Durchforstung des Kettwiger Stadtwalds

5 grundsätzliche Probleme der geplanten Durchforstung

Es gibt mindestens 5 Probleme bei der geplanten Durchforstung:

  1. Verfall der Buchenholzpreise
  2. Eschensterben
  3. Kranke Jungbuchen
  4. Falsches Durchforstungskonzept
  5. Sonnenbrand bei Altbuchen

1. Verfall der Buchenholzpreise

Die Buchenholzpreise befinden sich im freien Fall (siehe Preise auf dem Holzmarkt). Das Buchenholz im Kettwiger Stadtwald hat im besten Fall C-Qualität. Die Buchen haben Zwiesel, krumme Schäfte und Blitzrinnen. Im Mülheimer Stadtwald wurde das Buchenholz für 47 €/Fm nach China verscherbelt. Es besteht die Gefahr, dass die alten Buchen als Energieholz verfeuert werden (vgl. Marita Vollborn, Deutschland holzt sich ab, Deutschlandradio vom 24.5.2013). Selbst wenn man nach Abzug der Kosten für die Holzernte 50 €/Fm einnehmen würde, betrüge der Reinerlös für die 1.800 Fm gerade einmal 90.000 €. Und das in einer Stadt, die den Bau eines neues Messezentrums für 123.000.000 € beschlossen hat!

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2. Eschensterben

In dem zukünftigen Erholungsdauerwald von Grün-und-Gruga sollen möglichst viele gesunde Baumarten bunt gemischt nebeneinander wachsen. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Die Naturverjüngung besteht aus nur drei Bäumen: Buche, Berg-Ahorn und Gemeine Esche. Und letztere ist todkrank. Über die Krankheit, die unter dem Namen “Eschentriebsterben” bekannt ist, informiert die Nordwestdeutsche Versuchsforstanstalt in ihren Praxis-Informationen vom April 2013. Verursacht wird die Krankheit durch einen Pilz mit Namen Hymenoscyphus pseudoalbidus (Falsches Weißes Stängelbecherchen).

 

Von der Artenvielfalt im zukünftigen Erholungsdauerwald, die der von Grün-und-Gruga bezahlte Forstexperte Dubbel nicht müde wird anzupreisen, bleibt nicht viel übrig. Viele Bürger werden z. B. Stieleichen vermissen. Oder Linden mit ihrem duftenden Blüten im Sommer. Oder Vogelkirschen, die im Frühling so hübsch blühen. Aber sie hätten künstlich angepflanzt und gepflegt werden müssen. Und dafür fehlte wieder einmal das Geld.

Der beschränkte Etat reicht nicht einmal für den „Waldlehrpfad mit den Bäumen des Jahres“. Den muss die Bezirksvertretung sponsern. Seit 2002 werden jedes Jahr medienwirksam eine Handvoll Bäume am Wegesrand gepflanzt:

Waldlehrpfad

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3. Kranke Jungbuchen

Nicht nur die Eschen sind krank, auch die jungen Buchen im Unterstand. Ihre endständigen Blätter sind verkrüppelt, abgestrorben und gelblich verfärbt. Das Schadbild ist als Buchenblattbräune bekannt, verursacht durch den Pilz Apiognomonia errabunda.  Auch Leittriebe sind abgestorben und die Blätter zeigen Fraßspuren von Schadinsekten wie z. B. Zikaden und dem Buchenspringrüssler. (Für seine Hilfe bei der Aufklärung der Buchenerkrankungen danke ich Dr. Christian Tomiczek, Leiter des Instituts für Waldschutz am Bundesamt und Forschungszentrum für Wald in Wien.)

Förster Peter Wohlleben ergänzt, dass die Blätter junger Buchen, die durch Schirmschlag entstanden sind, besonders viel Stickstoff enthalten. Ursache dafür ist der Stickstoffreichtum von sonnenbeschienen, warmen Waldböden (vergleiche Waldbild 3). Der hohe Gehalt an Stickstoff macht die Blätter attraktiv für Schadinsekten. Die Ursache für die gekrümmten Blätter ist seiner Ansicht nach ein „massiver Blattlausbefall in der Austriebsphase“ (Email vom 22. August 2013).

 

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4. Falsches Durchforstungskonzept

Knut Sturm, Leiter des Forstamts Lübeck, kritisiert die Einteilung der Bäume in gute Z-Bäume und schlechte Bedränger. Laut Schulbuch müssten die Z-Bäume wissen, dass sie schneller wachsen können, wenn man die schädlichen Bedränger entfernt. Aber „offensichtlich wissen die Bäume das nicht. Die haben schlicht und ergreifend die Bücher nicht gelesen, weil die Buchen wachsen halt bei uns ab einem Durchmesser von 40 cm einfach nur noch individuell. Dem können Sie so viel Futter gegen, wie Sie wollen, der will dann einfach nicht schneller wachsen und auch nicht langsamer. Der hat sein individuelles Wachstum auf diesen Standorten und dieser Effekt ist umso stärker, umso besser der Boden ist.“ (Johannes Kaiser: Der deutsche Wald. Ein Zustandsbericht, Deutschlandradio Kultur, Manuskript der Sendung vom 11. Juli 2013, S. 15)

Sturm hat maßgeblich an einem Projekt mitgearbeitet, das den umständlichen Titel trägt: Projekt zur Nutzung ökologischer Potenziale von Buchenwäldern für eine multifunktionale Bewirtschaftung. Im Abschlussberichts des Projekts kritisiert er die herkömmliche Forstwirtschaft. Diese geht davon aus, dass man gesunde und hochwertige Bäume erhalten, fördern und ihren Holzzuwachs steigern kann. Dazu wählt sie 50-200 sogenannte Z-Bäume pro Hektar aus. Diese fördert sie, indem sie 1-7 Bedränger pro Z-Baum fällt. Diese Vorgehensweise ist falsch. Im Projekt wurde gezeigt, dass nur Bäume mit einem Brusthöhendurchmesser von 20-40 cm positiv auf das Entfernen von Bedrängern reagieren. Der Holzzuwachs beschleunigt sich. Nicht so bei Bäumen mit einem Durchmesser größer als 40 cm. Ihr Wachstum ist völlig unabhängig davon, wie dicht die Bäume stehen. Angebliche Bedränger haben keinen negativen Einfluss. Auch die zeitlichen Abstände zwischen Durchforstungen sind bei der herkömmlichen Forstwirtschaft mit 5 Jahren laut Studie deutlich zu kurz: Alle 15 Jahre reichen völlig aus (s. Abschlussbericht, S. 338).

Vor diesem Hintergrund sind die von Grün-und-Gruga geplanten Durchforstungen im Kettwiger Stadtwald völlig sinnfrei: Der Brusthöhendurchmesser aller Buchen, die als Z-Bäume mit einem roten Ring markiert sind, ist größer als 40 cm. Sie werden von angeblichen Bedrängern, die mit roten Punkten zur Fällung markiert sind, nicht mehr in ihrem Wachstum beeinflusst.

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5. Sonnenbrand bei Altbuchen

Alte Buchen freuen sich nicht etwa, wenn ihre Nachbarbäume gefällt werden. Sie wachsen dann nicht fröhlich in die entstandenen Lücken im Kronendach. Sie legen nicht beim Holzwachstum zu, weil ihre Kronen nun mehr Licht bekommen. Alte Buchen, die „freigestellt“ werden, bekommen Sonnenbrand.  Nicht nur ihre Blätter sterben ab, auch die empfindliche dünne Rinde bekommt Risse und platzt auf. Pilze und Insekten dringen ein. Buchen sind Schattenbäume. Zuviel Licht schadet ihnen.

Rindenbrandmit roten Punkten zur Fällung markierte Altbuche mit Rindenbrand

Die Praxis von Grün-und-Gruga ist grotesk: Erst stellt man die Buchen frei und setzt sie dem Sonnenlicht aus. Dann stellt man überrascht Rindenbrand fest. Und am Ende fällt man die Buchen zur „Verkehrssicherung“.

Auf der nächste Seite stelle ich 10 Beispiele von geplanten Baumfällungen vor.

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