Warum gibt es keinen öffentlichkeitswirksamen Protest gegen die Forstwirtschaft?

Vielleicht lebe ich in Porta Westfalica hinterm Mond und bekomme das alles nur nicht mit. Vielleicht gibt es überall im Land Bürgerinitiativen zum Schutz alter Buchenwälder, die wöchentlich Mahnwachen vor dem Rathaus mit Hunderten von Teilnehmern organisieren. Vielleicht liegt die letzte Demonstration für den Nationalpark Steigerwald mit Zehntausenden von Demonstranten nur wenige Wochen zurück. Vielleicht finden vor dem Forstbetrieb Rothenbuch im Spessart jeden Monat Sitzblockaden mit Hunderten von Bürgern gegen das Fällen wertvoller Eichen statt.1 Vielleicht gab es im letzten Jahr eine Großdemonstration in Berlin mit über 100.000 Teilnehmern, auf der die bundesweite Einführung des Lübecker Konzepts der Naturnahen Waldnutzung gefordert wurde. Vielleicht weiß ich von all dem einfach nur nichts.

Castor 2011 - Harlingen 8364Keine Sitzblockade vor dem Forstbetrieb Rothenbuch, sondern gegen den Castor-Transport auf den Gleisen bei Harlingen am 26. November 2011

Ich fürchte aber, es ist ganz anders: Kein einziger Chef der Landesforsten zittert vor irgendeinem Umweltverband. Kein einziger Forstamtsleiter hat schlaflose Nächte wegen irgendeiner Bürgerinitiative. Es gibt keinen öffentlichkeitswirksamen Protest gegen die Forstwirtschaft. Warum ist das so?

Es gibt einfache Antworten, die mich nicht überzeugen. Es liegt nicht an den Zeitungen. Es liegt nicht am Fernsehen. Am 30. Juli hielt Prof. Michael Hartmann beim Pleisweiler Gespräch der Nachdenkseiten einen Vortrag über „Reichtum und Eliten“. Er sprach nicht über die Forstwirtschaft, aber seine Erfahrungen in der Politik sind sehr gut auf diesen Bereich übertragbar. Hier geht es zu meinem Artikel: Warum gibt es keinen öffentlichkeitswirksamen Protest gegen die Forstwirtschaft?

Hinweis: Es gibt eine wichtige Neuerung: Ich lasse bei diesem Artikel zum ersten Mal Kommentare zu. Bislang haben mich die Erfahrungen anderer Blogs mit Trollen immer abgeschreckt. Ich probiere es einmal aus.

  1. siehe BUND-Waldreport 2016, S. 8 ff. []