Wilde Wälder – Vortrag von Knut Sturm und Torsten Welle

Teil 6 des Vortrags – Wissenslücken beim Bodenkohlenstoff

Hinweis: Im aufgezeichneten Vortrag auf Youtube fehlt dieser 3,5 min langer Teil über Wissenslücken beim Bodenkohlenstoff. Sie finden Ihn im Mitschnitt auf Facebook ab 1:01:45.

[Torsten Welle:]
Dann zum Abschluss unseres heutigen Vortrags wollen wir noch einmal kurz eingehen auf bestehende Wissenslücken, die [..] wir identifiziert haben mit dem Bodenkohlenstoff.

Da sind wir wieder bei der Bodenkohlenstoffanalysen unserer mesophilen Buchenwaldgesellschaft. Wir haben jetzt gerade eine Studie laufen. Da ist auch ein Kollege von uns hier im Auditorium – der Vincent. Vielen Dank, dass Du gekommen bist extra aus München! Er und das Team in Weihenstephan analysieren die Bodendaten. […] Unsere Zielsetzung ist, dass wir den Einfluss vom Alter, dabei dem Waldstandortalter, das Alter des Waldstandorts, inwieweit ist ein Waldstandort durchgehend Wald gewesen oder inwieweit wurde er [in] Acker [umgewandelt] oder gestört. Das ist ein Faktor, den wir dabei untersuchen, und die Bewirtschaftung. Und da wollen wir sehen, wie groß diese zwei Einflüsse auf den Bodenkohlenstoff vor Ort sind. Gibt es da überhaupt einen Einfluss? Macht das etwas aus oder nicht?

Dazu haben wir sieben Waldstandorte herangezogen und versucht, viele Parameter gleich zu halten. Also wir haben gesagt, das sind alles mesophile Buchenwaldgesellschaften. Das Bestandesalter ist alles relativ ähnlich, zwischen 100 und 120 Jahren. Und dazu haben wir auch wieder diesen Schattiner Zuschlag genommen, den Sie eben gerade auch schon gesehen haben, weil wir wussten, der ist [..] 100 Jahre lang nicht bewirtschaftet. Das ist eine Referenz. Und dann noch zwei weitere aus dem Lübecker Stadtwald, die bei der Höhenmodellierung mit dem Laserscanning auch schon angesprochen worden sind. Also war der Kreisforst auch dabei, also die kompletten vier Standorte, die da angesprochen sind, die haben wir genutzt. Dann waren wir auch in den Heiligen Hallen, haben da zwei Standorte geprobt. [..] Die Krönung war, dass wir eine Forschungsgenehmigung bekommen haben auf der Insel Vilm, um da Bodenproben nehmen zu können.

[..] Die Analysen dauern gerade. [..] Wir hoffen, dass wir dann ein Ergebnis haben mit der These, dass je älter ein Waldstandort unberührt ist, dass dann höchstwahrscheinlich die Bodenkohlenstoffrate höher ist als mit stark bewirtschafteten Bäumen.

[Das] könnte man auch ableiten aus dieser einen Studie [von Luyssaert et al. – Old-growth forests as global carbon sinks (2008)], wo wir gesehen haben, dass 1,3 t Kohlenstoff pro Jahr [und ha] in den Wurzeln gelagert ist und höchstwahrscheinlich wird dieser Kohlenstoff, der in den Wurzeln ist, auch weitergegeben.

Wie gesagt, das ist eine aktuelle Studie, an der wir gerade arbeiten, wir sind da sehr aufgeregt, wie die Ergebnisse sein werden. Wenn sie anders sind, werden sie die auch erfahren. Weil wir machen ja Wissenschaft nicht nur, um die Ergebnisse zu bekommen, die wir denken, dass sie sinnvoll sind, sondern wir sind transparent und wollen natürlich alles so offenlegen, wie es letzten Endes ist. Und das ist eigentlich auch das Schöne an der Wissenschaft – denke ich aus meiner Sicht -, dass man Ergebnisse hat. Man sollte sie auch hinterfragen innerhalb der Wissenschaft, also nicht nur gegebenes Wissen einfach annehmen und so lassen und nicht zu ändern, weil, wenn ich neuen Erkenntnisgewinn habe, dann sollte er auch in Wissenschaften dann später in die Praxis eingehen. Weil, wenn Sie sich vorstellen, vor 100 Jahren hat der [unverständlich] das Auto erfunden und wäre da die Entwicklung auch nicht weitergegangen, dann würden wir jetzt alle noch mit einer Pferdekutsche mit 1 PS weiter herumfahren. Das kann es auch nicht sein, also … Neugierde, Erkenntnisgewinn sollte transparent und in alle Bereiche eingehen, und dass man sich dann auch darüber Gedanken macht, wie es weitergeht.

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