Der Streit um den Wolfsschluchtweg – eine Provinzposse aus Ostwestfalen

Zweite Zwischenbilanz: Gegen die Sperrung protestiert zwar nur eine Minderheit – es ist aber ein hervorragendes Wahlkampfthema.

Die Sperrung als Minderheitenthema

Jede Bürgerinitiative, die sich stark fühlt, sammelt Unterschriften. In Porta gründet sich nicht nur keine Bürgerinitiative gegen die Sperrung, es werden auch keine Unterschriften gesammelt. In der Petition wird das so erklärt:

„Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist leider eine Unterschriftensammlung geradezu ausgeschlossen.“

Das klingt vielleicht plausibel, ist es aber nicht. Denn warum startet man nicht einfach eine Online-Petition? Völlig keimfrei, ganz hygienisch!  Die Wählergemeinschaft Porta hatte es gemacht – und sammelte gerade einmal 200 Unterschriften: das sind weniger als 1 % der Einwohner von Porta Westfalica.1Porta hat rd. 37.000 Einwohner. siehe Porta Westfalica – Wikipedia Vielleicht schieben jetzt einige den Misserfolg dem Internet in die Schuhe und behaupten, eine Unterschriftensammlung mit persönlichem Kontakt vor Ort wäre besser. Warum aber sollte das „in Zeiten der Corona-Pandemie“ nicht möglich sein? Warum kann man nicht trotz Corona Infostände aufbauen und Unterschriften sammeln? Am besten auf der Ringterasse am Kaiser-Wilhelm-Denkmal direkt vor dem gesperrten Wolfsschluchtweg! Kann man am Infostand etwa keinen Abstand halten? Kann man mit Maske etwa nicht unterschreiben? Ist das Verteilen von Flugblättern vielleicht unhygienisch?

Samstag, 11.7.2020 14 Uhr – Ringterasse des Kaiser-Wilhelm-Denkmals – kein Infostand vor dem gesperrten Wolfsschluchtweg

Das Fehlen einer großen Unterschriftensammlung hat mit Corona gar nichts zu tun. Es deutet vielmehr darauf hin, dass es nur eine Minderheit ist, die unterschreiben würde. Trotzdem lässt sich aus dem Thema etwas machen!

Die Sperrung als Wahlkampfthema

Dass Minderheiten im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen, ist nicht ungewöhnlich. Und auch wenn der Wolfsschluchtweg nur für ein paar Heimatpfleger, Landschaftsführer und Altbürgermeister interessant ist, eignet sich die Sperrung doch gut für den Kommunalwahlkampf, der im September 2020 in NRW stattfindet:

„Skandal! Willkür! Das lassen wir uns nicht gefallen!“

Das Thema ist leicht zu verstehen, es hat einen starken lokalen Bezug und man kann sich als Politiker in Pose werfen und Stärke, Entschlossenheit und Tatkraft demonstrieren.

„Kaiser Wilhelm Denkmal! Förderung des Tourismus! Arbeitsplätze!“

Eine Petition ist dazu sehr gut geeignet. Wichtig ist nur, dass man dem Umweltministerium nicht zu sehr auf die Füße tritt. Und das tut man auch nicht: Außer der Petition macht der Stadtrat gar nichts. Niemand fährt nach Düsseldorf ins Umweltministerium und spuckt große Töne. So etwas darf der Stadtrat auch gar nicht machen: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert! Wahrscheinlich denken die Ratsmitglieder in Wirklichkeit so:

„Jetzt hat dieser Heimatpfleger schon wieder angerufen! Angeblich regt sich der ganze Stadtteil auf! Wegen diesem Wolfsschluchtweg! Und das blöde MT hängt sich natürlich wieder dran und macht auf Skandal. Im September sind Kommunalwahlen. Beim letzten Mal lag die Wahlbeteiligung nur bei 50%.2siehe Porta Westfalica – Stadtrat Irgendetwas müssen wir machen! Aber die Kollegen in Düsseldorf verärgern? Den Umweltminister kritisieren? Was tun? Am besten, wir verabschieden erst einmal diese Petition. Wir zeigen damit: Wir sind aktiv! Wir machen etwas für die Bürger vor Ort! Das mit der Petition dauert dann. Und dann kommt erst einmal ein Ortstermin. Das dauert wieder. Und irgendwann wächst Gras über die Sache. Ja, so machen wir das!“

Der Stadtrat tut so als ob. Vor den Wählern täuscht er Aktivität vor. Es ist Wahlkampfgetöse.

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