Schlachthaus Harrl

Klimaschädigung

Wälder könnten das klimaschädliche Gas Kohlendioxid speichern. In der Photosynthese wandeln sie Kohlendioxid in Traubenzucker um und mit dem bauen die Bäume die Cellulose auf, einen Hauptbestandteil des Holzes. Und auch Lignin, der zweite Hauptbestandteil, besteht letztlich aus umgebautem Zucker. Je mehr Holz ein Wald hat, desto mehr Kohlendioxid entzieht er der Luft und desto mehr speichert er. Im Harrl wird genau das verhindert. Der Wald wird durch die Einschläge holzarm und je weniger Bäume dort stehen, desto weniger können diese Kohlendioxid speichern.

 

2013 hat Greenpeace diese Fähigkeit der Wälder, Kohlenstoffdioxid zu speichern, wissenschaftlich untersuchen lassen. Die Studie trägt den Namen „Der Ökowald als Baustein einer Klimaschutzstrategie„. Im Durchschnitt speichern die lebenden Bäume in den bundesdeutschen Wälder 114 t Kohlenstoff pro ha. Jedes Jahr kommen 0,44 t Kohlenstoff pro Hektar hinzu. In den ökologisch vorbildlichen Wälder von Lübeck, Mölln und Göttingen speichern die Bäume dagegen 1,47 t, 1,83 t und 2,21 t pro Jahr und Hektar. Die in den Bäumen gebundenen Kohlenstoffmassen veranschaulicht die folgende Abbildung:

Quelle: Ökowald, S. 20

„C-Vorrat“ bedeutet Kohlenstoff-Vorrat. „C-Fluss“ bzw. „C-Senkenstärke“ meint die Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern. Die in Lübeck, Mölln und Göttingen gespeicherten Kohlenstoffmassen „liegen um 12-40% höher“ (Ökowald, S.19)  als der deutschlandweite Durchschnitt (siehe rote Linie in der Abbildung). Der Grund dafür sind die hohen Holzvorräte in den ökologisch bewirtschafteten Wäldern:

Holzvorrat (m3 / ha)
Niedersachsen263
Lübeck380
Mölln341
Göttingen425

Quelle: Ökowald, S. 19

Der Holzvorrat im Harrl wird aufgrund der massiven Einschläge der letzten Jahre sicherlich nicht höher sein als der Durchschnittswert für Niedersachsen. In den vom Schirmschlag betroffenen Beständen wird er sogar deutlich niedriger sein, weil die holzreichen alten Bäume fast alle gefällt worden sind.

Holz ist nicht per se klimaneutral. Das Holz aus der Durchforstung im Harrl geht nicht in langlebige Holzprodukte wie Bau- oder Möbelholz. Es wird entweder direkt verbrannt oder landet in kurzlebigen Holzprodukten wie Papier oder Spanplatten, die in wenigen Jahren dann auch verbrannt werden. Ganz zu schweigen davon, dass die neuen Spanplatten womöglich alte ersetzen, die sofort verbrannt werden. Es ist für den Treibhauseffekt völlig egal, ob das Kohlendioxid aus der Verfeuerung von Benzin oder von Holz kommt. Es kommt auf die Vermeidung von Kohlendioxid an, nicht auf die Quelle des Kohlendioxids. Es gibt kein gutes oder schlechtes Kohlendioxid. Deshalb macht Windkraft oder Wasserkraft oder Solarstrom Sinn. Aber nicht der Holzofen. Es ist eine Lüge der Brennholzindustrie, dass die Verbrennung von Holz umweltfreundlich ist.

 

Hinzu kommt, dass auf und im Waldboden große Mengen von unzersetzten totem Holz und Laub gespeichert sind. Wenn nach den Durchforstungen Licht auf den einstmals verschatteten Waldboden fällt, erwärmt er sich und die zersetzenden Prozesse laufen schneller ab. Die Folge: Das tote Holz und die Blätter werden schneller zersetzt und dabei entsteht als Endprodukt wieder das klimaschädliche Kohlendioxid. Der Wald wird von einem Kohlendioxidspeicher zu einer Kohlendioxidquelle: „Schade, dass das C02 nicht zu hören ist. Würde es zischen und pfeifen, uns gingen sämtliche Argumente für den angepriesenen Rohstoff Holz aus.“ (Peter Wohlleben, Der Wald – Ein Nachruf, S. 233)

 

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