerspricht jeder Vorstellung von Verhältnismäßigkeit.

Nach Art. 8 des Bayerischen Naturschutzgesetzes dienen Nationalparke „keiner wirtschaftsbestimmten Nutzung“. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb im Jahr 1998 allein aus dem 30 Jahre alten ursprünglichen Nationalparkgebiet weit über 30.000 Kubikmeter Holz mit schweren Folgeschäden meist als Langholz herausgeholt wurden und, wie es die Nationalparkverwaltung formulierte, „durchaus lohnend verkauft“ wurde.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, ich appelliere an Sie persönlich, der Sie sich in den letzten Jahren so engagiert für die Nationalparkidee und die Vergrößerung des Nationalparks Bayerischer Wald eingesetzt haben, dafür zu sorgen, daß im Jahr 1999 die Aktivitäten wieder auf das unbedingt notwendige Maß zurückgeführt werden und der Nationalpark vor weiteren schweren Schäden bewahrt bleibt. Auch im Randbereich des Nationalparks sollten die Naturschutzziele wieder Vorrang vor der forstwirtschaftlichen Nutzung erhalten.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Angelika Zahrnt
Vorsitzende

Die Antwort von Ministerpräsident Stoiber liegt mir leider nicht vor. Sie dürfte aber ähnlich ausgesehen haben wie seine Antwort auf die Kritik des WWF-Chefs von Treuenfels: Antwort des Ministerpräsidenten Stoiber.

 

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  1. Alte Rechtschreibung im Original nicht korrigiert. Die Originaldokumente wurden mir freundlicherweise von Dr. Hans Bibelriether zur Verfügung gestellt. []
  2. siehe Über die Ohnmacht von Edmund Stoiber []
  3. siehe Die Verdopplung der Borkenkäferschutzzone 1997 []