Der Streit um den Wolfsschluchtweg – eine Provinzposse aus Ostwestfalen

Kritik des Zeitungsartikels „Abenteuerlicher Weg zum vergessenen Relief“

Am 23.1.2019 veröffentlicht das MT den Artikel Abenteuerlicher Weg zum vergessenen Relief. Er erscheint in der Serie „Portas vergessene Schätze“. Autor ist Lokalredakteur Thomas Lieske. Ich kritisiere den Artikel aus vier Gründen:

  1. Redakteur Lieske erzählt Märchen über den Wolfsschluchtweg.
  2. Er verbreitet Fake-News.
  3. Er betreibt Public Relation für den Tourismus.
  4. Er bezieht sich nur auf einen einzigen Informanten.

Viele der von Lieske gemachten Fehler tauchen ein Jahr später genauso im Streit um die Sperrung wieder auf.

Das Märchen vom verborgenen Schatz

Die Gegner der Sperrung werden 2020 immer wieder behaupten, der Wolfsschluchtweg sei wichtig, weil er zu einem wichtigen Kulturgut der Heimat führe. Das MT schreibt: der Weg führt zu einem „mittelalterlichen Relief“. Die Zeitung spricht sogar von einem  „verborgenen Schatz“.

„verborgener Schatz“

Über diesen lesen wir dann aber sonderbare Dinge, die so gar nicht zu einem Schatz passen wollen: das Relief ist „stark verwittert“, in einem „schlechten Zustand“ und unten „stark abgeplatzt“. Seine Kontur ist „abgerieben“ und vor lauter Flechten und Moose kaum zu erkennen. Ob es eine Frau oder einen Mann darstellt, weiß man nicht. Wofür es einmal gut war, auch nicht. Es könnte ein „gescheiterter Versuch für eine Grabplatte“ sein. Eine Restauration lohnt nicht. Es ist „in Vergessenheit geraten“. Offenbar zu recht, möchte man ergänzen. Selbst Redakteur Lieske überkommen Zweifel:

„Man muss zwar genauer hinschauen, um das verwitterte Relief zu entdecken. Doch allein der Wanderweg dorthin lohnt sich.“

Das Relief dagegen lohnt nicht. Einer der wenigen, der es nicht vergessen hat und vom MT als vermeintlicher Experte interviewt wird, ist Portas Stadtheimatpfleger Herbert Wiese. 2020 wird er einer derjenigen sein, die am lautesten gegen die Sperrung protestieren.

Fake-News über den Wolfsschluchtweg

„Der Weg ist schmal und holperig. Links führt der steile, fast beängstigende Abhang Dutzende Meter in die Tiefe.“

Der Wolfsschluchtweg ist rd. 1,5 km lang. Die schmalen und holperigen Stellen machen vielleicht 100, bestenfalls 200 m aus. Und der Abhang ist auch nicht beängstigend. Ich selbst leide an Höhenangst, bin nicht schwindelfrei und auch nicht besonders trittsicher. Trotzdem habe ich nie Angst gehabt. Es ist absurd, den Wolfsschluchtweg zu einem alpinen Klettersteig umzuschreiben. Er ist nun wirklich nicht „abenteuerlich“. Es sei denn, man erklärt das Steigen über quer über dem Weg liegende Bäume schon zum Abenteuer. Wären diese nicht, man könnte den überwiegenden Teil des Wegs auch mit einem Rollator gehen. Das gibt unfreiwillig sogar Stadtheimatpfleger Wiese zu:

„Teile des Pfades dienten im späten 19. Jahrhundert als Transportweg für Sandstein.“

Und Sandsteinblöcke transportiert man nicht über Klettersteige.

Nach dem „letzten Abbaupunkt“ für Sandstein „geht es deutlich steiler bergauf und -ab, durch scharfe Kurven und über oft nur sehr schmale Passagen.“

Ich weiß nicht, auf welche Mountainbikepiste Redakteur Lieske sich verirrt hat. Auf den Wolfsschluchtweg passt seine Beschreibung definitiv nicht.

„Der Weg ist schmal und holperig“

Lieske behauptet auch, der Weg sei „zertifiziert“. Auch das stimmt nicht. Nur ein einziger Wanderweg ist in Porta Westfalica zertifiziert, das ist der Weserberglandweg. Wahrscheinlich hat Lieske da etwas verwechselt: zertifiziert ist nicht der Weg, sondern sein Gesprächspartner Herbert Wiese, und zwar als Natur- und Landschaftsführer.

Public Relation statt Journalismus

„Abenteuerlicher Weg“, „verwunschener Buchenhochwald“, „romantisch anmutendes Wesertalpanorama“, „mystische Wolfshöhle“ – solche Formulierungen gehören nicht in einen Zeitungstext, sondern in einen Reiseprospekt.

„mystische Wolfshöhle“

Lokalredakteur Thomas Lieske schreibt keinen nüchternen und objektiven Bericht, er rührt die Werbetrommel für den örtlichen Tourismus. Sein Artikel liest sich wie eine Auftragsarbeit für das Touristikzentrum Westliches Weserbergland. Lieske ist nicht neutral, er ist Partei. Auch über Werbung für eine Führung mit Stadtheimatpfleger Wiese am Ende des Artikels hätte man sich als Leser nicht gewundert. Man könnte das Ganze als normales Alltagsgeschäft einer mit Auflagenschwund kämpfenden Lokalzeitung abtun. Aber ein Jahr später wird ebenjener Lieske über die Sperrung des Wolfsschluchtwegs berichten und dann scheint Lieske an seine eigene Propaganda zu glauben und ein völlig unbedeutendes Sandsteinrelief wird zu einem hoch bedeutsamen Kulturgut aufgeblasen, dessen Zugang unbedingt freigehalten werden muss.

Einseitigkeit

Lieske nutzt für seinen Artikel eine einzige Quelle: Heimatpfleger Wiese. Das ist schlechter Journalismus. Guter Journalismus nutzt mehrere Informanten und holt unterschiedliche Meinungen ein. Schon 2019 hätte Lieske mit dem zuständigen Förster reden müssen. Über den Wald weiß Lieske offenbar nur, dass es ein „sensibles Naturschutzgebiet“ ist. Gibt es eigentlich unsensible Naturschutzgebiete? Kein Wort über das Wildnisgebiet, kein Wort über das FFH-Gebiet. Kein Wort über die Bäume, und schon gar keines über Vögel, Käfer oder Pilze. Immer nur Wiese, Wiese und nochmal Wiese. Der weiß, dass hier „mehrere Behörden beteiligt“ sind. Lieske hat mit keiner von ihnen gesprochen. Nicht einmal Google hat er genutzt.

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