Aktivisten allein im Wald

Aktionen im Jahr 2019

2019 nimmt die Anzahl von Protestaktionen der NLP-Befürworter drastisch ab. Und das liegt nicht daran, dass ich in Ostwestfalen lebe und dort von diesen Protesten womöglich nichts mitbekomme. Nein, auch wenn man lange im Netz recherchiert wird man nicht fündig: nicht auf Google, nicht auf Twitter und auch nicht auf dem ansonsten sehr gut sortierten Pressearchiv des Freundeskreis Nationalpark Steigerwald. Keine Demonstrationen, nirgends! Dafür mäßig besuchte Waldspaziergänge und Diskussionsabende.

3. und 4. Februar – Landesdelegiertenkonferenz der Grünen in Bayern

Die Landesdelegiertenkonferenz der bayerischen Grünen ist keine Protestaktion für den Steigerwald. Aus Mangel an Demonstrationen, Sitzblockaden oder Baumbesetzungen sei sie aber hier erwähnt. Immerhin wurde dort das gemacht, was sehr beliebt ist, wenn es um den Nationalpark Steigerwald geht: Man verabschiedet einen Antrag. Das macht man, damit die Zeitung darüber berichtet. Und das tut am 5. Februar die Main-Post: Lisa Badum – Staatsforsten haben kein Recht auf Profit. Dabei war die Main-Post gar nicht anwesend. Ein Mitarbeiter der Main-Post war nicht vor Ort. Die Zeitung druckt einfach das ab, was die Pressereferentin der Bundestagsabgeordneten Lisa Badum geschrieben hat. Auch die Fotos stammen selbstverständlich von ihr. Redakteur Vollmann ist immerhin so ehrlich, dass er das auch gar nicht verschweigt. Unter der Überschrift steht nicht „von Norbert Vollmann“, sondern „Bearbeitet von Norbert Vollmann“. Und im Text steht:

„Dies teilt das Büro von Lisa Badum in einer Pressemitteilung.“

Das Wort „mit“ fehlt im Zeitungsartikel. Auch den Namen der Pressereferentin schreibt Vollmann falsch: Sie heißt Lena, nicht Lenau Kauer. Vollmann hat den Artikel mit heißer Nadel gestrickt. Ihm fällt auch nicht auf, dass Badums Antrag auf der Konferenz keine große Rolle gespielt haben kann; im offiziellen Rückblick der Grünen fehlt der Steigerwald völlig. Nicht einmal Badum wird erwähnt – kein Foto, nichts. Stattdessen „begeisterte“ Luisa Neubauer von Fridays For Future.

7.3 – Diskussionsveranstaltung in Haßfurt

Auch eine Diskussion mit 45 Teilnehmern zähle ich zu den Protestveranstaltungen. Ich nehme einmal großzügig an, dass die Teilnehmer allein schon mit ihrer Anwesenheit demonstrieren, dass sie alle für einen NLP Steigerwald sind. Auch die Main-Post ist großzügig am 8. März. Denn für die Zeitung beweist diese Veranstaltung, dass Grünen-MdB Lisa Badum sich für den Steigerwald einsetzt: Im Einsatz für einen Schatz der Region.

Bei dieser Diskussion war sogar mit Felix Schwarz ein Journalist der Main-Post direkt vor Ort. Der Artikel wurde also nicht von Badums Büro geschrieben. Und das merkt man auch. Badum wird nicht amusiert gewesen sein: „die selbsternannte Klimaretterin“, „Wie viele Buchen tatsächlich gefährdet sind und ob nicht die Abholzung einzelner Buchen auch sinnvoll sein könnte, ließ Badum offen.“ „die selbsternannte ‚Baumumarmerin'“, „vereinzelt gab es bei den Zuhörern dennoch Zweifel, ob es wirklich so viele schützenswerte Buchen dort gibt“, „die studierte Politikwissenschaftlerin“.

27. Juni – Waldspaziergang für den Steigerwald

Bei der Diskussionsveranstaltung in Haßfurt hatte Badum gesagt: „Der Druck [für einen NLP] muss von der Bevölkerung kommen.“ Ob ein Waldspaziergang so einen Druck macht? Jedenfalls wird ihr Erster Waldspaziergang für den Steigerwald in der Main-Post vom 27.6 groß angekündigt. Mit von der Partie ist der Verein Nationalpark Steigerwald; auch er lädt ein.

Erklärtes Ziel ist es „ein friedliches Zeichen [zu] setzen: für den Schutz der Buchen und für einen Nationalpark Nordsteigerwald.“ Warum es dafür notwendig ist, dass ein „zertifizierter Wanderführer aus Ebermannstadt [..] die Wanderung führen und in das Thema Waldbaden einführen“ wird, erfährt der Leser nicht.

Am 1. Juli berichtet die Main-Post dann, wie viele es gewesen sind, die zusammen mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten zeigen wollten: „der Wald gehört uns allen“.1Erster Waldspaziergang für den Steigerwald Auf dem Foto der Pressereferentin von Lisa Badum zähle ich gut ein Dutzend Teilnehmer. Vielleicht sind es deswegen nur so wenige, weil „Atemübungen, die dem QuiGong entlehnt sind“ nicht jedermanns Sache sind. Der Artikel stammt übrigens wieder nicht von der Main-Post, sondern ist nicht viel mehr als eine abgedruckte Pressemitteilung: „bearbeitet von Norbert Vollmann“.

28. Juli – Fridays For Future im Steigerwald

Weiter oben habe ich gemutmaßt, Protestaktionen könnten von Grünen-MdB Lisa Badum auch bewusst inszeniert sein und bei den teilnehmenden Aktivisten könnte es sich möglicherweise um bezahlte Statisten handeln. Nun – bei der Aktion der Bamberger Ortsgruppe von Fridays For Future im Steigerwald am Sonntag, den 28. Juli, wurde zumindest schon einmal der Bus bezahlt: die Fahrt von Bamberg in den Steigerwald war für die Teilnehmer kostenlos.

Die Main-Post macht am 2. August das, was sie immer macht. Sie druckt Fotos und Pressemitteilung der Pressereferentin ab: „Fridays For Future“-Aktivisten für Nationalpark im Steigerwald. Redakteur Vollmann prüft nicht einmal die Anzahl der Teilnehmer: „50 Aktivisten“ sollen es angeblich gewesen sein. Auf dem Foto ist nur die Hälfte zu sehen. Und auch auf dem Foto, das inFranken.de veröffentlicht, sind es nicht mehr. Sie halten dafür aber viele große Transparente hoch, hinter der die wenigen Teilnehmer fast verschwinden. 10 Mitglieder des Vereins Nationalpark Steigerwald sollen auch irgendwie irgendwo dabei gewesen sein. Vielleicht sind sie kamerascheu. Auch MdB Badum ist diesmal nicht groß im Bild; möglich, dass sie nach dem „kurzen Grußwort“ gleich zum nächsten Termin gefahren ist.

Dafür erkären Tim-Luca Rosenheimer (Fridays For Future) und Joschua Wolf (Extinction Rebellion) den Schülern die Welt und erzählen von der „abkühlenden Wirkung“ des Waldes, seiner „guten Speicherung von CO2, vom „sauberen Trinkwasser aus Quellen“ und der „Resistenz gegen Schädlinge, Unwetter und Trockenheit“.2alles Zitate aus der Pressemitteilung

Das Interesse der Main-Post-Leser für Badum und Fridays For Future hält sich in engen Grenzen: der Artikel wird nur 9mal kommentiert: 4 Kommentare stammen von „rebnik“, einem NLP-Befürworter, 3 von „l.saubert“, einem NLP-Gegner. Letzterer hat auch den beliebtesten Kommentar (15 mal „Gefällt mir“) geschrieben:

„Gott sei Dank ticken die meisten jungen Leute im Steigerwald anders als die zusammengekarrten Studiosis aus dem fernen Bamberg. Über die krawallgebürsteten Möchtegern-„Aktivisten“ lächeln wir hier müde. Wer weiß, ob die überhaupt eine Buche im Wald erkennen.“

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Ein Gedanke zu „Aktivisten allein im Wald

  1. Herzlichen Dank für diese ernüchternde Analyse! Die Forstwirtschaft auf dem Holzweg und die Holzbranche haben eine viel längere Tradition, gute Strukturen und eine erfolgreiche Lobby zur Erfüllung ihrer Rechte und Pflichten. Der Waldbau basiert immer noch weitgehend auf den Lehren von Heinrich Cotta (1763-1844). Bisher ist es niemandem in Mitteleuropa gelungen, dem Lebensraum Wald in der heute total veränderten Zeit auch neue Aufgaben und neue Chancen zu geben. Schade!

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