6 Unterschiede zwischen Urwald und Wirtschaftswald

oder: Die 6 entscheidenden Defizite von Wirtschaftswäldern

„[Es gibt] Totholzarten, die können wegen ihrer hohen ökologischen Ansprüche in Wirtschaftswäldern nicht überleben.“ Thibault Lachat und Jörg Müller

Einleitung

Ende Mai 2018 ist ein neuer wissenschaftlicher Sammelband über Totholzinsekten erschienen: Saproxylic Insects. Führende Experten aus aller Welt haben Aufsätze beigesteuert. Das 17. Kapitel heißt Die Bedeutung von Urwäldern für die Erhaltung der Totholzinsekten.1 Geschrieben haben es Thibault Lachat und Jörg Müller. Das Kapitel enthält viele sehr wertvolle Einsichten für den Naturschutz im Wald, die aber leider in der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Da das Buch ausgesprochen teuer ist und selbst über die Fernleihe von Stadtbibliotheken nicht zu erhalten ist, stelle ich die wesentlichen Inhalte des Kapitels in diesem Artikel vor. Es wurde mir freundlicherweise von Prof. Dr. Müller als PDF-Datei kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Thema ihres Kapitels beschreiben die beiden Autoren so:
„[In diesem Kapitel] identifizieren wir sechs Eigenschaften von Urwäldern, die wichtig für Totholzinsekten sind und die diese Wälder stark von Wirtschaftswäldern unterscheiden, nämlich das Fehlen einer Zersplitterung des Lebensraums, die Kontinuität [des Lebensraums], das Vorherrschen natürlicher Störungen, die Menge von Totholz und dessen Qualität, die Zusammensetzung der Baumarten und die Habitatbäume.“
Diese sechs Eigenschaften von Urwäldern sind nicht nur wichtig für Totholzinsekten, sondern in gleicher Weise auch für Vögel, Pilze, Moose und Flechten. Insofern markieren die sechs Eigenschaften auch die zentralen naturschutzfachlichen Defizite von Wirtschaftswäldern. Deshalb lautet der Untertitel meines Artikels auch: Die sechs Defizite von Wirtschaftswäldern. Lachat und Müller widmen jeder dieser sechs Eigenschaften ein eigenes Kapitel und beschreiben Urwälder auf der ganzen Welt. Ich gebe die Grundgedanken wieder, beschränke mich allerdings auf die Buchenurwälder Europas. Die folgenden Kapitel lauten also:
  1. Zusammenhang des Lebensraums
  2. Kontinuität des Lebensraums
  3. Natürliche Störungen
  4. Totholz
  5. Baumarten
  6. Habitatbäume
  7. Schluss

Zu den Autoren des Aufsatzes

Thibault Lachat lebt in der Schweiz. Seit 2016 ist er Professor für Waldökologie an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwirtschaften HAFL, die zur Fachhochschule Bern BFH in der Schweiz gehört. Davor war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.2 Jörg Müller leitet im Nationalpark Bayerischer Wald das Sachgebiet Naturschutz und Forschung. Seit 2013 ist er stellvertretender Leiter des Nationalparks und seit 2016 Professor für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie III) an der Universität Würzburg.3

Zur Übersetzung

Meine Übersetzung ist manchmal etwas frei. Sie dient dem leichteren Verständnis des Laien, der mit der wissenschaftlichen Fachsprache nicht vertraut ist. An einigen Stellen biete ich neben meiner Übersetzung auch das englischsprachige Original. Nach oben Nächste Seite: Zusammenhang des Lebensraums
  1. Übersetzung von F.-J. A. []
  2. siehe den Eintrag zu Thibault Lachat auf ResearchGate []
  3. siehe den Eintrag zu Jörg Müller auf ResearchGate []