„Am Rintelner Weg“ nahe Lemgo

Über die Häßlichkeit des Lemgoer Stadtwalds

Die Lemgoer Mark ist der Naherholungswald für die 41.000 Einwohner der Stadt Lemgo. Über ihn hat Hans-Friedrich Meiercord, Leiter des Forst- und Gartenamts der Stadt Lemgo, einen bizarren Aufsatz geschrieben: „Der Lemgoer Stadtwald – früher und heute(im folgenden zitiert als „Stadtwald“). Er kann auf der Homepage der Stadt Lemgo heruntergeladen werden. Der Text ist ein typisches Beispiel für „Forst- und Holzmärchen heute„.

Meiercord bringt das Kunststück fertig, den kostbarsten Teil des Stadtwalds, die Naturwaldzelle „Am Rintelner Weg“, mit keinem Wort zu erwähnen. Auch die Stadt Lemgo verschweigt das Totalreservat auf seiner Homepage. Das Totschweigen  hat System: Die Einwohner sollen gar nicht wissen, dass sie einen Wald in ihrer Nachbarschaft haben, in dem seit über 20 Jahren „Natur Natur sein darf“ (Hans Bibelriether). Sie könnten dann vergleichen, wie ein naturnaher Buchenwald und wie ein Wirtschaftswald aussieht. Denn ein im Schirmschlagverfahren bewirtschafteter Buchenwald ist nicht naturgemäß:

Haesslich_4sterbender Überhälter in der Mitte, sterbende Eschen rechts

Haesslich_7von Altbuchen geräumte Fläche mit sterbendem Überhälter links

Für die Öffentlichkeit bestimmte Papiere von Forstämtern sind stets gespickt mit wohlfeilen Worten wie „naturnah“, „naturgemäß“, „natürlich“, „Biotopschutz“, „Klimaschutz“, „Bodenschutz“, „Wasserschutz“, „Artenschutz“, „Pflege“, „ökologisch verträglich“, „optimal“ usw. usw. (vergleiche z. B. das „Erholungsdauerwaldkonzept“ der Stadt Essen). In Wirklichkeit stehen von den 1.080 ha der Lemgoer Mark nur die 16,4 ha der Naturwaldzelle unter Naturschutz. Ansonsten gibt es dort kein Naturschutzgebiet. Das sind 1,5% der forstwirtschaftlich genutzten Fläche.

Vor über 20 Jahren hat man im Konzept „Langfristige Waldentwicklung Lemgo“ sich auf „Laub- und Mischwaldvermehrung“ und „standortgemäße Baumartenwahl“ (Stadtwald, S. 3) festgelegt. Das Ergebnis ist niederschmetternd:

Haesslich_3Fichtenforst nordöstlich der Naturwaldzelle

 

Eine vorsichtige Auflockerung der Fichtenplantagen und ein Voranbau von Buchen hat in über 20 Jahren nicht stattgefunden:

Haesslich_6Fichtenforst südlich der Naturwaldzelle

 

Und natürlich werden auch weiter trotz „grundsätzlichem Kahlschlagsverzicht“ (Stadtwald S. 3) Fichtenwälder kahlgeschlagen. Im Februar 2013 wurden 1 ha Fichtenwald direkt neben der Naturwaldzelle „für die Zukunft gerüstet“ (Holzernte im Stadtwald nahe den Försterteichen). Und Bürgermeister Austermann entblödet sich nicht, Meiercord für die „richtigen Holzmengen“ zu danken. Diesen Leuten kann man alles verkaufen: auch die zur Wiederaufforstung vorgesehenen Eichen als klimaresistente Zukunftsbäume. Vom Eichensterben hat Austermann bestimmt noch nie etwas gehört. Und er weiß sicherlich auch nicht, dass die Aufforstung des kahlgeschlagenen Hektars in den nächsten Jahren 20.000 € kosten wird plus 4.000 € für einen Wildschutzzaun (Kaiser, Der deutsche Wald, S. 13).

Aber erst beim Kahlschlag kommt ein Förster wie Meiercord so richtig zu sich selbst: Deshalb will selbst das Schreiben des Worts „Kahlschlagsverzicht“ im Stadtwald-Papier nicht so recht gelingen und es wird zu „Kahlschlag, verzicht“ (Stadtwald, S. 3). Wie gut, dass die Fichten in Deutschland überall „auf einem definitiv falschen Standort“ stehen; da sind dann „dosierte Minikahlschläge“ erlaubt. Meiercord hat „das Talent so zu schreiben, dass man sich nach jedem Wort gründlich duschen möchte“ (Friedrich Küppersbusch über Franz-Josef Wagner, BILD-Zeitung).

Haesslich_2Buchenstangenholz

 

Ich kann mich in solchen Stangenäckern ebensowenig erholen wie in Maisfeldern – weder zur „Tageserholung“ noch zur „Wochenenderholung“ (Stadtwald S. 3). Das sind keine Wälder, das sind „Bretterreihen .., die oben mit Grün verputzt sind“ (Robert Musil):

Haesslich_5in Reih und Glied künstlich angepflanzte Buchen

Forstamtsleiter Meiercord lügt, wenn er behauptet, die einzigen Alternativen zu seiner Art der Holzproduktion seien der Import von Holz aus 3.-Welt-Ländern und die Holzsubstitution (Stadtwald, S. 3 f.). Die Alternative wäre eine Holzproduktion, wie sie in den Stadtwäldern Lübeck, Mölln oder Göttingen oder im Forstbetrieb Hümmel oder durch Boscor-Forst praktiziert wird.

Im Gegensatz zur Lemgoer Tourismusinformation finde ich übrigens die veralgten Försterteiche auch nicht „wunderschön„: Es sind eutrophe Teiche ohne natürliche Ufervegetation, die von den Enten zugeschissen und den Hunden vollgepinkelt werden:

Haesslich_1

 

Das Schild am Parkplatz fasst den Zustand des Stadtwalds gut zusammen:

Haesslich_8

 

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