„Alles, was Klicks, Likes und Shares, Quote, Auflage bringt, ist angesagt.“
Michael Meyen1Breaking News, Die Welt im Ausnahmezustand: Wie uns die Medien regieren
Hintergrund: Die Frontal-21-Sendung über Kahlschläge – auch die auf der Montabaurer Höhe
Hinweis: Den Hinweis auf die Frontal-21-Sendung verdanke ich Carsten Frenzel.
Im November 2021 erstatten Wohlleben und Ibisch Strafanzeige. Einen Monat später strahlt das ZDF einen Beitrag von Frontal-21 aus und veröffentlcht ihn auf YouTube. Sowohl Wohlleben als auch Ibisch treten darin auf. Der Titel des Beitrags: Wieso du dich wegen KAHLSCHLAG-POLITIK von deutschen Wäldern verabschieden kannst“. Dass es sich in den Wäldern um eine regelrechte Kahlschlag-Politik handelt, scheint den Autoren Hans Koberstein und Markus Steinhausen wichtig zu sein: die Großbuchstaben stehen im Original.
Der apokalyptische Titel des Films und das unsägliche Titelbild stammen nicht etwa von YouTube, sondern von Frontal 21 selbst:
Pierre Ibisch hat ab 02:59 seinen Auftritt:
Forscher Pierre Ibisch und sein Team haben viele solcher Kahlschlagsflächen in Deutschland untersucht. Auch hier im Oberharz. Er ist entsetzt, was vom Waldboden nach dem Kahlschlag übrig ist.
„Wir sehen, dass Ausgangsgestein, das sich natürlich stark erwärmt, kein Wasser speichert und hier an dieser Stelle wird es Jahrhunderte und Jahrtausende dauern, bis wieder ein Waldboden entstehen kann. Wenn denn hier Wald wächst.“
Dann zitiert der Film aus einer Greenpeace-Studie, die zwei Monate zuvor im September 2021 veröffentlicht wurde: Der Wald in Deutschland auf dem Weg in
die Heißzeit. Herausgeber der Studie ist das Centre for Econics and Ecosystem Management, dessen Co-Direktor Ibisch ist. Er wird auch als erster der vier Autoren genannt. Im Film gezeigt wird die Abbildung 31 der Studie. Zur Erinnerung: Greenpeace hatte im November 2021 auch eine medienwirksame Aktion auf der Montabaurer Höhe gemacht.
Nun folgen Filmaufnahmen von der Montabaurer Höhe:
„Ja, da ist der Kahlschlag, hier passend das Schild Wasserschutzgebiet.“ Pierre Ibisch zeigt uns noch ein Kahlschlagsgebiet. Dieses Mal in Rheinland-Pfalz. Die Montabaurer Höhe, ein sogenanntes FFH-Schutzgebiet, FFH steht für Fauna, Flora, Habitat. Davon ist hier nicht mehr viel übrig. Stattdessen haben die Förster neue Douglasien angepflanzt. Ein schnellwachsendes Nadelgehölz aus Nordamerika. Viele Setzlinge sind vertrocknet.
„Also ein bedeutender Anteil der gepflanzten Douglasie ist schon wieder ausgefallen. Ökonomisch auch ein Desaster und am Ende wird das alles vom Steuerzahler bezahlt.“
Das war einmal die größte geschlossene Waldfläche der Gegend, ein wichtiger CO2-Speicher in Zeiten des Klimawandels. Aber nach dem Kahlschlag gast der ungeschützte Boden CO2 aus.
„Während im dunklen Wald, der sich gut kühlt, letztendlich eine Senke vorhanden ist, wo Kohlendioxid eingefangen wird, abgelegt wird, haben wir auf diesen Freiflächen eine Emission. Und tatsächlich ja, je wärmer es wird, desto mehr steigt die Freisetzung von Kohlendioxid an.“
Peter Wohlleben hat ab 07:55 seinen Auftritt:
Deutschlands prominentester Kritiker der Kahlschlags-Politik ist selbst Förster. Peter Wohlleben spricht von einem Systemversagen.
„In den letzten Jahren erleben wir die größten Kahlschläge aller Zeiten, die brutalste Waldbehandlung aller Zeiten, und zwar durch die Aufsichtsbehörde, die genau das verhindern muss, nämlich die staatlichen Forstverwaltungen.“
Eberhard Reckleben, der zu Beginn des Films einen kurzen Auftritt hatte, hätte dem mit Sicherheit widersprochen. Sein Konzept zur Wiederbewaldung und insbesondere sein engagiertes Vorgehen gegen zu hohe Wildbestände kommen in dem Film nicht vor – meiner Meinung nach absichtlich.2siehe Interview mit Forstdirektor Reckleben über Aufforstung und Jagd Michael Meyen würde von Propaganda sprechen.
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