Depressionsfalle Lührmannwald

„Wie viele Leute lese ich normalerweise Berichte über das politische Tagesgeschehen mit resigniertem Zynismus. Von Zeit zu Zeit aber machen Politiker solch fundamentale und moralische Fehler, dass Zynismus als Reaktion einfach nicht mehr ausreicht.
Dann ist es Zeit für richtige Wut.“

Paul Krugman, Aus Kindermund, New York Times 30. Mai 2013

Einleitung

Der Lührmannwald nahe der Essener Margarethenhöhe ist eine Depressionsfalle. Er ist so hässlich, dass er körperliches Unwohlsein erzeugt. Dafür ist Holzhacker Armin Wuttke verantwortlich. Und auf den bin ich richtig wütend. Ich stelle Ihnen einige der furchtbarsten Stellen dieses Holzackers vor:

 

Wald mit Magersucht

Depressionsfalle SternstraßeQuelle: Google Maps

Östlich der Brücke über den Mühlenbach hat Wuttke das gemacht, was er am liebsten macht: alte dicke Bäume fällen. Ein paar dürre Pirren sind durch die gefällten Bäume nicht abgeknickt worden. Ein Anblick zum Erbrechen. „Hier wächst der Mischwald der Zukunft!“ wird er oder sein Chef Haering freudestrahlend der WAZ erklären.

 

Weiter östlich bedeckt den Hang ein riesiger Haufen Kronenabfallholz. Einfach mal dahingekippt. Eine Karikatur von liegendem Totholz! In 10 Jahren ist dieser Waldarbeitermüll verrottet und dann wächst da ebenfalls der Japanische Staudenknöterich, ein invasiver Neophyt, der sich in alarmierender Schnelligkeit auf der Margarethenhöhe ausbreitet. Das kommt davon, wenn man das Kronendach ständig sperrangelweit aufreißt und „auflichtet“. Wo der Staudenknöterich sich ausbreitet, wächst buchstäblich kein Gras mehr. Wo er noch nicht wächst, wuchert die Brombeere den Waldboden zu. Ebenfalls ein Störungsanzeiger.

 

An den Rändern des Wegs wurde jeder zweite Baum gefällt. Am liebsten haben die Essener Förster es, wenn um jeden Baum eine tote Zone von mindestens 10 m Radius ist. „Einen Baum freistellen“ nennen sie das. Überall sind Bäume mit roten Punkten markiert und werden als „Bedränger“ entfernt. Sonst haben die armen Kronen angeblich keinen Platz und die Bäume wachsen den Holzbauern nicht schnell genug. Man betreibt in einem winzigen Stadtpark mitten in der Großstadt Essen „Z-Baum“-Auslese wie auf einem Holzacker im Sauerland (vergleiche Falsches Durchforstungskonzept und 10 Beispiele geplanter Durchforstungen). Es ist nicht zu fassen! Die Bäume, so denn überhaupt noch welche am Wegrand stehen, sind alles dünne Spargelstangen von höchstens 30 cm Durchmesser. Bäume, die dicker sind, stehen in Essen immer schon auf der Abschussliste. Die Bäume stehen so licht, dass überall die umgebenden Häuser zu sehen sind. Kinder können hier nicht verstecken spielen, sie wären überall sichtbar.

 

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