Kahlschlag im Hohenhorster Buchenwald

Brennholz statt Totholz

Windwürfe sind in natürlichen Wäldern keine Katastrophe. Das tote Holz verrottet mit den Jahrzehnten und bildet wertvollen Humus für die nächste Waldgeneration. Im und vom vermodernden Holz leben unzählige Insektenarten, davon allein 1.500 verschiedene Käfer. Ganz zu schweigen von den Schwebfliegen, Kammschnaken, Rindenwanzen, Kamelhalsfliegen, Faulholzmotten, Echten Motten, Glasflüglern, Wurzelbohrern, Holzwespen, Schlupfwespen, Erzwespen, Holzameisen, Bücherskorpionen, Raubmilben und den solitären Bienen und Wespen.1 Es gibt 1.600 holzzersetzende Pilze in Europa. Hinzu kommen Flechten und Moose. Und höhlenbrütende Vögel wie z. B. Schwarz- oder Mittelspecht. Und Fledermäuse.2

Der chaotische Verhau aus kreuz und quer übereinander liegenden Bäumen schützt die neuen jungen Buchen vor Verbiss durch Rehe. Hätte man die vom Wind geworfenen Bäume einfach liegen lassen, wäre ganz von alleine ein neuer Wald mit einem hohen Anteil an wertvollem Totholz nachgewachsen. Die zwei großen Umweltschutzverbände hadern seit Jahrzehnten mit den Förstern, dass in deutschen Wirtschaftswäldern viel zu wenig Totholz liegt:

Auch die Landesforstbetriebe weisen mittlerweile in ihren Hochglanzbroschüren darauf hin, wie wichtig Totholz ist:

Leider klafft ein garstig breiter Graben zwischen Theorie und Praxis: Der Hohenhorster Windwurf wurde restlos geräumt. Nicht ein einziger dicker Buchenstamm blieb liegen. Und auch kein dünner. Alle liegen sie ordentlich zu meterhohen Poltern aufgeschichtet am Straßenrand. Vermutlich werden sie als Brennholz verkauft.

 

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  1. Georg Möller, Wie viel Totholz braucht das Leben?, Berlin 2013, S. 6 []
  2. ebd., zum Thema Totholz siehe auch Fritz Brechtel, Alt- und Totholz – voller Leben, Oppenheim 1992 []