Warum der Verzicht des Einzelnen die Welt nicht retten kann

Conference on Debt Issues in Low-Income Countries - Heiner Flassbeck

Nach meinem Beitrag „Warum das Verbrennen von Holz das Verbrennen von Öl nicht ersetzt“ habe ich mehrere Emails von Lesern erhalten, die meinten, dass der einzelne Konsument die Welt doch verändern kann, indem er auf bestimmte Produkte verzichtet. Ich möchte deswegen noch einmal Heiner Flassbeck zitieren und am Schluss auf ein sehr lesenswertes Buch von Kathrin Hartmann verweisen. Es trägt bezeichnenderweise den Titel „Ende der Märchenstunde“. Doch zunächst zu Heiner Flassbeck. Er schreibt:

„Selbst wenn 200 Deutsche nicht ins Flugzeug nach Mallorca steigen und der Flug deswegen ausfällt, ist zu erwarten, dass woanders auf der Welt ein Flug mehr stattfindet, weil dort das Fliegen günstiger wird. Selbst wenn auf der gesamten Welt – nur aus grüner Überzeugung – weniger Menschen einen Flug buchen sollten, gibt es keinen Mechanismus, der verhindert, dass das geförderte Öl dennoch auf andere Weise verbraucht wird. Im Gegenteil, es gibt einen gut funktionierenden Mechanismus, den Marktmechanismus nämlich, der dafür sorgt, dass das vorhandene Öl verbraucht wird. Einzelwirtschaftlich vernünftiges Verhalten bewirkt nichts, wenn nicht alle Konsumenten auf der Erde ein starkes Signal dafür erhalten, ihre Konsumgewohnheiten zu ändern. Das Signal kann nur ein steigender Preis sein. […] Ein solches Signal wäre ein ständig steigender (realer) Ölpreis, der idealerweise dadurch zustande käme, dass die Ölförderländer so viel Öl in der Erde lassen, dass dauernd eine Überschussnachfrage entsteht.“1

Dafür braucht man staatliche Abkommen mit den Förderländern, „dass die Förderung fossiler Energieträger eingeschränkt wird.“ Flassbeck weist zusätzlich auf zwei Dinge hin. Erstens:

„Auf jeden Fall bräuchte man eine soziale Absicherung der Verteuerung in den Verbraucherländern, die der Neoliberalismus für Teufelszeug hält.“

Und zweitens:

„Immer muss man bei den Verteuerungsvarianten dazu denken, dass man gleichzeitig im globalen Maßstab verhindern muss, dass der Anstieg der Preise fossiler Energieträger dazu führt, dass all die Quellen angezapft werden, die bei steigenden Preisen profitabel werden – wie Fracking oder die Ausbeutung von Teersand. Das geht nur über staatliche Verbote. Ohne eine solche Absicherung würden die wichtigsten bisherigen Förderländer niemals einer Angebotsverknappung zustimmen.“

Am Schluss möchte ich das Buch „Ende der Märchenstunde“ von Kathrin Hartmann empfehlen. Hartmann hat sehr gut recherchiert und sichert ihre Argumentation mit vielen Beispielen und Zahlen ab. Die beiden Schlusskapitel lauten:

  • Warum privater Konsum keine Wirkung auf die Gesellschaft hat
  • Warum wir wieder politisch werden müssen
  1. Warum Grüne den Neoliberalismus lieben und gesamtwirtschaftliches Denken hassen, Makroskop 1.12.2017, Hervorhebungen von F.-J. A. []