Meinungsmache in der Lokalzeit-Ruhr

Rainer Kuka – Hofberichterstattung für Forstarbeiter

Ich habe Rainer Kuka persönlich kennengelernt beim Dreh zur Zerstörung des Becker-Waldes in Bottrop (siehe meine Analyse des Fernsehberichts in der WDR-Lokalzeit-Ruhr am 28.3.2014). Kuka war damals peinlich genau um Ausgewogenheit bemüht: Es wäre undenkbar gewesen, nur die empörten Anwohner des Becker-Waldes zu interviewen. Natürlich musste auch Oberförster Reinhart Hassel seine Sicht der Dinge darlegen.

Genau diese Ausgewogenheit fehlt dem Bericht über die Aufräumarbeiten am Baldeney-See. Es kommen ausschließlich Forstwirte zu Wort: zunächst Franz Knipping vom gleichnamigen Forstunternehmen, dann Henner Ellerbruch von Grün-und-Gruga. Kuka fragt nicht nach, wenn Franz Knipping behauptet: „Hier ist ein Baum, da ist die Krone zum Großteil abgebrochen. Die Äste hängen hier noch herunter. Diese Bäume müssen auf jeden Fall entfernt werden, weil die es mit Sicherheit nicht überleben werden und später eine Gefahr darstellen.“ Knipping zeigt aber auf eine Vogelkirsche, bei der gerade einmal ein starker Seitenast abgebrochen ist. Offensichtlich fallen alle Bäume, die auch nur einen anbrüchigen Ast haben, dem Holzernteroboter zum Opfer. Die Befürchtungen von Jan von Hofmann, dem Präsidenten der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Baumpflege, bewahrheiten sich: „Viele Städte sind mit der Beseitigung der Sturmschäden massiv überfordert“, erklärte Hofmann im Interview mit der WAZ vom 18.6.2014. „An zahlreichen Bäumen sei durch den Sturm erhöhter Pflegebedarf entstanden – und mehr Pflege koste mehr Geld. Das könne dazu verleiten, im Zweifelsfall den Baum zu beseitigen, auch wenn dies gar nicht notwendig sei.“

Kuka stellt keine einzige kritische Frage:

  • Besteht ein Anreiz für Knipping-Forst, möglichst viele Bäume zu fällen?
  • Wie viele Festmeter werden eingeschlagen?
  • Wie viel Geld bekommt Grün-und-Gruga für die Hackschnitzel, für das Industrie- und für das Sägeholz?
  • Wie viel Holz wird direkt verbrannt?

Angeblich produziert Grün-und-Gruga den „ökologisch sinnvolltsten Wert- und Rohstoff Holz“ (siehe Erholungsdauerwald als Leitbild). Diesen zu verbrennen ist von allen Verwendungsmöglichkeiten die allerdümmste: Das im Holz gespeicherte Kohlendioxid wird sofort freigesetzt und heizt den Klimawandel an. Sturmholz ist billig wie Abfall. Warum belässt man das Holz, für das niemand anständige Preise zahlen will, nicht einfach im Wald und vergrößert so dessen ökologisch wertvollen Totholzvorrat? (siehe Vom Unsinn, Wälder aufzuräumen)

Statt Hintergründe zu recherchieren, hält Kuka dem Forstunternehmer Knipping das Mikro hin und läßt diesen Sprechblasen produzieren: Das Holz „wird in unterschiedlichen Sortimenten aufgearbeitet und dann der jeweiligen Nutzung zugeführt“. Für Kuka scheint fraglos festzustehen, dass das Holz verkauft und zum Großteil verbrannt werden muss. Deutschland zeigt mit dem Finger auf Indonesion und Brasilien, die ihre Wälder verbrennen, und macht es selbst ganz genauso. Nicht der Pfingststurm ist die Katastrophe, sondern die Verwandlung des Sturmholzes in Hackschnitzel und deren anschließende Verbrennung in Biomassekraftwerken wie dem an der Essener Lührmannstraße. (Zur behaupteten „Klimaneutralität“ derartiger Holzverbrennung siehe meinen Offenen Brief an Herrn Püttmann von Wald-und-Holz-NRW)

Für Kuka gibt es beim Aufräumen der Wege nur einen einzigen Standpunkt: den der Forstarbeiter. Er ist nicht auf die Idee gekommen, einen Waldexperten vom BUND oder NABU zu den sogenannten Aufräumarbeiten zu interviewen. Schon gar nicht darf über die Bürgerinitiative Waldschutz von der Essener Margarethenhöhe berichtet werden. Das Forstamt von Grün-und-Gruga ist eine heilige Kuh beim WDR-Studio Essen. Deutlich wird das beim Interview mit Henner Ellerbruch von der Abteilung „Gefahrenbaumfällung und Gefahrenabwehr“. Dieser darf fröhlich über „viele Tausende (sic!) Bäume“ spekulieren, die in den „Wäldern und Parkanlagen“ noch gefällt werden müssen. Hat Kuka sich einmal vorzustellen versucht, wie der Lührmannwald aussehen wird, wenn dort ein 20 Tonnen-Monstrum wie der am Baldeney-See eingesetzte Harvester Ponsse Ergo haust? Ein Harvester, der übrigens auch den Brasilianischen Regenwald kahlschlägt (siehe die Werbebroschüre Ponsse Ergo 8w Brasil)!

Die einzige Sorge von Kuka scheint zu sein, dass die Aufräumarbeiten nur „langsam vorankommen“ und „Radfahrer und Jogger“ die Wege nicht benutzen können. Er ahnt nicht, dass sich entlang dieser Wege auf den freigeschlagenen Flächen Riesen-Bärenklau, Drüsiges Springkraut und Japanischer Staudenknöterich wie eine Pest ausbreiten werden.

Kuka verbreitet Vorurteile, als wären es in Stein gemeißelte Wahrheiten: „Dabei liegt die größte Aufgabe noch vor den Forstarbeitern: Mit den Arbeiten in den Wäldern haben sie noch gar nicht begonnen.“ Für den deutschen Spießbürger steht fest: Wälder müssen aufgeräumt sein. In einem deutschen Wald stehen die Bäume hübsch ordentlich in Reih und Glied. Totholz hat darin nichts zu suchen. Am liebsten wäre es dem deutschen Michel, würde man die Wälder auch noch hübsch harken und Stiefmütterchen am Wegesrand pflanzen.

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