Großkahlschlag am Neubruck

Gespräch mit dem Journalisten Andreas Nigl

Andreas Nigl leitet die Redaktion des Grafenauer Anzeigers. Die Zeitung ist die Lokalausgabe der Passauer Neuen Presse. Am 17. April 2015 führe ich ein längeres Telefongespräch mit ihm.

Nein, über den Kahlschlag am Neubruck habe der Grafenauer Anzeiger seinerzeit nicht berichtet, sagt Nigl. Diese Kahlschläge kämen so oft vor, dass es nicht mehr thematisiert wird. Die Hiebe geschehen zur Beruhigung der Privatwaldbesitzer. Ich frage ihn nach dem Missverhältnis zwischen der kleinen Fläche der geschützten Privatwälder und der großen Fläche, die zu ihrem Schutz kahlgeschlagen wurde. Er gibt mir Recht: Aufwand und Nutzen stünden häufig in keinem angemessenen Verhältnis. Gleiches gelte für die sehr kostspielige Holzrückung mit Seilkränen und Hubschraubern in diesem Gebiet. Aber darüber wundere sich mittlerweile niemand mehr. Dies sei Alltag geworden.

Ich möchte wissen, ob es nicht einfacher gewesen wäre, wenn die Nationalparkverwaltung die kleinen Privatwaldflächen aufgekauft hätte. Nigl gibt zu bedenken, dass dadurch die Fläche des Nationalparks vergrößert würde. Das aber sei politisch nicht gewollt. Überhaupt wäre dazu ein Gesetzesbeschlusses des bayerischen Landtags nötig. Auch würden dadurch Präzedenzfälle geschaffen. Und natürlich würden Nationalparkgegner ihren Wald nicht verkaufen. Und vor einer Enteignung stünden hohe rechtliche Hürden. Er verweist auf die Renaturierung des Reschbaches bei Mauth. Damals seien tatsächlich von Privatleuten Flächen aufgekauft worden. Warum die Nationalparkverwaltung die Borkenkäferbekämpfung so furchtbar genau nehme, möchte ich wissen. Nigl verweist auf die Nationalparkgegner: Die würden ganz genau beobachten, ob die Verwaltung ihren gesetzlichen Pflichten nachkomme.

Nigl ist ein angenehmer Gesprächspartner. Er wirft während des Gesprächs einen Blick auf meine Webseite. Dann wird er grundsätzlicher: Das Thema der Kahlschläge sei zu Tode diskutiert worden. Er dürfe als Journalist nicht Partei ergreifen und müsse sich vor Ideologien hüten. Es gebe unterschiedliche Sichtweisen und jede Partei habe ihre speziellen Argumente. Wer könne schon beurteilen, wer Recht habe? Die einen sagen so und die anderen sagen so: „Dieser Kuchen hat viele Stücke.“ Er sei jetzt 25 Jahre Journalist und habe vielleicht 50 % der Materie verstanden. Die anderen 50 % seien für ihn immer noch eine „Wundertüte“.

Er bezweifelt auch die Ehrlichkeit von Politikern, die sich zu Wort melden: Einige missbrauchen den Park als Instrument zur Befriedigung ihrer persönlichen Eitelkeiten. Für andere ist der Nationalpark ein Mittel zum Zweck in der politischen Auseinandersetzung. Recht zu behalten wird zu einer Frage der Ehre. Manchmal treffen zwei Alpha-Tiere aufeinander und keiner von beiden will sein Gesicht verlieren. Es bilden sich Lager aus und die Fronten verhärten sich. Die Diskussion gleicht einem Minenfeld.

Auch Nigl macht dem ehemaligen Leiter Bibelriether Vorwürfe: Man könne einen Park nicht von oben herab durchsetzen. Die Ängste vor allem in der älteren Bevölkerung müsse man ernst nehmen. Die Jüngeren hätten mit dem Park keine Probleme mehr.

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