Aktivisten allein im Wald

2018

  • 1. Februar – Demonstration in Zeil
  • 14. Oktober – Landtagswahlen in Bayern
  • 9. Juni – Nationalparktag in Bamberg
  • 27. September – Demonstration vor der Staatskanzlei in München
  • 14. Oktober – Landtagswahl in Bayern
  • 8. Dezember – Waldspaziergang des Vereins NLP Steigerwald
  • 16. Dezember – Grünen-MdB Badum kettet sich an Buche

1. Februar – Demonstration in Zeil

Der BR spricht von 80 Demonstranten, der Wiesentbote von 120.1Nationalpark-Nordsteigerwald e.V. demonstrierte bei Söder-Besuch, Der Neue Wiesentbote vom 5.2.2018 Diese Teilnehmerzahlen sind typisch; mehr werden es in den folgenden drei Jahren nie.

9. Juni – Nationalpark-Tag

Für den 9.6 kündigt der Bund Naturschutz (BN) einen großen „Nationalpark-Tag“ in Bamberg an. Der BN hat eine viertel Million Mitglieder.2siehe Jahresbericht 2018

Vor der Bühne, auf der BN-Chef Hubert Weiger spricht, zähle ich 75 Personen. Das ist 1 Promille der Bamberger Bevölkerung.

27. September – Demonstration vor der Staatskanzlei

Nicht weniger als acht Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen hatten zur Kundgebung vor der Bayerischen Staatskanzlei in München eingeladen: der Bund Naturschutz in Bayern, Greenpeace, die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung, der Landesbund für Vogelschutz in Bayern, die Naturfreunde Deutschlands, der Verein Nationalpark Nordsteigerwald, der WWF Deutschland und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt.3Das Tafelsilber bayerischer Natur schützen, Main-Post vom 4.10.2018 Anlass war die Übergabe von 7.600 gesammelten Unterschriften für den NLP an Umweltminister Huber.47600 Unterschriften für einen Nationalpark wurden , Main-Post vom 27.9.2018 Ich selbst war damals 700 km aus Ostwestfalen angereist. Die Demonstration hatte so wenig Teilnehmer, dass ich beim Pförtner in der Staatskanzlei nachfragen musste, wo diese denn stattfinden würde.5siehe Videos von der Kundgebung zum Steigerwald in München

14. Oktober – Landtagswahlen in Bayern

Am 14.10 finden die bayerischen Landtagswahlen statt. Der Verein NLP Steigerwald wirbt dafür, bei der Wahl für den NLP zu stimmen:

Auf Twitter wird die Forderung „Wählt NLP Steigerwald bei der Landtagswahl!“ insgesamt zwei Dutzend (!) mal wiederholt. Ganz offen unterstützt man die Grünen. So lädt der Verein Nationalpark Steigerwald zu einem „offenen Bürgergespräch“ ein – mit Grünen-MdB Rottmann:

Knapp 40 Interessierte folgen der Einladung und kommen zur Diskussion.6siehe Nationalpark-Befürworter gegen nicht auf, Main-Post vom 31.7.2018 Sogar Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock kommt in den Steigerwald:

Genutzt hat der ganze Einsatz für die Grünen nichts: Diese gewinnen zwar 9% hinzu.7siehe Landtagswahl in Bayern 2018 Wer nun aber meint, das läge daran, dass die Grünen für den NLP sind, irrt. Denn auch die SPD ist für den NLP und sie verliert 11%. Zwar verliert auch die CSU 11%. Sie wird aber nicht wegen ihres Neins zum NLP abgestraft. Nicht der NLP ist schuld, sondern die AFD.

8. Dezember – Waldspaziergang des Vereins NLP Steigerwald

Am 7.12 veröffentlicht die Main-Post eine Einladung des Vereins Nationalpark Steigerwald zu einem Waldspaziergang: Spaziergang zu den gefällten dicken Buchen Im „Hohen Buchenen Wald im Ebracher Forst“ sollten gefällte dicke Buchen gezeigt werden. Zu diesem Waldspaziergang kommt dann „eine Reihe Bürger“. Die Main-Post ist gnädig: Schuld ist selbstverständlich „schlechtes Wetter“ und nicht etwa mangelndes Interesse: Geht der Profit über den Waldschutz?


16. Dezember – Grünen-MdB Badum kettet sich an Steigerwald-Buche

„Journalismus ist etwas zu veröffentlichen, was andere nicht wollen, dass es veröffentlicht wird. Alles andere ist Propaganda.“
George Orwell

Die Handlung könnte absurder und sinnloser nicht sein: Grünen-MdB Lisa Badum kettet sich an einem Sonntag an eine Buche. Sie behindert damit nichts und niemanden: Forstarbeiter mit Motorsägen sind nicht in der Nähe.

Die Main-Post hat Unrecht: es ist keine „Protestaktion“, es ist eine PR-Aktion, inszeniert für die Fotografin Lena Knauer. Und die arbeitet nicht für die Main-Post, sondern für das Büro von Lisa Badum in Bamberg.8Auch Lisa Badum zieht in die Luitpoldstraße, inFranken.de vom 22.7.2018 Als „wissenschaftliche Mitarbeiterin“ ist Knauer zuständig für die „Presse Bayern“, d. h. sie hat nicht nur die Fotos für die Main-Post gemacht, sondern auch den entsprechenden Text der Pressemitteilung. Ein Journalist der Main-Post war erst gar nicht vor Ort. Die Zeitung mutiert am am Montag zur Außenstelle des Büros der Bundestagsabgeordneten und Redakteur Vollmann zum ihrem vierten wissenschaftlichen Mitarbeiter. Er macht kostenlose Wahlwerbung für die Grünen und erzählt einfach die Pressemitteilung von Badum nach: Aus Protest an dicke Steigerwald-Buchen gekettet, Main-Post vom 17.12.2018. Angeblich hätten sich „auf Einladung von Lisa Badum Engagierte aus der Region sowie Umweltaktivisten und -aktivistinnen aus ganz Bayern im Ebracher Forst getroffen“. Das scheint frei erfunden, denn auf dem Foto sind neben Badum nur zwei zu sehen.

Der junge Mann links von Badum ist Tim-Luca Rosenheimer. Was die Pressemitteilung und auch Redakteur Vollmann verschweigen: Rosenheimer ist Sprecher der Grünen Jugend Oberfranken9GRÜNE JUGEND Oberfranken wählt neuen Vorstand und geht gestärkt in die Kommunalwahlen, inFranken.de vom 17.6.2019 und Leiter der Ortsgruppe von Fridays For Future in Bamberg.10Wie wird man Aktivist? Ottfried, die Bamberger Studentenzeitschrift vom 28.11.2019 Vielleicht haben er und die junge Frau rechts von Badum von dieser eine Aufwandsentschädigung bekommen. Das klingt vielleicht verrückt, wird aber mittlerweile ohne jedes schlechte Gewissen tatsächlich gemacht: So bezahlte z. B. der Verein Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald (NuKla) ein Dutzend Jugendliche für die Teilnahme an einer Demonstration mit je 50 €.11Statisten erhielten Geld für Auftritt auf Klimademo, Die Welt vom 3.12.2019 und Jugendliche erhielten Geld fürs Demonstrieren, Leipziger Volkszeitung vom 3.12.2019 Vorbereitete Schilder wurden gestellt.

Der Zeitungsartikel in der Main-Post  – bzw. die Pressemitteilung – ist typisch: stets wird davon geredet, dass sich „viele Engagierte vor Ort“ und „junge Umweltaktivisten aus ganz Bayern“ für „ein sofortiges Fällmoratorium, ein Schutzgebiet für den ‚Hohen Buchenen Wald‘, sowie langfristig einen Nationalpark im Nordsteigerwald“ engagieren. Nur scheinen sich die vielen Engagierten und Aktivisten alle irgendwie im Wald zu verstecken; auf Fotos zu sehen sind sie nie. Schon gar nicht veranstalten sie eine Demonstration in Ebrach oder eine Sitzblockade vor dem Forstamt. „Zur Not ketten wir uns an diese Buchen.“ Am Sonntag.

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Ein Gedanke zu „Aktivisten allein im Wald

  1. Herzlichen Dank für diese ernüchternde Analyse! Die Forstwirtschaft auf dem Holzweg und die Holzbranche haben eine viel längere Tradition, gute Strukturen und eine erfolgreiche Lobby zur Erfüllung ihrer Rechte und Pflichten. Der Waldbau basiert immer noch weitgehend auf den Lehren von Heinrich Cotta (1763-1844). Bisher ist es niemandem in Mitteleuropa gelungen, dem Lebensraum Wald in der heute total veränderten Zeit auch neue Aufgaben und neue Chancen zu geben. Schade!

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