Totholzkäfer in Uholka-Schyrokyj Luh

Die 20 Urwaldrelikt-Arten und Käferführer

Bieten Käferführer Informationen über die 20 Urwaldrelikt-Arten von Uholka-Schyrokyj Luh? Ich habe 2 wichtige Käferführer untersucht, ob sie mehr bieten als Wikipedia: den Käferführer aus dem  Kosmos- und den aus dem Fauna-Verlag.

Der Kosmos Käferführer

Der Kosmos Käferführer von Karl Wilhelm Harde und František Severa gilt als „das Standardwerk für alle Käferfreunde“.1 Der Verlag wirbt damit, dass „eine Fülle von Informationen rund um die Biologie der Käfer […] dieses kompetente Standardwerk zum unentbehrlichen Naturführer“ machen würden. Das Buch ist trotz seines Preises von 34,90 € bei Käferfreunden beliebt: 2014 erscheint bereits in der 7. Auflage.

Von den 20 Urwaldrelikt-Arten aus Uholka-Schyrokyj Luh kennt der Kosmos Käferführer einen einzigen: den Alpenbock (Rosalia alpina). Man mag noch verstehen, dass der Verlag die 7 Käfer weglässt, die ausgestorben sind. Aber dass 12 der 13 Käfer fehlen, die vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet sind, ist befremdlich. Als Entschuldigungsgrund kann nicht angeführt werden, dass der Käferführer nur „die Käfer Mitteleuropas“2 enthält und Uholka Schyrokyj Luh in Osteuropa liegt. Denn die 12 fehlenden Käfer stehen alle auf der deutschen Roten Liste. Ein Zyniker möchte meinen, der Verlag spare sich die 12 Käfer, weil sie in Deutschland nur noch auf dem Papier nicht ausgerottet sind und ein deutscher Käferfreund sie sowieso nie sehen wird.

Aber wenigstens über den Alpenbock schreibt der Kosmos Käferführer etwas:

„Alpenbock, 15-38 mm
Die einzige Art der Gattung in Mitteleuropa ist durch die hellblaue Behaarung großer Körperteile unverkennbar. In Deutschland kennt man nur noch wenige Fundorte in Bayern und Württemberg, sonst ist der Käfer ausgestorben. Von Juni bis September kann man die Käfer an den Brutbäumen finden oder an sonnigen Stellen an geschlagenem Buchenholz. Die Larven entwickeln sich im Holz anbrüchiger Buchen, selten anderer Laubbäume wie Ahorn.“3

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass er nach der Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Käferarten gehört.4

Der Fauna Käferführer

Der Käferführer des Fauna Verlags von Georg Möller, Reiner Grube und Ekkehard Wachmann ist das deutsche Standardwerk über Totholzkäfer. Georg Möller ist einer der wichtigsten Experten für Totholzkäfer in Deutschland. Seine bahnbrechende Dissertation aus dem Jahr 2009 Struktur – und Substratbindung holzbewohnender Insekten, Schwerpunkt Coleoptera – Käfer ist frei im Internet zugänglich.

Der Fauna Käferführer hat zwar im allgemeinen Teil am Anfang des Buches ein herausragendes Kapitel über „Waldkäfer in ihren Lebensräumen“5, der ihre vielen unterschiedlichen Lebensräume (Frischholz, Saft- und Schleimflüsse, Rinde, Holzpilze, Höhlen, Nester, Mulm usw. usf.) für Laien verständlich beschreibt. Das Buch bietet aber leider nur Informationen zu vier der 20 Urwaldrelikt-Arten:

1. Crepidophorus mutilatus

Merkmale: Länge 11 -18 mm. […]

Vorkommen und Lebensweise: In Gehölzbiotopen mit altem, höhlenreichen Baumbestand: Laubwälder, Alleen, historische Parkanlagen. Die Larve entwickelt sich im feuchteren, oft schon stark vererdeten Mulm in Stammhöhlen der verschiedensten Laubbäume. Sie ernährt sich räuberisch. Die Käfer sind nachtaktiv und werden daher selten gefunden.

– Aktuelle Nachweise für Crepidophorus mutilatus fehlen nur für Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.“6

2. Ischnodes sanguinicollis

Merkmale: Länge 8,5 -11 mm. […]

Vorkommen und Lebensweise: In feuchten Laubwaldgesellschaften. Nur in Altbaubiotopen mit naturnah hohem Totholzanteil: Hutewaldreste, forstlich wenig beeinflusste Wälder, historische Parkanlagen.

– Die Larven entwickeln sich in oft sehr nassem Mulm im Stammfuß hohler Laubbäume (z. B. Rotbuche, Birke, Ahorn, Ulme).“7

 

3. Mycetophagus decempunctatus

Merkmale: Länge 4,0 -5 mm. […]

Vorkommen und Lebensweise: Mycetophagus decempunctatus lebt an verpilzten Stämmen in feuchteren, totholzreichen Laubwäldern. Der bevorzugte Wirtspilz ist der Schiefe Schillerpoling Inonotus obliquuus. Andere Arten der Gattung Inonotus wie z. B. der Erlen-Schillerporling I. radiatus werden bei uns viel seltener als Larvallebensraum genutzt. – Aktuelle Nachweise dieser selteneren Art liegen aus Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg vor.“8

4. Rosalia alpina

Merkmale: Länge 15 -38 mm. […]

Vorkommen und Lebensweise: Im Bergland in alten Rotbuchenbeständen; Larven in weißfaul verpilztem, meist sonnenexponiertem Buchenholz. Die Käfer von Juni bis September an anbrüchigen und abgestorbenen Buchenstämmen, an Hochstubben, auf Holzklaftern und auf Holzlagerplätzen. – Bei uns nur noch in Bayern und Baden-Württemberg vor.9 Europaweit durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gesetzlich geschützt.“10

Bei meiner Suche nach Informationen über die 20 Käfer stoße ich zufällig auf eine Informationsquelle, mit der ich gar nicht gerechnet hatte: YouTube. Es gibt tatsächlich Videos zu acht Käfern.

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  1. Klappentext []
  2. Klappentext []
  3. S. 274 []
  4. S. 72 f. []
  5. S.30-39 []
  6. S. 110, Fettdruck im Original []
  7. S. 104 []
  8. S. 134 []
  9. Satzbaufehler im Original []
  10. S. 212 []