Depressionsfalle Lührmannwald

„Alte mächtige Bäume sind  .. die Kulisse, die Waldbesucher(innen) als erlebnisreich und ‚Natur pur‘ empfinden und die für sie den höchsten Erholungseffekt haben.“
Martin Levin, Forstamtsleiter des Stadtwalds Göttingen*

Endstation Stangenforst

Auch wenn die Förster von Grün-und-Gruga ständig Märchen vom „Dauerwald“ erzählen, glaube ich, dass ihr Traumwald ein Stangenforst ist. Dürre Bäumchen, hübsch in Reih und Glied aufgereiht. Wie ein Maisfeld, nur mit Bäumen. Da kann man dann prima mit der Spraydose durch und Bäume mit Punkten und Ringen versehen und Bedränger fällen und Z-Bäume züchten. Und kreuz und quer mit dem Rückeschlepper durchbrettern. Ein Försterparadies!

 

Vorstufe des Stangenforstes ist die „Naturverjüngung“. Nach dem Fällen eines Altbaums schießen massenhaft Ahorn- und Eschenstengelchen in die Höhe. Dieser kniehohe Baumkindergarten ersetzt keinen alten Wald. Diese Altersklasse, vom Förster Kultur genannt, ist ökologisch so wertvoll wie ein Steckrübenfeld und sieht genauso häßlich aus. Hat irgendein Maler schon mal dreijährige Ahornbäume gemalt, weil er von ihrem ästhetischen Reiz so fasziniert war? Auf diesem Ahornacker soll ich mich erholen?

 

Dass die Bewohner der Margarethenhöhe Wuttke nicht zum Teufel jagen, liegt wahrscheinlich daran, dass er zwischen all den schwindsüchtigen Holzstangen immer noch ein paar Altbäume stehen lässt. Es ist wie in der Parabel vom gekochten Frosch:  Weil man die alten Bäume immer nur Schritt für Schritt fällt, bemerken die Anwohner den schleichenden Kahlschlag gar nicht. Und die wenigen Kritiker macht man auf Exkursionen mundtot: „Schauen Sie, da hinten stehen doch noch alte Bäume!“

 

* Martin Levin, Drei auf einen Streich – Das Prozessschutzkonzept, in: Wald – Politische Spielräume zwischen Baum und Borke, Politische Ökologie, Heft 132 (März 2013, 31. Jahrgang), S. 108

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