Wiederaufforstung im Schellenberger Wald

„Im Rahmen der Waldpflege werden Bäume gefällt, die die Entwicklung anderer Bäume behindern […] und / oder als Risikobäume nicht mehr stand- oder bruchsicher sind.“
Volker Dubbel, Tobias Hartung und Martin Gülpen1

Fortsetzung: Kritische Analyse des Beitrags vom 6. Juni 2017

Sonnenbrand als Folge massiver Freistellung

„Sonnenbrand“ ist in der Fachliteratur als „Rindenbrand“ bekannt. Im Kosmos Wald- und Forstlexikon lesen wir:

„Rindenbrand entsteht durch Hitzeeinwirkung bei starker Sonnenbestrahlung. Er tritt daher nur auf der Sonnenseite auf, wobei besonders glatt- und dünnrindige Bäume (Fichte, Tanne, Buche, Ahorn, Pappel) davon betroffen werden. Rindenbrand geht über einen Teil der Stammrundung. Die Rinde wird streifen- oder platzweise trocken, reißt
auf und fällt schließlich ab. Als Folgeschaden tritt Pilzbefall auf.“2

Förster Hartung hat Recht: Orkan Ela hat viele Buchen plötzlich und massiv freigestellt. Ihren Stämmen fehlt nun der Schatten ihrer Nachbarbäume. Durch die starke Sonnenbestrahlung erhitzt sich die Rinde.

Förster Hartung hat Unrecht, wenn er die Schuld allein dem Orkan Ela in die Schuhe schiebt. Eine „plötzliche massive Freistellung“ der Buchen hatte es schon vorher gegeben. Der „Erholungsdauerwald“, das offizielle „Leitbild“ von Grün und Gruga, sieht genau das vor: Man schaue sich einmal die Zeichnung des „mehrschichtigen ungleichaltrigen Bestandesaufbaus“ auf dem Flugblatt „Erholungsdauerwald als Leitbild“ an:

Alle großen Bäume haben keinen gleich großen Nachbarn mehr, der ihrem Stamm Schatten spenden könnte. Auf den Plakaten, die Grün und Gruga bei geplanten Durchforstungen im Stadtwald aufstellte, konnte man lesen:

„Als Ergebnis sollen die Bäume im oberen Kronendach so locker stehen, dass ausreichend Licht an die unterständigen Bäume, Sträucher und Kräuter gelangen kann.“3

Wenn Licht an die unterständigen Bäume, Sträucher und Kräuter gelangt, gelangt es auch an die Stämme der oberständigen Bäume. Die Sonne erhitzt die Rinde, sodass Rindenbrand entsteht.

Folgerichtig sah der Schellenberger Wald bereits eine Woche vor Ela so aus:4

Auch in anderen Stadtteilen ist Sonnenbrand ein Problem, das bereits vor dem Orkan Ela aufgetreten ist. Im August 2013 kritisierte ich ausführlich die von Grün und Gruga geplante Durchforstung in Essen-Kettwig und schrieb in dem Kapitel Sonnenbrand bei Altbuchen:

„Die Praxis von Grün-und-Gruga ist grotesk: Erst stellt man die Buchen frei und setzt sie dem Sonnenlicht aus. Dann stellt man überrascht Rindenbrand fest. Und am Ende fällt man die Buchen zur „Verkehrssicherung“.“

Meine Kritik untermauerte ich mit folgendem Foto einer Buche mit Rindenbrand, die mit roten Punkten zur Fällung markiert ist:

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  1. Volker Dubbel, Tobias Hartung und Martin Gülpen, Ein neues Waldmanagement für die Stadt Essen, in: AFZ – Der Wald 8 / 2017, S. 18 []
  2. Gerhard Stinglwagner, Ilse Haseder, Reinhold Erlbeck, Das Kosmos Wald- und Forst-Lexikon, 5. Auflage 2016, S. 715 []
  3. Hervorhebungen von F.-J. A. []
  4. siehe dazu Starke Durchforstung in der Vergangenheit []