Exkursion in den Schattiner Zuschlag mit Revierleiter Baeskow

Die Namen „Schattiner Zuschlag“ und „Russenwald“

Der Name „Zuschlag“ kommt wahrscheinlich von „Verschlag“. Der Zuschlag war eingezäunt; Rinder und Schweine kamen so nicht in den Wald. Eine Waldweide fand nicht statt.

Bei der Einheimischen heißt der Wald auch „Spitzberg“ oder „Russenwald“. Der Name „Russenwald“ hat zwei Ursprünge: Am 18. November 1942 wurde der Wulfsdorfer Forstwart Otto Höltig von zwei russischen Kriegsgefangenen erschlagen, die aus einem Lager geflohen waren.1  Einheimische hatte im Wald ein Feuer gesehen. Der Förster ging allein hin, um nach dem rechten zu sehen. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem er mit einer Axt erschlagen wurde. Die beiden Flüchtlinge wurden gefasst und öffentlich auf dem Koberg in der Lübecker Altstadt gehängt. Eine andere Möglichkeit, die Herkunft des Wortes „Russenwald“ zu erklären, ist, dass die Russen zu DDR-Zeiten im Wald gern auf Wildschweinjagd gingen und so für Abwechslung auf ihrer Speisekarte sorgten.

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Reste des ehemaligen Forstamts

Der Weg vom Waldparkplatz „Schattiner Zuschlag“2 zum Wald führt an der Stelle vorbei, wo bis 1966 das Forstamt stand. Erkennbar ist der Standort durch die alten Linden, die dort stehen, den ehemaligen Obstgarten und die Allee mit alten Obstbäumen. Früher wurden die Förster nur zur Hälfte mit Geld entlohnt. Die andere Hälfte machte ein großer Acker aus, der vom Förster bewirtschaftet wurde. Die Obstbäume waren bis zur Wende sehr gut gepflegt. Die Einheimischen schätzen das gute Obst. Nach der Wende verfiel die Allee. Die Leute kauften ihr Obst nun lieber bei Aldi. Erst in jüngster Zeit lernen einige Anwohner die alten Obstbäume wieder zu schätzen.

Eine Allee alter Obstbäume führt zum Schattiner Zuschlag.

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Bewirtschaftung des Zuschlags nach 1945

Bis 1945 wurde der Schattiner Zuschlag nur extensiv bewirtschaftet. Nach 1945 kam es zu Reparationshieben. Die Stubben, die man im Wald sehen kann, gehen alle auf das Jahr 1948 zurück. Die Russen wollten nur die besten, wertvollsten Stämme haben. Diese wurden dann von Lübecker Forstwirten geschlagen. Ganz anders in der englischen Besatzungszone: Dort ließen die Engländer 300-400 ha große Kahlschläge zurück. Den Wald, der in der 5-km-Sperrzone lag, durften nur Einheimische und Grenztruppen ohne Passierschein betreten. Deshalb ruhte nach den Reparationshieben die geordnete Bewirtschaftung im Schattiner Zuschlag.

Zunehmende Unordnung im Schattiner Zuschlag

Jörg Baeskow erzählt, dass die Förster mit allen Tricks arbeiteten, um die zunehmende Unordnung im Wald zu kaschieren. Wenn eine Forstinspektion durch Inspektoren aus Rostock oder Wismar anstand, riefen die Förster kurzerhand den Hauptmann der Grenztruppen an und baten ihn, eine Übung zu machen.

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  1. siehe dazu: Hans Rathje Reimers, Wird der „Waldort“ Schattin ein echter Urwald? []
  2. siehe Karte im Programm der Aktionstage, S. 39 []