„Wir müssen den Käfer fressen lassen!“

Zu dieser Überzeugung gelangte Hans Bibelriether, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, in den 80er Jahren. Er wollte „Natur Natur sein lassen“. Der damalige Forstminister Hans Eisenmann hielt ihm den Rücken frei: Er wünschte sich einen „Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder“. Als der Borkenkäfer dann in den 90er Jahren 35 km2 Fichtenwald im Nationalpark auffraß, kochte die Volksseele: Bibelriether hätten viele am liebsten gelyncht. Immer noch wollen 60 % der Einheimischen den Borkenkäfer „mit allen Mitteln“ bekämpfen.1 Das gesunde Volksempfinden stört sich am „Saustall“ und „Chaos“2 im „Nazi-Analpark“.3

 

Collage von Zeitungsausschnitten im Besucherzentrum Hans-Eisenmann-Haus

Angeregt durch die Radiosendung „Erlebte Geschichten“ mit Hans Bibelriether habe ich mich intensiv mit dem Fichtensterben im Nationalpark befasst. Ich habe viele wissenschaftliche Studien und Zeitungsartikel dazu gelesen und mich im Hans-Eisenmann-Haus informiert. Die Zusammenfassung meiner Recherchen finden Sie hier: Das Fichtensterben am Lusen

  1. Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (Hg.), Die Akzeptanz des Nationalparks Bayerischer Wald bei der lokalen Bevölkerung, 2008, S. 9 []
  2. ebd., S. 20 []
  3. Horst Stern, Unter neuen Bäumen wächst neuer Wald, in: Spiegel 31/1996, S. 140 []