Großkahlschlag am Neubruck

Dammbruch – Harvestereinsatz

Die Aussagen von Dienststellenleiter Kaatz passen zu den spärlichen Angaben, die sich aus den offiziellen Dokumenten zusammenkratzen lassen. So heißt es im Jahresbericht 2006:

„Vom Schneebruch besonders betroffen waren jüngere und mittelalte Waldbestände im Randbereich des Rachel-Lusen-Gebietes entlang der Nationalpark-Basisstrasse zwischen Neuschönau und Spiegelau […]. So sind in der Nationalparkdienststelle […] Riedlhütte rund 24.500 fm Schneebruchhölzer aufgearbeitet worden.“1

Hinzu kamen in Riedlhütte 7.711 fm Borkenkäferholz.2 Macht zusammen 32.211 fm. Rechnet man grob mit 400 fm/ha3 , so entspricht diese Holzmenge einem Kahlschlag von ungefähr 80 ha. 2007 hat die Nationalparkdienststelle Riedlhütte 12.800 fm Borkenkäfer-4 und 9.200 fm Sturmwurfholz aus dem Orkan Kyrill5 eingeschlagen. Das sind noch einmal 55 ha leergeräumte Flächen. 2008 gibt es am Neuruck keinen Borkenkäferbefall mehr: Luftbildauswertungen zeigen, dass der Borkenkäfer dort restlos ausgemerzt wurde.6

Um der riesigen Holzmengen Herr zu werden, kommt es zu einem Dammbruch:

„[Es] wurden zur Aufarbeitung der Schneebruchhölzer 2006 erstmals mehrere Harvester eingesetzt.“7

Die offizielle Nationalparkzeitung „Unser Wilder Wald“ wird noch genauer:

„Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein waren bis zu sieben Harvester […] im Einsatz, um den enormen Schneebruchanfall rechtzeitig in den Griff zu bekommen.“8

Noch verrichten diese Monster ihr Werk nur am Rand der Waldflächen auf den Forststraßen und die Aufmerksamkeit des Lesers wird gezielt von den Harvestern weg hin zu den Seilkrananlagen gelenkt:

Mit Hilfe von fünf mobilen Seilkrananlagen wurden Schneebruchhölzer aus Weichböden ausgerückt und an der Forststrasse von Harvestern aufgearbeitet. Ohne diesen massiven Einsatz wären es nicht möglich gewesen, die angefallenen Holzmengen zeitgerecht zu bewältigen. So konnte eine schnelle, effektive Borkenkäferbekämpfung sichergestellt und gleichzeitig der Waldboden und die vorhandene Naturverjüngung weitgehend geschont werden.“9

TINA: „There is no alternative!“ Die Nationalparkverwaltung konstruiert einen lückenlosen Kausalzusammenhang von der gesetzlichen Verpflichtung zum Privatwaldschutz bis hin zum Harvestereinsatz. Niemand hat einen Entscheidungsspielraum. Alle sind nur Getriebene. Und so wird es schon im nächsten Jahr nach Kyrill keine Alternative mehr geben zum Einsatz von Harvestern in Rückegassen mit 20 m Abstand.

Ein Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm „Wildes Bayern – Geburt eines Urwalds“ zeigt Seilkran und Harvester im Einsatz:

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  1. S. 9, Hervorhebungen von mir []
  2. ebd. []
  3. zu den Zahlen siehe z. B. die Statistik des Bayerischen Waldbesitzerverbandes []
  4. Jahresbericht 2007, Grafik 2, S. 6 []
  5. ebd., Grafik 3, S. 7 []
  6. siehe Nationalparkverwaltung (Hg.), Waldentwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald in den Jahren 2006 – 2011 – Von Marco Heurich, Franz Baierl und Thorsten Zeppenfeld, Grafenau 2012, S. 10 f.  Abb. 2. Die Abbildung zeigt links zwei Auswertungen vom 7.9.2006 und 16.9.2007. Auf diesen ist die Waldabteilung Neubruck noch rot eingefärbt. Dies zeigt Borkenkäferbefall an. Am 31.8.2008 fehlt die rote Farbe. []
  7. Jahresbericht 2006, S. 9, Hervorhebungen von mir []
  8. Unser Wilder Wald, Nr. 20, 2006, S. 4, Hervorhebungen von mir []
  9. ebd., Hervorhebungen von mir []