Pressesprecher Gregor Wolf erklärt mir die Naturzonenerweiterung 2019

„Das ist jetzt nichts, was schlüssig begründbar ist!“

Jetzt haben Sie selber den Lackenberg angesprochen. Da wäre ich beim dritten Thema. Meine Frau und ich waren am Lackenberg und sahen dort diesen großen Kahlschlag. Ich habe da gestanden und mich gefragt: Was haben die hier nur gemacht? Ich stand da und dachte: Um Gottes Willen!

Gibt es dazu heute von der NLP-Verwaltung irgendwelche Stellungnahmen, wie man das heute sieht? Oder gilt da immer noch das, was Sinner damals gesagt hat: Das müssen wir machen! Das ist so und fertig! Oder gibt es da etwas Neues zu?

Wir können ja da nicht heraus. Wenn man das jetzt nur aus der biologischen Brille betrachtet, dann weiß man natürlich, dass das Nachteile hat. Das war ja damals auch nicht anders. Aber dann kommt leider das, was Sinner auch gesagt hat: Das ist eben so! Das steht in der NLP-Verordnung. Das entscheidet der Kommunale Nationalparkausschuss. Und wir können uns nicht über diese Entscheidungen oder Rechtsgrundlagen hinwegsetzen. Es ist gar nicht so, dass wir etwas wollen oder nicht wollen. Wir sind eine Behörde und eine Behörde setzt das um, was sie machen muss.

Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel und vielleicht können Sie dann verstehen, warum ich deswegen so verärgert bin. Ich war Lehrer: Wenn mir mein Chef gesagt hätte, dass ab heute ungezogene Kinder auch verprügelt werden sollen, dann hätte ich gesagt: Nein, das mache ich nicht!

Der Vergleich hinkt ein bisschen.

Ich könnte auch meine Frau zitieren. Die kennt sich mit Forstwirtschaft nun so gar nicht aus. Aber als die den Lackenberg gesehen hat, da hat sie gesagt: Aha! Das ist jetzt also NLP! Interessant!

Ich kann Ihnen das einmal aus meiner persönlichen Erfahrung erzählen. Ich arbeite seit drei Jahren für den NLP. Als ich das erste Mal am Falkenstein war – das ist jetzt ungefähr 15 Jahre her – da habe ich mir dieselbe Frage auch gestellt. Die stellt man sich natürlich, wenn man da hin kommt. Und das ist jetzt natürlich auch nichts, was irgendwie schlüssig begründbar ist – so eben mal aus der Hand geschüttelt. Aber anders war diese Erweiterung damals auch nicht politisch umzusetzen. Solange nicht die komplette regionale Politik da etwas anderes will, ist das halt so, wie es ist. Wir können uns jedenfalls nicht darüber hinwegsetzen.
Wenn Sie die Karte jetzt mal ansehen, dann sehen Sie ja schon, das ist jetzt … – vergleichen Sie die mal mit der Karte von vor 10 Jahren, da ist schon sehr viel passiert! Man darf den NLP ja sowieso nicht als Projekt für 50 Jahre ansehen.

Ich kenne ja diese Diskussion. Ich dachte mir nur, vielleicht gibt es da mittlerweile andere Stellungnahmen. Ich erinnere mich z. B. an einen Artikel aus dem letzten Jahr von Jörg Müller – ich zitiere ihn immer wieder gerne.1siehe Ultraviolence Ich weiß nicht, ob Sie diesen Artikel kennen. Darin sagt er ganz deutlich: Solche Kahlschläge in NLPs sollten unterbleiben. Und vom NLP Bayerischer Wald hat er sogar ein schönes Bild von zwei Harvestern, die tief im Matsch stecken.

Das untere Foto zeigt zwei Harvester beim Sanitärhieb (engl. salvage logging) im Nationalpark.

Da dachte ich mir auch: Mein lieber Scholli! Der traut sich was! Und schreibt dann: Wir sind von unwissenden Politkern dazu gezwungen worden. So steht es in dem Artikel drin und ich dachte mir: Tja! Interessant! Also: Ich wasche meine Hände in Unschuld. Ich bin nicht schuld! Die Politiker sind schuld! Verstehen Sie? So kommt das bei einem an.

Ich kenne den Text jetzt nicht. Deshalb kann ich da jetzt wenig zu sagen. Aber … jetzt von diesem Thema losgelöst: Da braucht man sich ja nur große Beispiele in der Politik anschauen. Man muss nur den amerikanischen Präsidenten und das Thema Klimawandel anschauen. Es ist eben nicht immer so, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheidungen umgesetzt werden.

Mein Problem ist: Irgendjemand muss es machen. Ab wann sagt man: Mit mir nicht! Und dann geht man.

Aber Sie müssen jetzt mal bedenken: Was da dieses Jahr geschafft wurde, ist ja schon etwas ungewöhnliches.

Dafür verzichtet man in den nächsten beiden Jahren auf eine Erweiterung. Wenn ich jetzt böse bin, würde ich sagen: Toller Kuhhandel!

Wenn man jetzt aber berechnet, dass in den letzten Jahren immer so 150 ha ausgewiesen wurden, dann sind jetzt diese knapp 800 immer noch mehr als die Summe von drei Jahren. Und Sie müssen auch an die zeitliche Dimension denken: Wenn man das Ganze jetzt auf drei Jahre aufgeteilt hätte, dann hätten die Förster nächstes Jahr auf den noch nicht in die Naturzone aufgenommenen Flächen Borkenkäfermanagement machen müssen. Das müssen sie nun nicht mehr. Ich denke, das ist für die Natur schon auch ein guter Schritt nach vorne. Wie so oft in der Politik: Das ist ein Bohren dicker Bretter. Jetzt wurde wieder ein Stück des Loches geschafft.

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Ein Gedanke zu „Pressesprecher Gregor Wolf erklärt mir die Naturzonenerweiterung 2019

  1. Von Versteppung der Hochlagenflächen zwischen den Lackenhängen und der Linie Distelruck und Großer Hahnenbogen zu reden, ist völlig übertrieben. Auch dort braucht die Natur Zeit und wir mehr Gelassenheit. Ist es wirklich so schlimm, wenn zunächst kleinere und größere Lücken oder gar Waldlichtungen in der Größe von Weideschachten verbleiben? Ich meine nicht. Nicht auf jedem Quadratmeter muss gleich eine kleine Fichte wachsen. Denn dann hätte man gleich wieder einen Forst und keinen Naturwald.

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