Gespräch über die Holzernte am Schweineberg

„Ich würde mir sehr wünschen, dass die Bevölkerung einfach mal hinguckt und dann zwar kritische Fragen stellt, aber nicht schon mit einer Vorverurteilung kommt und einen mit Google-Halbwissen konfrontiert und unterstellt, dass man nur die Unwahrheit sagt.“
Urban Backes, SaarForst

Antworten von Stadtförster Heise

Am 4.3.2019 führe ich zwei längere Telefonate mit Stadtförster Ottmar Heise. Heise bewirtschaftet den Stadtwald seit fast 40 Jahren und ist im letzten Jahr seiner aktiven Dienstzeit. Er hat immer nach den Grundsätzen der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) gearbeitet. Diese Grundsätze haben den Waldbau geprägt, den er im Stadtwald macht. Er antwortet geduldig und bereitwillig auf alle meine Fragen. Und ich habe viele Fragen:

Wie hoch sind Alter, Holzvorrat und jährlicher Zuwachs in den durchforsteten Beständen?

Die Buchen sind ungefähr 100 Jahre alt. Der Holzvorrat liegt ungefähr bei 320 Fm. Pro Jahr und ha wachsen 8 – 9 Fm zu. Im Durchschnitt hat der gesamte Stadtforst laut letzter Forsteinrichtung einen Holzvorrat von 316 Fm.

Wie viel Holz wurde geerntet?

In diesen Beständen werden alle 5 – 7 Jahre Hiebsmaßnahmen durchgeführt. Dabei werden ungefähr 50 – 60 Fm entnommen. Multipliziert man das Volumen der Holzernte mit 1,5, so kommt man auf den Zuwachs. Oder anders ausgedrückt: Ein Drittel des Zuwachses bleibt im Bestand und wird nicht geerntet. Beispiel: Der Zuwachs liegt bei 75 Fm, geerntet werden 50 Fm.1

Das sind immer nur ungefähre Zahlen: Man nimmt nicht jeden einzelnen Bestand und sagt: Ich darf jetzt in diesem Bestand genau 46,2 Fm Holz entnehmen! Das kann man sowieso nicht so genau beim Auszeichnen der zu fällenden Bäume errechnen. Das ist de facto unmöglich. Auch waldbauliche Gesichtspunkte spielen eine Rolle: In bestimmten Phasen gibt es mal einen stärkeren Eingriff, in anderen Phasen ist der Eingriff dafür schwächer.

Schild zur Durchforstung am Informationspavillon

Wie beurteilen Sie den jetzigen Zustand nach dem Hieb?

Nach dem Hieb sieht es immer ein bisschen wüst aus; v. a. wenn das ganze Holz noch im Bestand liegt. Das Stammholz ist gerückt auf beiden Schlägen. Das muss heraus, weil es sonst an Wert verliert und weil es verkauft werden muss.

Stammholz am Forstweg südöstlich des Schweinebergs

Was jetzt noch drin liegt, ist das Industrie- und das Energieholz. Mit diesen Holzsortimenten lässt sich Heise Zeit. Das rückt er ganz bewusst nicht im Winterhalbjahr, sondern in der Regel in Trockenperioden im Sommer.

Was geschieht mit dem Holz?

Der Großteil des Stammholzes wird an einheimische Sägewerker verkauft. Ein Teil geht an Exporteure. Es gibt keinen Forstbetrieb, die Landesforsten eingeschlossen, die nicht an Exporteure verkaufen.2 Die Forstbetriebe sind nicht begeistert darüber, aber sie können es gar nicht vermeiden, auch diese Vermarktungslinie zu nehmen. Denn in den letzten Jahrzehnten haben die Laubholzsägewerke systematisch ihre Betriebe geschlossen. Auch unsere Möbelproduktion ist komplett ausgelagert, es gibt kaum noch einen heimischen Möbelproduzent.

Förster Heise wäre es auch lieber, wenn er sein Holz in der Region verarbeiten lassen könnte, aber das ist eben nicht so. Das sind Entwicklungen, die kann man nicht den Forstleuten anlasten. Der Rohstoff Holz ist trotzdem wertvoll, denn die Exporteure zahlen nicht weniger, sondern vielleicht sogar etwas mehr als die einheimischen Säger.

Wie viel Buchenholz wird verbrannt?

20 – 25 % Buchenholz wird verbrannt. Der gesamte Betrieb hat eine Energieholzmenge von 600 – 700 Fm.3

Wo ist das starke Totholz im Bestand?

Das starke Totholz kann man in einem solchen 100jährigen Bestand noch gar nicht erwarten. Die Buche ist da in der Optimalphase, in der relativ wenige Bäume absterben. Das Forstamt lässt grundsätzlich jeden Baum, der Schäden hat oder mehrere Spechtlöcher oder abgestorben ist, im Bestand stehen. Aber es kann alte oder tote Bäume ja nicht herbeizaubern. Heise kann sie ja nicht künstlich unten anschneiden, damit sie trocken werden.

Welche Rolle spielen Selbstwerber?

Für Selbstwerber zieht der Forstbetrieb eine Grenze: Bei 8 cm Durchmesser (Derbholzgrenze) ist Schluss. Darunter dürfen Selbstwerber kein Holz aufarbeiten. In den letzten Jahren arbeiten die Leute nur noch in Wegnähe das Holz auf, d. h. im Bestand bleiben die ganzen Kronen mehr oder weniger liegen. Der Forstbetrieb macht keine Ganzbaumnutzung, bei der auch noch die Kronen gehackt werden. Im Bestand bleiben die Kronen komplett liegen.

Brennholzstapel eines Selbstwerbers südöstlich des Schweinebergs

Wo sind die alten Buchen geblieben?

Die alten Buchen sind bis auf ganz wenige Ausnahmen alle von den Vorgängern Heises geerntet worden. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, die Buche 250 Jahre alt werden zu lassen, denn dann sind sie unverkäuflich. Heise gibt zu bedenken, dass das früher ganz normal war. Man hat im Bergland damals in der Regel Saumschläge gemacht. Schon aus rein technischen Gründe konnte man damals keine Femelschläge machen oder die Bäume einzelstammweise nutzen. Motorsägen z. B. wurden erst in den 60er Jahren eingeführt. Deswegen konnte man auch keinen Stechschnitt machen.4 Man konnte die Bäume eigentlich nur absägen und fallen lassen.5

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  1. siehe Stadtforst – Waldbauliches Handeln []
  2. siehe auch Faktencheck: Holzimporte – Update []
  3. siehe auch Geschichte des Stadtwalds: „Seit 2005 gibt es eine kontinuierlich steigende Nachfrage nach Brennholz und Hackschnitzel zur energetischen Nutzung.“ []
  4. zum Stechschnitt siehe Die Sicherheitsfälltechnik []
  5. siehe auch Geschichte des Stadtwalds []