Kommunikation mit Grün-und-Gruga

13. April 2013: Adrian an Hartung

Sehr geehrter Herr Hartung,
gerne komme ich auf Ihr Angebot vom Freitag, den 12. April 2013, zurück,
mir auf Fragen zur Durchforstungsmaßnahme in Essen-Kettwig
(Graf-Zeppelin-Allee/Mendener Straße) zu antworten. Ich bin wegen dieser
Maßnahme alles andere als „beruhigt“ und „entspannt“ (NaBu-Broschüre, s.
u.). Ich habe folgende 12 Fragen:

1.
Der Stadtwald Essen wurde vom NaBu für sein „Bürgerbeteiligungsprojekt“
als „innovativer Kommunalwaldbetrieb“ ausgezeichnet worden
(NaBu-Bundesverband, Zukunft gestalten im Kommunalwald, Berlin 2013, S.
18 f.). Wurden im Vorfeld der Durchforstung interessierte Bürger,
Naturschutzverbände, Mitglieder des Stadtrats etc. pp. informiert
und/oder in den Entscheidungsprozess, welche Bäume gefällt werden
sollen, einbezogen? Wo sind im Internet „umfangreiche Informationen“
über die Maßnahme? Wo stehen „an der entsprechenden Fläche“ die
„Tafeln“, die über die Maßnahmen informieren? Hat der Stadtförster eine
„jährliche Führung“ veranstaltet und erläutert, „was vor Ort umgesetzt
werden soll“? Wurde ausführlich „in der lokalen Presse und im Rundfunk
darüber berichtet“? Was ist aus dem „Bürgertelefon“ geworden – oder
zählt man Frau Leicht, die mir erst Herrn Wuttkes, dann Ihre Handynummer
mitteilte, nun als „Bürgertelefon“? (Alle Zitate aus der NaBu-Broschüre)
Halten Sie vor diesem Hintergrund Ihren Vorwurf an mich aufrecht, ich
solle mich nicht „einmischen“ und Sie „Ihre Arbeit“ tun lassen?
2.
Sie sprachen am Telefon davon, dass die bis zu 40 cm tiefen Bodengleise
in den Rückegassen eine „unglückliche Begleiterscheinung“ sei, die
„vorkommen kann“. Habe ich Sie richtig verstanden?
3.
Sie sagten am Telefon, dass die Durchforstungsmaßnahme das Ziel
habe, den Wald an der Graf-Zeppelin-Allee/Mendener Straße in einen
„naturnahen plenterartigen Dauerwald“ umzuwandeln. Habe ich Sie richtig
verstanden? Wenn ja, wie würden Sie einen solchen definieren? Ich habe
bislang unter einem Plenterwald einen dicht bewachsenen Wald mit vielen
Bäumen sehr unterschiedlichen Alters verstanden.
4.
Ich habe auf der Durchforstungsfläche, die sich auf knapp 5 ha
beschränkt, mindestens 100 gefällte Bäume gezählt und mit GPS deren
Standorte vermessen. Der durchschnittliche Durchmesser der Baumstümpfe
betrug rund 80 cm (siehe Anhang – die blauen Fähnchen markieren den Ort
des gefällten Baumes). Das Alter betrug bei den dicksten Exemplaren mit
120 cm Stumpfdurchmesser ca. 100 Jahre. Die meisten gefällten Bäume
waren Buchen. Bis auf 4 Ausnahmen waren alle Bäume gesund und vital.
Warum fällen Sie diese Buchen?
5.
Grob geschätzt dürften 300-400 Festmeter Holz geerntet worden sein.
Stimmen Sie mir zu? Wenn nein, korrigieren Sie mich bitte! Welchen
durchschnittlichen Preis gedenken Sie für den Festmeter Holz zu erzielen?
6.
Ich habe 4 gefällte alte Buchen entdeckt, die innen bereits hohl
waren. Warum fällen Sie Bäume, die sich gut als Biotopbäume eignen
würden und deren Holz nur sehr wenig wert ist?
7.
Ich habe sehr viele Bäume mit z. T. erheblichen Rückeschäden
(abgebrochene Äste, Rindenschäden) gesehen. Diese Bäume werden krank
und im Wert erheblich gemindert. Wie stehen Sie dazu?
8.
Der *gesamte* Waldboden ist von Brombeeren bedeckt. In einigen
Abschnitten überwuchern die Brombeeren sogar meterhoch die jungen
Buchen. Auch der Adlerfarn kommt sehr häufig vor. Wie erklären Sie sich
diese für einen Buchenwald völlig unnatürliche Bodenbedeckung?
9.
In dem ca. 60 m breiten Waldstreifen an der Graf-Zeppelin-Allee im
Bereich der Bäume 1-45 gibt es praktisch überhaupt keine jungen Bäume.
Welchen Sinn macht dann das Fällen der alten Bäume? Wollen Sie so etwa
eine natürliche Verjüngung einleiten? Ohne vorher ein Mastjahr
abzuwarten? Ganz zu schweigen davon, dass durch die Rückearbeiten der
Waldboden auf einem Großteil der Fläche völlig verwüstet wurde.
10.
In dem kleinen Tal, wo die Bäume Nr. 70-80 gefällt wurden, befinden sich
einige ganz junge Buchen, die dort künstlich angepflanzt wurden. Warum
gibt es dort keine natürliche Verjüngung?
11.
Wie viel Vfm Lebendholz/ha, schätzen Sie, befindet sich nach der
Durchforstung nun in dem betreffenden Wald?
12.
Wie schätzen Sie die Erholungsfunktion des Waldes, die „besonders
berücksichtigt“ werden soll (NaBu-Broschüre, s.o.), nach Ihrer
Durchforstung ein?

Bis zum Eingang Ihrer Antwort werde ich mich nicht an die Öffentlichkeit
wenden und auch auf meiner Homepage keine Bilder und Videos Ihrer
Maßnahme veröffentlichen. Ich erwarte Ihre Antwort bis kommenden
Freitag, den 19.4.2013.

Vielen Dank im voraus für Ihre Antworten sagt Ihnen:
Franz-Josef Adrian

 

15. April 2013: Bösken an Adrian

Sehr geehrter Herr Adrian,
zunächst bedanke ich mich für Ihr Interesse und Ihre Sorge um den städtischen Wald in Essen.
Ihre 12 tlw. grundsätzlichen Fragen in der erwarteten Tiefe schriftlich zu beantworten, übersteigt unsere personelle Ausstattung, daher zwei Terminangebote:
1) Berücksichtigung Ihres Anliegens im nächsten FSC-Audit im Herbst dieses Jahres.
2) Sofern Sie eine Gruppe interessierter Nachbarn und/oder Interessierter Mitbürger sind, bieten wir gerne zeitnah einen eigenen Ortstermin für Ihre Gruppe an.
Für eine Terminabstimmung teilen Sie uns bitte Ihre vollständige Postanschrift und Telefonnummer mit.
Andernfalls und ergänzend können Sie natürlich bei einem unseren nächsten Ortstermine vor den anstehenden Waldpflegemaßnahmen mit Baumfällungen des nächsten Winterhalbjahres teilnehmen, die wir nach politischem Beschluss vor der Sommerpause unter http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Waldpflege.html abrufbar vorhalten. Aktuell ist hier noch für den Stadtbezirk IX der am 6.9.2012, 15 Uhr durchgeführte Termin abgedruckt.
Hierbei wurde die Waldpflege für den Waldbereich Am Bögelsknappen mit dem Startpunkt am Waldeingang gegenüber des Friedhofs durch Herrn Wuttke vorgestellt.

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Bösken

 

15. April 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken,
I am not amused!
Ich muss feststellen, dass Herr Hartung offensichtlich nicht zu seinem Wort steht, dass er mir am Freitag am Telefon gegeben hat.
Sie bieten mir einen Ortstermin an, für den inklusive Hin- und Rückfahrt 3 Stunden zu veranschlagen sind, haben aber nicht die Zeit, mir recht einfache Fragen zu beantworten. Wie viel Festmeter eingeschlagen wurden und welcher Preis damit zu erzielen ist, warum keine Schilder dort stehen und wann, wo und wer über diesen Einschlag informierte wurde, dafür braucht es keine weitschweifigen Romane! Das lässt sich in wenigen Sätzen beantworten. Auch Ihr Konzept des Plenterwalds sollte kurz und bündig zu erklären sein. Wenn Sie damit schon personell überfordert sind, wie wollen Sie dann das forstwirtschaftlich höchst anspruchsvolle Konzept des Plenterwalds umsetzen?  Sei es, wie es sei: Sie sind leider nicht der erste Förster, mit dem ich zu tun habe, der schriftliche Stellungnahmen scheut.
Aber wie auch immer: Ich werde Mitglieder der Bezirksvertretung informieren und mit Greenpeace-Essen reden. Ich denke, wir werden schon eine Gruppe „interessierter Bürger“ zusammenbekommen.
Es meldet sich wieder bei Ihnen:
der nicht nur interessierte, sondern empörte Bürger:
Franz-Josef Adrian

 

18. April 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken,
mittlerweile liegt mir das Jahresprogramm 2014 der Abt. 67-4 vor. Ich verstehe nicht, warum ich es nicht durch Sie oder Herrn Wuttke bekommen konnte. Der Text hat mich nicht beruhigt – mir scheint, dass zwischen dem, was von Grün-und-Gruga in offiziellen Dokumenten verlautbart wird, und dem, was de-facto praktiziert wird, ein garstig breiter Graben liegt.
Naturverjüngung? Rückepferde? Schonende Holzernte? Angepasste Wildbestände? Mehrstufige Mischbestände?
Ich habe meine Kritik an der „Waldpflegemaßnahme“ mittlerweile im Internet veröffentlicht:
http://franzjosefadrian.com/?page_id=825
Bei Herrn Kuske habe ich eine förmliche Beschwerde eingereicht. Und auch bei Herrn Prof. Dubbel habe ich angefragt, ob diese Art der Forstwirtschaft in seinem Sinne ist.
Im Gespräch mit einer Grünen-Politikerin wurde deutlich, dass auch andere Bürger durch die Maßnahme in Essen-Kettwig empört sind. Auch Greenpeace hat Interesse angemeldet.
Mfg
Franz-Josef Adrian

 

25. April 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken!
1.
Herr Dubbel erwähnt ebenso wie die Kommunalwaldbroschüre des NaBu Workshops, die 2008 (?) stattfanden. Gibt es dazu noch Teilnehmerlisten oder Kontaktadressen von Personen, die damals teilgenommen haben? Von den örtlichen Umweltschutzgruppen habe ich noch niemanden gefunden, der sich an diese Workshops erinnern kann.
2.
Ich habe gestern im NSG Schellenberger Wald umfangreiche Einschläge v. a. von alten Eichen und Buchen gefunden. Gibt es dazu irgendwelche Informationen bzw. Gründe für diese Maßnahme?
Sie können mich auch gerne anrufen unter … oder …
Mfg
Franz-Josef Adrian

 

26. April 2013: Bösken an Adrian

Sehr geehrter Herr Adrian,
…gerne, machen wir im Rahmen der Stakeholderbeteiligung. Haben Sie eine Postanschrift?
Mit freundlichen Grüßen
Norbert Bösken

 

26. April 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken,
meine Postanschrift lautet:

Ich habe da noch 2 Fragen:
1.
Gestern bin ich auf eine Durchforstungsmaßnahme im Heissiwald nördlich des Wildgeheges gestoßen. Sonderbarerweise taucht diese Pflegefläche aber eindeutig *nicht* im Wirtschaftsplan 2013 für den Stadtbezirk IX auf. Können Sie mir dazu etwas sagen?
2.
Sie hatten mir einen Ortstermin in Essen-Kettwig angeboten. Wie groß muss die Gruppe interessierter Bürger sein, die außer mir zu diesem Termin kommen müssen? Es gibt mittlerweile einige Interessenten, aber die Terminabsprache zwischen so vielen Leuten dürfte schwierig werden.
Ein erholsames Wochenende wünscht Ihnen:
Franz-Josef Adrian

 

29. April 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken,
nach einem Artikel im Kettwig Kurier werden es immer mehr, die an einem Ortstermin interessiert sind. Vielleicht wäre es verfahrenstechnisch am einfachsten, Sie würden uns einige Vorschläge in der 2. Maihälfte machen und wir klären dann unter den Bürgern, an welchem Termin am meisten Leute können. Sinnvoll wäre es sicherlich, wenn die Termine am späten Nachmittag liegen.
Ich möchte Sie bitten, mir auch ohne Ortstermin eine Frage zu beantworten und zwar die, warum im NSG Hülsenhaine alte Eichen und Buchen gefällt wurden.
Danke für Ihre Bemühungen sagt:
Franz-Josef Adrian

 

2. Mai 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken,
die BUND-Wald-AG möchten Ihnen vorschlagen, uns am 15. Mai um 16:45 Uhr am Parkstreifen hinter der Bus-Haltestelle an der Graf-Zeppelin-Str. treffen. Ist das möglich, dass dann Sie oder ein Vertreter von GGE dazukommt?
Mit freundlichen Grüßen
Franz-Josef Adrian

 

3. Mai 2013: Bösken an Adrian

Guten Morgen Herr Adrian,
für die Beantwortung Ihrer Beschwerde habe ich den leitenden Auditor für einen Termin angefragt. Sobald ich über abgestimmte Terminvorschläge verfüge, werde ich mich wieder melden.
Mit freundlichen Grüßen
Norbert Bösken

 

3. Mai 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken,
ich möchte Sie bitte *zeitnah* einen Termin zu ermöglichen. Da muss der FSC gar nicht im Boot sein. In meiner gestrigen Mail hatte ich Ihnen den 15. Mai vorgeschlagen.
Leider habe ich von Ihnen noch nicht die Unterlagen zu den Workshops erhalten und auch noch keine Antwort zum Holzeinschlag im NSG Hülsenhaine.
Ich möchte nicht, dass es hinterher heißt: „Ja, warum haben Sie uns denn nicht gefragt?!“ So geschehen nach einem Presseartikel über den Mülheimer Wald in der WAZ, der laut Oberförster Pfaff einen „Shitstorm“ auslöste:
http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/bio-lehrer-klagt-ueber-kahlschlag-im-muelheimer-stadtwald-id7880311.html
Ein schönes Wochenende wünscht:
FJA

 

7. Mai 2013: Bösken an Adrian

Guten Tag Herr Adrian,
für einen Ortstermin (Dauer ~1,0 – 1,5 h) mit dem leitenden Auditor des FSC können wir den 11.6.2013 anbieten. Der Termin müsste wegen der notwendigen Reisezeiten zwischen 12 und 17 Uhr stattfinden.
Alternativ könnten wir das gleiche Zeitfenster am 12.6.2013 oder 13.6.2013 für den Termin anbieten.
Ich bitte um Mitteilung, welchen Termin sie preferieren.
Mit freundlichen Grüßen
Norbert Bösken

 

7. Mai 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken,
danke für Ihre Mail! Ich werde mich in dem Kreis der Interessenten an einem Ortstermin jetzt umhören, welchen Termin diese bevorzugen. Ich melde mich spätestens in einer Woche bei Ihnen.
Mit den besten Wünschen für ein erholsames verlängertes Wochenende:
Franz-Josef Adrian

 

8. Mai 2013: Adrian an Bösken

Sehr geehrter Herr Bösken,
wir würden von den 3 Auswahlterminen gerne den Donnerstag, also den 13.6. nehmen. Da die meisten von uns berufstätig sind, wäre eine möglichst späte Uhrzeit von Vorteil – also vielleicht 16 Uhr?
Fragt:
Franz-Josef Adrian

 

8. Mai 2013: Bösken an Adrian

Sehr geehrter Herr Adrian,
soeben habe ich die Terminbestätigung des leitenden Auditors für den 13.6.2013 um 15.30 Uhr am Treffpunkt „Am Bögelsknappen/ Ecke Graf-Zeppelin-Straße in Essen erhalten.
Mit freundlichen Grüßen
Norbert Bösken

 

5. Juni 2013: Bösken an Adrian

Sehr geehrter Herr Adrian,
aufgrund der von Ihnen verfassten Strafanzeige sage ich in Abstimmung mit dem für Grün und Gruga zuständigen Ausschuss für Umwelt- und Verbraucherschutz, Grün und Gruga und der Betriebsleitung von Grün und Gruga Essen hiermit den ursprünglich für den 13.6.2013 um 15.30 Uhr geplanten Ortstermin ab.
Einen Ausweichtermin teilen wir zu gegebener Zeit mit.
Mit freundlichen Grüßen
Norbert Bösken