Totholzkäfer in Uholka-Schyrokyj Luh

Zwischenbericht und Ausblick

Fassen wir zusammen:

  1. Im ukrainischen Buchenurwald von Uholka-Schyrokyj Luh gibt es 20 Totholzkäfer, die zu den sehr seltenen Urwaldrelikt-Arten gehören.
  2. Alle diese 20 Urwaldrelikt-Arten stehen in Deutschland auf der Roten Liste. Sieben davon sind schon ausgestorben.
  3. Nur über drei der 20 Käfer gibt es Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia.
  4. Auch in einschlägigen Käferführern gibt es nur ganz wenige Informationen über die 20 Käfer: im Kosmos Naturführer ist es nur eine der 20 Arten, die beschrieben wird, im Fauna Käferführer sind es vier.
  5. Eine wertvolle Informationsquelle sind Videos über acht der 20 Käfer auf YouTube.
  6. 12 der 13 Urwaldrelikt-Arten von Uholka-Schyrokyj Luh, die in Deutschland noch nicht ausgestorben, aber vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet sind, sind nicht gesetzlich geschützt.

All dies könnte zu dem absurden Ergebnis führen, dass die in Deutschland noch lebenden Urwaldrelikt-Arten aussterben könnten, ohne dass es irgendjemand bemerkt. Niemand kennt sie. Niemand schützt sie.

Wie aber könnte man sie schützen? Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) täuscht Einsicht nur vor. In der Broschüre Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur schreibt es:

„Viele in Deutschland vorkommende Käferarten sind an Totholz verschiedener Zerfallsstadien gebunden. […] Förster achten verstärkt darauf, dass die Lebensgemeinschaften von Totholz im Wirtschaftswald solche Lebensräume finden.“1

„Förster achten verstärkt darauf …“ Was das BMEL verschweigt, ist, dass hinter den Kulissen ein heftiger Streit darüber tobt, wie viel und welches Totholz im Wald notwendig ist. Martin M. Gossner, Thibault Lachat u. a. stellen in einem Aufsatz 2013 fest: Das Totholz in bewirtschafteten Wäldern ist zu dünn und zu frisch. Und die Menge immer noch zu gering. In den nächsten Kapiteln widme ich der Frage, wie man Urwaldrelikt-Arten schützen kann.

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  1. S. 23 f. []